Debatte um die Schuld der Juden
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Von news.de-Redakteurin Andrea Schartner, Berlin
100 Tage Amtszeit feierte Cem Özdemir kürzlich. Den 101. Tag verbrachte der Grünen-Chef im Kreuzberger Festsaal. Auf einer Podiumsdiskussion bezog er klare Position zum Antisemitismus in der muslimischen Einwanderungsgesellschaft.
Zu Beginn stand die Frage nach dem «Dürfen». Dürfen die Deutschen in Anbetracht ihrer Geschichte überhaupt ein anderes Volk auf antisemitische Tendenzen aufmerksam machen?
«Ja, denn Antisemitismus ist wie eine Hydra, ein mehrköpfige Schlange, die allerlei schreckliche Tendenzen ausbildet, wenn man nicht fühzeitig etwas dagegen tut,» sagte Anetta Kahane, von der Amadeu Antonio Stiftung. Die Initiative für Zivilgesellschaft und demokratische Kultur stellte in Kreuzberg eine Broschüre vor namens «Die Juden sind schuld» - und trat damit eine Diskussion vom Stapel.
Grünen-Chef Özdemir betonte: In Deutschland müsse man zur Kenntnis nehmen, dass es antisemitische Denkweisen nicht nur am rechten Rand oder bei linken sogenannten Anti-Imperialisten gäbe, sondern auch in der muslimischen Community, insbesondere bei männlichen arabischen, türkischen und kurdischen Jugendlichen.
In der Türkei habe der Ausraster des Präsidenten Erdogan bei der Diskussion mit Shimon Peres in Davos antisemitischen Tendenzen Tür und Tor geöffnet. In türkischen Städten seien vor Läden plötzlich Schilder aufgetaucht: «Hunde dürfen rein, aber Juden und Armenier nicht.» Erdogans eigentlicher Politik entspräche dies in keiner Weise, dennoch sei er Beispiel dafür, welche Auswüchse eine unbedachte Äußerung haben könne.
Vor Beginn der Veranstaltung hagelte es Kritik per E-Mail. «Ein neuer Versuch, die Muslime mundtot zu machen», «ein neuer Schachzug, um die Israel-Kritik zu verbieten», hieß es darin. Die Broschüre schaffe ein neues Feindbild.
Die Argumentation ist schwierig. Taz-Redakteur Philipp Gessler als Moderator der Podiumsdiskussion bekannte: «Seit fünf Jahren ist das Problem auf dem Tisch, Forschungen gibt es aber bis heute nicht dazu.»
Die These, wie auch die Ausführungen in der Broschüre, basieren tatsächlich mehr auf Erfahrungswerten denn auf nachweisbaren Zahlen. «Antisemitismus ist eine Ideologiegröße im Islamismus», sagte Claudia Dantschke vom Zentrum Demokratische Kultur in Berlin, das sich um einen Dialog der Kulturen bemüht.
Mirko Niehoff von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus bemerkte: «Oft fallen antisemitische Äußerungen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt, oft geben das die muslimischen Jugendlichen als Ablehnungsgrund an.»
In der Konsequenz blieb die Forderung, endlich Forschung zum Thema auf den Tisch zu bringen. Özdemir betonte, Moslemverbände in Deutschland müssten klare Kante zeigen. «Wer sich gegen Juden stellt und gegen das Existenzrecht Israels, der kann nicht Bündnis- oder Gesprächspartner sein.»
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Leserkommentare (8)
Wenn die UN-Hauptversammlung mit 133 zu 4 gegen Israels Entscheidung den gewählten palästinensischen Führer zu ermorden stimmt,bedeutet dies,dass außer den USA, Mikronesien und den Marschallinseln alle anderen Länder rund um den Globus antisemitisch sind.Sogar wenn eine hochschwangere Palästinenserin an einem israelischen Checkpoint festgehalten wird und sie deshalb auf offenem Feld ein Kind gebiert,so ist die einzige Lektion aus dem Artikel des Haaretz-Journalisten Gideon Levy,dass er antisemitisch sei.(Er hat übrigens von zwei derartigen Fällen berichtet:ein Neugeborenes starb an Ort+Stelle)
jetzt antworten Kommentar meldenSie haben gelesen,aber nicht verstanden.Juden+ Christen sind im Koran an keiner Stelle als Ungläubige benannt.Juden+Christen sind Gläubige und Inhaber der Schriften.Hierbei werden die Christen etwas besser beurteilt als die Juden.Man darf keine Koranstellen aus dem Zusammenhang reißen und dieser damit eine vollkommen falsche Bedeutung geben.Solche Falschinterpretationen werden sowohl von fanatischen Muslimen, wie auch von bösartigen Christen immer wieder benutzt.Außerdem ist es ohne arabische Sprachkenntnisse nicht möglich die7verschiedenen Worte für Ungläubigezu übersetzen.Spracharmut.
jetzt antworten Kommentar meldenwas ist wichtiger: eine glaubensbuch, oder das, was die gläubigen daraus machen? die bibel ist eines der blutigsten und grausamsten bücher der geschichte, aber der christliche glauben will friedlichkeit lehren. was man der bibel verzeiht, muss man auch dem koran verzeihen. ist der islan heute noch der gleich wie zu den zeiten, als der koran geschrieben wurde? so einfach ist das manchmal.
jetzt antworten Kommentar meldenHerr März, ich habe den Koran in verschiedenen deutschen Übersetzungen gelesen und nach den verschiedensten Suren sind Christen und Juden eindeutig als ""Ungläubige"" gebrandmarkt. Man sollte den Text des Korans nicht verharmlosen, so wie es häufig passiert, sondern die Realität sehen , denn nur so lassen sich Fehlentwicklungen wirksam bekämpfen.
jetzt antworten Kommentar meldenTypische Falschinterpretation vonW.Voigt Juden und Christen sind anerkannte Inhaber der Schriften und keine Ungläubigen. Gemeint sind hier nur die vom Glauben abgefallennen Christen und Juden.Hier wird absichtlich von christlicher Seite falsch interpretiert, so wie es fanatische Muslims sehr oft aus anderen Gründen auch machen.Hiermit stellt man sich auf eine Stufe mit fanatischen Islamisten.Mohamed hat niemals eigenhändig die die Juden in Medina geköpft.Es waren Kriegsopfer nachdem diese vertragsbrüchig Muslimische Truppen hinterhältig überfallen haben.Gemeine Propaganda auf beiden Seiten.
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