Gesundheitsfonds international Die Niederlande sind ein großes Vorbild

Niederländer, Belgier und Israelis zahlen seit Jahren in einen Gesundheitsfonds ein, aus dem die Krankenkassen ihre Leistungen finanzieren. News.de zeigt, wo sich das deutsche Modell im internationalen Vergleich einordnet.

Niederlande Flagge (Foto)
In Sachen Gesundheitsfonds sind die Niederländer den Deutschen vielen Experten zufolge um einiges voraus. Bild: dpa

In den Niederlanden gibt es das Modell Gesundheitsfonds seit mehr als 20 Jahren. Auch nach der Reform im Jahr 2006, als private und gesetzliche Krankenkasse zusammengeführt wurden, blieben die Holländer dem Gesundheitsfonds treu. Im Gegensatz zu Deutschland wird in unserem Nachbarland allerdings mit einem Mischsystem aus einkommensabhängigen und zusätzlichen Beiträgen gearbeitet.

Den einkommensabhängigen Beitrag zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber direkt in den Fonds. Je nach Einkommensart werden dafür 4,4 oder 6,5 Prozent vom Lohn abgezogen. Den Niederländern war jedoch frühzeitig klar, dass diese Beiträge nicht ausreichen, um das Gesundheitssystem vollständig zu finanzieren. Daher erheben die Krankenkassen jeweils Zusatzbeiträge, die sie direkt von ihren Mitgliedern kassieren.

«Man hat damals mit einem relativ kleinen Zusatzbeitrag angefangen», sagt Jürgen Wasem, Professor für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen. Mittlerweile erhalten die Krankenkassen ihr Geld jeweils zur Hälfte aus dem Gesundheitsfonds und den Zuzahlungen ihrer Mitglieder. «Der Wettbewerb der Kassen lebt von der Höhe der Zusatzprämien», erklärt Wasem.

Zudem ist im holländischen System eine stärkere Härtefallregelung verankert als es in Deutschland geben wird. Kann ein Versicherter seine Zusatzprämie nicht zahlen oder liegt sein Einkommen unterhalb eines festgelegten Betrages, gibt es Zuschüsse aus Steuergeldern von Staat.

Lesen Sie auf Seite 2, warum das israelische System noch härter als das deutsche ist

Ob die deutschen Kassen künftig mit dem Geld aus dem Fonds auskommen oder ebenfalls Zusatzprämien einführen, ist noch immer unklar. Wenn, dann dürfen diese Extrabeiträge aber ein Prozent des Bruttojahreseinkommens nicht übersteigen. Letztlich zahlt ein Versicherter nur das, was er kann – und die Kasse geht im schlimmsten Fall leer aus.

«Jede Kasse wird sich aber hüten, als erste von ihren Mitgliedern extra Zahlungen zu fordern», sagt Wasem. Die Folgen liegen für ihn auf der Hand: Leitungskürzungen, die zu Lasten der Gesundheit der Versicherten gehen, und ein daraus resultierender Qualitätsverlust des deutschen Gesundheitssystems insgesamt.

Ähnlich wie das niederländische funktioniert auch das belgische System. Zusatzprämien werden erhoben, fallen jedoch geringer aus als in Holland. Härter trifft es die Israelis. Dort müssen die Versicherungen «auf Teufel komm raus mit ihrem Geld auskommen», berichtet Wasem. Leistungskürzungen oder das Streichen bestimmter Versicherungspolicen sind die Folge.

Benachteiligt sind die Israelis im internationalen Vergleich auch in Sachen morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich (mRSA). Dieser regelt die Verteilung der Gelder an die Kassen abhängig von der Altersstruktur und dem Krankheitsbild ihrer jeweils Versicherten. «Im Normalfall erhält eine Kasse für jedes Mitglied beispielsweise 2100 Euro. Junge und gesunde Menschen sind wesentlich billiger, weil sie weniger Kosten verursachen. Gemäß dem Risikostrukturausgleich bekommt die Kasse stattdessen zum Beispiel nur 1000 Euro für einen jungen und gesunden Menschen, dafür 10.000 Euro für einen Aidskranken», erläutert Wasem. Er hat 2000/01 und 2003/04 an umfangreichen Gutachten für das Bundesministerium für Gesundheit mitgewirkt, die die gesetzlichen Regelungen für den mRSA wesentlich beeinflusst haben.

In Israel richtet sich die Verteilung des Geldes lediglich nach dem Alter der Versicherten, Krankheiten bleiben unberücksichtigt. Für Kassen lohnen sich also nur junge Mitglieder, während ältere Bürger, egal wie fit sie sind, außen vor bleiben. Deutschland richtet sich in dieser Hinsicht nach seinen Nachbarländern. Auch hier gibt es Ausgleichszahlungen für verschiedene Krankheiten.

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