«Klimaschutz ist auch eine Sache für Militärstrategen»
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Von news.de-Redakteur Jens Kiffmeier
Artikel vom 06.02.2009Energie und Klimaschutz - das war früher Sache der Ökos. Doch mittlerweile hat auch das US-Pentagon diese Themen entdeckt und sie auf die Agenda der Münchner Sicherheitskonferenz gehoben. Über den Sinn sprach news.de mit dem Energieexperten Josef Braml.
news.de: Bislang waren Atomverträge, Nato-Strategien oder Abrüstungsfragen die zentralen Punkte der Sicherheitskonferenz. Nun gibt es eine Premiere. Die USA wollen jetzt auch internationale Energiefragen zum Thema machen. Überrascht Sie das?
Braml: Nein. Die landläufige Meinung war zwar bislang, dass Energie kein Sicherheitsthema ist. Aber in den USA sieht man das schon lange anders. Die Sicherung von Energiequellen spielt seit geraumer Zeit eine sehr zentrale Rolle in der amerikanischen Außenpolitik.
news.de: Warum?
Braml: Weil die USA hier sehr verwundbar sind. Amerikas Energiebedarf wird vorrangig mit Ölimporten gestillt. Ob im Nahen Osten, in Venezuela oder in Mexiko - die Ressourcen sind endlich. Und somit wächst Amerikas sicherheitspolitische und wirtschaftliche Abhängigkeit immer mehr, gerade auch von Regionen, die als instabil gelten. Zwar versuchen die Amerikaner nun, verstärkt Öl aus Afrika zu importieren. Aber das alleine wird das Problem nicht lösen.
news.de: Das Problem mit den endlichen Ressourcen haben viele Staaten. Heißt das, die USA werden nun den viel zitierten Kampf ums Öl forcieren?
Braml: Nein. Natürlich wird das Thema auch unter dem Gesichtspunkt diskutiert, wie man Energiequellen vor Terroristen schützt oder wie die Nato internationale Öltanker vor Piratenübergriffen bewahren kann. Aber das alleine ist nicht das Thema, denn man darf das nicht nur über die Sicherheitsschiene betrachten. Es gibt auch eine wirtschaftliche Komponente. So haben zum Beispiel die steigenden Ölpreise die Preise in den USA in die Höhe getrieben, die Kaufkraft der Amerikaner vermindert und damit die Binnenkonjunktur geschwächt. Deshalb werden auch die USA mittelfristig gezwungen sein, auf alternative Energieformen zu setzen.
news.de: Der neue US-Präsident Barack Obama scheint da ja in der Tat sehr aufgeschlossen zu sein.
Braml: Das Umsteuern in der Energiepolitik hat längst begonnen, nicht erst seit Obamas Amtsantritt. Auch ein Präsident McCain hätte in diesem Sinn die Amtsgeschäfte geführt. Selbst im Kongress wird eine energiepolitische Kurskorrektur stark vorangetrieben, da haben sich die früheren energiepolitischen Bremser zu den stärksten Treibern entwickelt. Hinzu kommt, dass die amerikanische Autoindustrie am Boden liegt und innovative Konzepte entwickeln muss. Und selbst die mächtigen amerikanischen Öl-Milliardäre wissen um die Endlichkeit der Ressourcen und suchen nach neuen Geschäftsfeldern. Nicht wenige wittern dabei neue Gewinne in dem alternativen Energiesektor.
news.de: Aber das sind doch eher innenpolitische Fragen. Wieso ist das aus Sicht der USA ein Thema für eine internationale Sicherheitskonferenz?
Braml: Man darf das nicht so eng sehen. Man muss den Begriff «Energiesicherheit» in einem weiteren Sinn verstehen. Das betrifft übrigens nicht nur die Energiepolitik. Klimaschutz spielt in punkto Sicherheit zum Beispiel auch eine internationale Rolle. Staaten, die ohnehin instabil sind und in denen die Lebensverhältnisse zukünftig zusätzlich von der Erderwärmung bedroht sind, werden natürlich international zu einem Sicherheitsrisiko. Das weiß man auch im Pentagon. Klimaschutz ist längst keine Sache mehr ausschließlich für Baumliebhaber, sondern auch für Militärstrategen.
news.de: Gegner werfen der Münchner Konferenz gerne Kriegstreiberei vor. Stimmt das? Oder kann der Gipfel auch dazu beitragen, die angesprochenen Probleme zu lösen?
Braml: Ja, indem man eben Energiesicherheit umfassender bespricht. Begreift man Energiesicherheit in einem umfassenderen Sinne und geht man die damit zusammenhängenden Probleme jetzt vorausschauend an, dann kann auch so eine Konferenz in der Tat dazu beitragen, dass zukünftige Konflikte vermieden werden können. In Fragen der Energiesicherheit oder beim Klimaschutz sehe ich jedenfalls eine größere Chance für eine transatlantische Kooperation als in militärischen Fragen zu Afghanistan oder Pakistan.
news.de: Welche Verabredungen wären denn sinnvoll?
Braml: Man könnte Handelsbarrieren abbauen, etwa Schutzzölle, die in den USA Ethanolimporte aus Brasilien verteuern. Enorm wichtig wäre aber auch, dass man neue Technologien erforscht - und das nicht nur auf nationaler Ebene. Man könnte durch gemeinsame Forschungsprojekte zum Beispiel die Entwicklung einer neuen Biokraftstoff-Generation vorantreiben. Ein Großteil dieser Energieform wird nach wie vor mit Mais produziert – um den Preis der Verknappung von Lebensmitteln. Technologische Entwicklungen könnten dieses Problem entschärfen.
Dr. Josef Braml ist seit 2006 Mitarbeiter bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Im Rahmen seiner transatlantischen Forschungen hat er auch die amerikanische Energiepolitik untersucht. Zudem leitet er die Redaktion vom «Jahrbuch Internationale Politik».
jek/jan
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