Umbau eines Foltergefängnisses «Abu Ghraib sieht jetzt aus wie eine Ferienanlage»

Iraq Abu Ghraib (Foto)
Bislang war Abu Ghraib der Inbegriff von Folter, nun sollen die Gefangenen hier besser behandelt werden. Bild: ap

Das berüchtigte Gefängnis Abu Ghraib im Irak ist unter neuem Namen wiedereröffnet worden. Es heißt jetzt Zentralgefängnis Bagdad und verfügt über Sportgeräte, Bücherei und Gewächshäuser. Im Militärlager Bagram bleibt indes alles beim Alten.

Bekannt wurde das Lager Abu Ghraib als Hort der Unmenschlichkeit. Nun ist es umgestaltet worden, wie irakische Behörden heute mitteilten. «Wir haben daraus etwas gemacht, das eher wie eine Ferienanlage als wie ein Gefängnis aussieht», sagte Mohammed al Seidi vom Amt für Wiedereingliederung bei einem Rundgang mit Journalisten.

Das Gefängnis war unter dem früheren Machthaber Saddam Hussein ein Zentrum für Folter. Später wurde Abu Ghraib zum Symbol amerikanischer Menschenrechtsverstöße, nachdem 2004 Fotos in der Öffentlichkeit auftauchten, die zeigten, wie irakische Häftlinge von US-Soldaten sexuell gedemütigt und misshandelt wurden. Die Empörung führte zu einem schweren Rückschlag für die Bemühungen der USA, die Situation im Irak zu stabilisieren. 2006 wurde Abu Ghraib geschlossen.

Die ersten 400 Häftlinge wurden bereits in das renovierte Gefängnis verlegt, 3000 weitere sollen demnächst folgen. Insgesamt soll die Haftanstalt nach Angaben des Justizministeriums einmal bis zu 15.000 Gefangene aufnehmen können. Die Behörden versprachen, sich um die Sorgen von Menschenrechtlern zu kümmern, die Überbelegung und Folter in irakischen Haftanstalten angeprangert hatten.

Mit der Umgestaltung des irakischen Gefängnisses dürfte ein weiteres Kapitel in der unrühmlichen US-Politik der vergangenen Jahren geschlossen sein. Trotzdem warnen Menschenrechtler vor zuviel Euphorie, denn nach wie vor werfen sie den USA im Umgang mit Kriegsgefangenen schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Zwar hatte US-Präsident Barack Obama sich unlängst dafür eingesetzt, dass auch das umstrittene Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba geschlossen werden soll. Aber wie Spiegel Online heute berichtet, lässt Obama in Afghanistan den Militärknast Bagram bestehen.

Bislang gibt es nur wenige Informationen über dieses Lager, aber vereinzelt berichten auch ehemalige Bagram-Gefangene von Misshandlungen und Foltermethoden. Schätzungsweise 600 Insassen sollen in Bagram noch einsitzen. Damit ist das weithin unbekannte Lager mittlerweile größer als Guantanamo. Juristisch unterscheide sich das Lager aber in einem wesentlichen Punkt: Weil fast alle Insassen im Kampfgebiet von Afghanistan und Pakistan festgenommen worden seien, gelte für sie das Kriegsrecht, schreibt Spiegel Online. Nach Ansicht der US-Administration könnten deshalb die Männer dort auf unbegrenzte Zeit festgehalten werden. Folglich unterliege in Bagram alles der militärischen Geheimhaltung - daran werde sich auch unter US-Präsident Obama vorerst nichts ändern.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hatte Obama laut dem Onlineportal eine Kommission eingesetzt, um eine Strategie für den Umgang mit den installierten Gefangenenlagern im Ausland zu entwickeln. Ergebnisse werden allerdings erst im Sommer erwartet. Und so lange, zitiert der Spiegel Online einen amerikanischen Spitzenbeamten, werde sich auch in Sachen Bagram nichts ändern.

jek/seh

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