Gerangel um Glos-Rücktritt Jetzt soll er doch dürfen

Geht er? Oder bleibt er? Die Union diskutiert das Rücktrittsangebot von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Inzwischen sollen sich Seehofer und Merkel darauf verständigt haben, Glos zu entlassen. CSU-Schatzmeister Thomas Bauer würde ihn gerne beerben.

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Das Verhältnis zwischen CSU-Chef Horst Seehofer (li.) und Wirtschaftsminister Michael Glos (re.) ist zerrüttet. Bild: ap

Wie das Online-Portal der Süddeutschen Zeitung berichtet, steht die Abberufung von Michael Glos als Bundeswirtschaftsminister unmittelbar bevor. Bundeskanzlerin Angela Merkel und CSU-Parteichef Horst Seehofer haben sich einem Bericht nach darauf verständigt, dem Rücktrittsgesuch des CSU-Manns nachzugeben. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Zuvor hieß es, die Unionsführung wolle jetzt rasche eine Lösung herbeiführen. In der CSU-Spitze werde intensiv beraten. Offen bleibt, ob eine Lösung noch heute bekannt gegeben wird.

Nach Medieninformationen soll das seit langem zerrüttete Verhältnis von Glos und Seehofer Auslöser für den Rückzug gewesen sein. Demnach sprach der CSU-Chef hinter Glos' Rücken mögliche Nachfolger an und brachte damit das Fass zum Überlaufen. Der 53-jährige CSU-Schatzmeister Thomas Bauer sagte der Tageszeitung Die Welt: «Horst Seehofer hat mich in den letzten Monaten ein paar Mal darauf angesprochen, ob ich Interesse hätte, in ein höheres politisches Amt zu gehen.» Für ihn sei dies vorstellbar, allerdings wolle er Glos nicht verdrängen. Ob Bauer Nachfolger wird, ist aber unklar.

Trotzdem entwickelt er bereits Ideen für den Fall, dass er das Amt übernehmen solle. «Ich würde schon einen anderen Stil in der Politik verfolgen. Ich würde intensiv mit den Wirtschaftsvertretern sprechen und versuchen, wieder gemeinsam erfolgreich zu werden», sagte er der Süddeutschen Zeitung. «Wir brauchen wieder mehr verantwortungsvolles Handeln und einen Mentalitätswandel: Die Wirtschaftsführer sollen sich nicht auf das System verlassen, sondern müssen es selbst richten.»

Die Nachfolger-Debatte ist damit weithin sichtbar losgetreten. Bereits gestern waren die bisherige Parlamentarische Wirtschaftsstaatssekretärin Dagmar Wöhrl und CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer als mögliche Anwärter auf das Amt ausgemacht worden. Zumindest Ramsauer winkte jedoch heute ab. Zu den Spekulationen sagte er: «Das ist völlig unsinnig. Michael Glos ist im Amt und muss es in meinen Augen auch bleiben.»

Da dieser Kabinettsposten laut Koalitionsvertrag der CSU zusteht, kommt bei einer Neubesetzung dem Wort von Parteichef Horst Seehofer ein großes Gewicht zu. Formal ist aber Bundeskanzlerin Angela Merkel diejenige, die über einen Rücktritt von Glos zu entscheiden hat. Offen ist allerdings nach wie vor, ob und wann ein Wechsel erfolgt. Ein Gespräch von Seehofer und Glos soll bis Montag «Klarheit» schaffen, hieß es heute aus der CSU. Seehofer hatte gestern zunächst die Bitte von Glos abgelehnt, ihn von seinem Ministeramt zu entbinden.

Politiker von CSU und CDU forderten Seehofer zu einer schnellen Entscheidung auf. Der Parteivorsitzende müsse «rasch Klarheit bei der Besetzung des Wirtschaftsministeriums schaffen, um Schaden für das Land und die Partei zu verhindern», sagte der CSU-Spitzenkandidat für die Europawahl, Markus Ferber.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast kritisierte derweil: «Diese Regierung gleicht einem Tollhaus. Eine außer Kontrolle geratene bayerische Regionalpartei blockiert das ganze Land, und die Kanzlerin schaut macht- und tatenlos zu.» In einer Mitteilung verlangte sie heute von Merkel, Glos sofort zu entlassen, damit die Regierung wieder handlungsfähig ist.

Merkel war gestern von Glos über seinen Rücktrittswunsch informiert worden und bestand nach Angaben der Bild am Sonntag wie Seehofer darauf, dass Glos im Amt bleibt. Die Zeitung hatte einen Brief von Glos an Seehofer veröffentlicht. Darin verweist Glos angesichts der Bundestagswahl im Herbst auf sein Alter und die notwendige Reform der CSU. Nach dem schwachen Abschneiden der Partei bei der bayerischen Landtagswahl seien «Erneuerung, Gestaltungskraft und Glaubwürdigkeit mehr denn je gefragt.»

jek/seh

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