«Die Rückkehr ins Leben ist das Härteste»
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von Martin Klostermann
Artikel vom 11.02.2009In verschiedenen Konflikten weltweit werden Kinder als Soldaten eingesetzt. Auf ihr Alter wird keine Rücksicht genommen. Ein ehemaliger Kindersoldat aus Sierra Leone erzählt, was er erlebt hat und wie er den Weg aus der Armee schaffte.
Ishmael Beah war Kindersoldat. Mit zwölf Jahren geriet er in seiner Heimat Sierra Leone zwischen die Fronten des Bürgerkriegs. Regierungstruppen rekrutierten ihn, drei Jahre lang kämpfte er gegen Rebellen, tötete viele Menschen und wurde selbst schwer verwundet. Der heute 28-Jährige erzählt:: «Die Dinge, die mir passiert sind, sind so unglaublich weit weg von einem normalen Leben. Das Level an Gewalt in einem Krieg ist so hoch, das kann sich einfach kein Mensch vorstellen.»
Darüber, wie viele Menschen er erschossen, erstochen und gefoltert hat, verlor er irgendwann den Überblick. «Während eines Krieges hast du nicht die Zeit zu zählen, das wäre Luxus. Nein, so etwas weiß man nicht», sagt Beah. Schuldig fühlt er sich heute nicht. «Für jeden Tag, den du überlebst, muss ein anderer sterben. Entweder du bringst deinen Gegner um, oder er bringt dich um», erinnert er sich. «Mit der Zeit lernst du, unter dem Druck der Vorgesetzten und dem Rausch der Drogen, die sie dir geben, zu funktionieren.»
Mit Hilfe der Hilfsorganisation Unicef gelang Beah schließlich die Flucht. Es fiel ihm sehr schwer, sich wieder in einem normalen Leben zurechtzufinden. Seine Eltern, seine Geschwister und seine Freunde waren ermordet oder verschollen. Beah war auf Entzug, konnte nächtelang nicht schlafen. Vor allen Dingen hatte er verlernt, anderen Menschen zu vertrauen. «Die Rückkehr ins Leben ist das Härteste. Kindersoldat wirst du dagegen ganz leicht, weil du nämlich keine Wahl hast. Können dich die Truppen nicht rekrutieren, bringen sie dich um.»
Heute lebt der ehemalige Kindersoldat in den USA, arbeitet für die Vereinten Nationen und reist um die Welt, um wieder und wieder seine Geschichte zu erzählen. Seine Erlebnisse hat er auch in einem Buch («Rückkehr ins Leben - Ich war Kindersoldat») verarbeitet.
Seinen Optimismus hat Beah trotz der grausamen Erlebnisse nicht verloren: «Ich bin glücklich, dass ich überlebt habe, viele haben das nicht getan. Und ich bin glücklich, dass ich etwas aus meinem Leben machen durfte», sagt er. «Ich wünsche wirklich keinem Menschen, das zu erleben, was ich erleben musste. Aber durch diese Erfahrungen habe ich viele Dinge im Leben wirklich sehr zu schätzen gelernt.»
jan
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Ruandas ehemaliger Verteidigungschef Theoneste Bagosora muss lebenslang ins Gefängnis. Das UN-Sondertribunal in der mehr ...