Botschafter soll Rückkehr der Kosovaren organisieren
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Seit einem Jahr ist der Kosovo unabhängig. Zum Jahrestag hat der erste Botschafter des Landes in Berlin seinen Dienstsitz bezogen. Seine Aufgabe: Die Rückkehr der 23.000 Kriegsflüchtlinge organisieren - doch die wollen gar nicht weg.
Seine Landsleute sehen ihn schon als Hoffnungsträger, dabei hat er gerade erst das Fähnchen auf seinem Schreibtisch aufgestellt. Vilson Mirdita ist der erste Botschafter der Republik Kosovo in Deutschland. Rechtzeitig zum ersten Jahrestag der Unabhängigkeit am 17. Februar eröffnet heute in Berlin die neue diplomatische Vertretung seines Landes. Schon zuvor habe ständig das Telefon geklingelt, mindestens 50 E-Mails hätten ihn täglich erreicht, berichtet Mirdita. «Die Euphorie unserer Landsleute ist sehr, sehr groß.» Zum Feiern ist jedoch nicht allen zumute. Das Kosovo gilt nach dem Ende des Bürgerkrieges wieder als sicher - viele fürchten aber, deswegen abgeschoben zu werden.
«Wir müssen von Null anfangen», erklärt Mirdita. Der 38-Jährige und sein Sekretär sind bislang die einzigen Mitarbeiter der Landesvertretung. Noch vor wenigen Tagen stand der Umzugswagen vor der Tür, Handwerker haben gebohrt und gehämmert, Flagge und Hoheitszeichen mussten an der Fassade in Berlin-Mitte angebracht werden.
Zum ersten Mal gebe es eine Adresse, an die sich seine Landsleute in Deutschland wenden können, sagt der neue Botschafter. Etwa 23.000 Kosovaren leben nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Bundesgebiet. «Doch man schätzt, dass sich mehr als 200.000 in Deutschland aufhalten», sagt Mirdita. Die Mehrzahl besitze die Staatsbürgerschaft des Restjugoslawiens und habe sich noch nicht umgemeldet. Neben Kriegsflüchtlingen seien etliche Kosovaren schon in den 70er Jahren als jugoslawische Gastarbeiter gekommen. «Wir arbeiten daran, dass wir den Menschen eine Perspektive geben, damit sie auch im Kosovo eine Zukunft haben können.»
Doch viele wollen bleiben - zum Beispiel Sadan Thaci. Sein Visum läuft in einem Jahr ab. «Weil ich noch in der Ausbildung bin, hoffe ich, dass ich bleiben kann», sagt der 21-Jährige. Sein vier Jahre jüngerer Bruder sei vor einem Jahr morgens zu Hause abgeholt und nach Serbien abgeschoben worden. Dass Flüchtlinge aus dem Kosovo auch in Zukunft mit der Abschiebung in ihr Heimatland rechnen müssen, entschied am vergangenen Donnerstag der Bundestag. Abgeordnete von CDU/CSU, SPD und FDP lehnten die Forderung der Linken nach einem Abschiebestopp ab.
Thaci sorgt sich um seinen Bruder, da er die Situation im Kosovo als gefährlich einschätzt: «Serben und Kosovo-Albaner haben immer noch Streit untereinander.» Botschafter Mirdita hält dagegen: «Die Leute fühlen sich jetzt sicher.» Zwar sei die wirtschaftliche Lage noch problematisch und die Arbeitslosigkeit hoch, aber die neue demokratische Verfassung ermögliche auch den Minderheiten wie den Roma ein Leben in Freiheit. Thaci allerdings gehört zu der albanischen Volksgruppe, die 95 Prozent der Bevölkerung ausmacht, und fühlt sich bei dem Gedanken an eine Rückkehr dennoch nicht wohl.
Um die Wirtschaft in dem an Bodenschätzen reichen Land anzukurbeln, will Mirdita in Deutschland Investoren gewinnen. Zu seinen Aufgaben gehört auch, diplomatische Beziehungen aufzubauen. «Wir werden uns bemühen, bei den Ländern, die uns noch nicht anerkannt haben, Aufklärungsarbeit zu leisten.» 54 Staaten weltweit haben die Republik Kosovo bisher anerkannt. Deutschland hat offiziell zwei Tage nach dem Unabhängigkeitstag diplomatische Beziehungen aufgenommen. Fernziel seines Landes ist Mirdita zufolge die Integration in die Europäische Union.
Wie man sich auf diplomatischem Parkett bewegt, musste der junge Botschafter erst in einem «Schnellkurs» lernen. Vor 16 Jahren kam er als Student nach Deutschland und lehrte bis zu seiner für ihn überraschenden Berufung an der Universität Hohenheim in Stuttgart Angewandte Genetik und Pflanzenzüchtung. Sein neuer Alltag als Diplomat begann heute nicht ganz zufällig am ersten Unabhängigkeitstag seines Landes.
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