Antrittsrede Obama fordert die Erneuerung Amerikas

Bei der Vereidigung war Barack Obama noch ins Stocken geraten - doch während seiner Antrittsrede zeigte sich der neue US-Präsident wieder in bestechender Form. In großen Worten beschwor er Amerikas Stärke.

Obama Inauguration (Foto)
Das neue und das alte Washington: Obama mit Ehefrau Michelle (links) verabschiedet George W. Bush und Gattin Laura. Bild: ap

Gegen Ende seiner 19-minütigen Rede wies Barack Obama dann doch auf die historische Situation seiner Amtseinführung hin. Vor weniger als 60 Jahren wäre sein Vater in einem örtlichen Restaurant nicht bedient worden, nun stehe er hier und lege diesen Amtseid ab, sagte der erste farbige Präsident. Obama sprach von einem Moment, «der eine Generation definieren wird». Er will sein Land erneuern und der Welt Frieden bringen.

Obama bekräftigte in seiner Rede die Führungsrolle seines Landes bei der Lösung internationaler Konflikte und stellte zugleich eine verstärkte internationale Zusammenarbeit in Aussicht. Die USA seien bereit, Führung zu übernehmen. Neue Bedrohungen erforderten aber zugleich eine größere Zusammenarbeit und mehr Verständnis zwischen den Nationen. Obama versicherte, die USA seien ein Freund jeder Nation, die eine Zukunft in Frieden suche. Ziel sei ein neues Zeitalter des Friedens.

Obama kündigte einen verantwortungsvollen Abzug der US-Truppen aus dem Irak und neue Bemühungen um Frieden in Afghanistan an. Der US-Präsident wandte sich auch an die Machthaber in der moslemischen Welt und betonte, ihre Völker würden sie nach dem beurteilen, was sie aufbauen und nicht danach, was sie zerstören.

Den eigenen Landsleuten machte Obama angesichts der Wirtschaftskrise Mut, stellte sie aber auch große Aufgaben ein. Die USA blieben die mächtigste Nation der Welt, sagte Obama, der an den Pioniergeist früherer Generationen erinnerte. Der Zustand der Wirtschaft erfordere aber rasche und kühne Maßnahmen. Mit dem Ausbau der Infrastruktur und der Forschung, der Verbesserung des Gesundheitswesens sowie Investitionen in Bildung müsse eine neue Grundlage für Wachstum gelegt werden.

Obama bekannte sich zur Marktwirtschaft, deren Kraft unübertroffen sei. Die Krise erinnere aber auch daran, dass ohne ein wachsames Auge des Staates der Markt außer Kontrolle geraten könne. Der neue US-Präsident sprach ferner mehrfach die Notwendigkeit des Klimaschutzes an. Er betonte die amerikanischen Werte und die Menschenrechte: «Wir weisen die Wahl zwischen unserer Sicherheit und unseren Idealen als falsch zurück.» Auch rief der US-Präsident zur weltweiten Solidarität mit armen Ländern auf.

Obama zeigte sich überzeugt, dass sein Land die aktuellen Herausforderungen meistern wird. Der frühere Senator aus Illinois rief die Amerikaner zum Schulterschluss auf und verwies auf die von den Gründungsvätern aufgestellten Werte wie harte Arbeit, Mut, Patriotismus und Ehrlichkeit. Obama versprach, dass seine Regierung den Dienst für das Volk über die Parteipolitik stellen wolle.

Seinem Amtsvorgänger George W. Bush dankte Obama für die Zusammenarbeit in der Übergangsphase von der Wahl bis zur Vereidigung. Gleichwohl rechnete der neue Machthaber im Weißen Haus mit Bushs Politikstil ab. Ohne ihn zu erwähnen, mahnte Obama ein Ende von abgenutzten Dogmen und kleinlichen Klagen an, die die amerikanische Politik stranguliert hätten. Bush verließ Washington unmittelbar nach der Antrittsrede seines Nachfolgers; er flog in seinen Heimatstaat Texas.

Unmittelbar nach Amtseinführung lud Bundespräsident Horst Köhler Obama zu einem Besuch nach Deutschland ein. Deutschland sei den USA besonders verbunden, schrieb Köhler in einem Telegramm. Obama stehe in Deutschland für Aufbruch, Zuversicht und die Bereitschaft zu einer neuen, kooperativen Weltpolitik. Papst Benedikt XVI. erhofft sich von Obama einen Beitrag zu Zusammenarbeit und Frieden unter den Nationen. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte die Erwartung einer noch engeren Kooperation mit Washington.

tko

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