Nach Skiunfall Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Althaus

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) ist aus dem künstlichen Koma erwacht. «Er ist ansprechbar und kann Arme und Beine bewegen», sagte Regierungssprecher Fried Dahmen in Erfurt. Der Ministerpräsident habe mit seiner Frau Katharina am Krankenbett geredet.

Dieter Althaus (Foto)
Wieder aus dem Koma erwacht: Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus. Bild: ap

Die Zeichen stehen gut. Seinen Namen und sein Geburtsdatum habe Dieter Althaus kurz nach dem Aufwachen sagen können, berichtete Thüringens Regierungssprecher Dahmen nach einem Gespräch mit den behandelnden Ärzten. Wenn die Genesung weiter gute Fortschritte mache, sei die Verlegung des CDU-Politikers nach Deutschland in der kommenden Woche denkbar, sagte der Leiter der Klinik, Reinhard Lenzhofer.

Thüringens Ministerpräsident hatte sich am Neujahrstag beim Zusammenstoß auf der Piste mit einer 41 Jahre alten Frau eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung zugezogen. Die Mutter von vier Kindern starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Althaus wurde in die Unfallklinik in Schwarzach geflogen und dort in ein künstliches Koma versetzt, aus dem ihn die Ärzte jetzt wieder holten.

Inwieweit dem Ministerpräsidenten nach der Hirnblutung Schäden bleiben, ist unklar. Die Abschätzung möglicher Folgen kurz nach dem Unfall ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie auch für geübte Ärzte sehr schwierig.

Mittlerweile teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass gegen den Ministerpräsidenten nach seinem schweren Skiunfall wegen fahrlässiger Tötung ermittelt werde. Wie der zuständige Staatsanwalt, Walter Plöbst, sagte, wurden die Ermittlungen bereits kurz nach dem Unglück auf der Riesneralm in der Steiermark aufgenommen.

Laut Plöbst wurde inzwischen eine Autopsie der Leiche der gestorbenen Skifahrerin vorgenommen. Wann das Ergebnis vorliege, könne er noch nicht sagen. Inzwischen seien auch mehrere Gutachter eingeschaltet worden, die die Unfallursache und den Hergang des Unglücks ermitteln sollen.

Althaus und die slowakische Skifahrerin Beata C. waren nach bisherigen Ermittlungen auf der Alpinpiste frontal kollidiert. Die Frau soll im Gegensatz zum Ministerpräsidenten keinen Helm getragen haben. Der Unfall ereignete sich an der Kreuzung zweier Abfahrten. Die Schuldfrage ist laut Polizei derzeit offen und werde mit Hilfe eines Sachverständigen geklärt. Es gebe keine Augenzeugen.

Die Amtsgeschäfte indes müssen fortgeführt werden. Die Leitung der Thüringer Landesregierung übernahm die stellvertretende Ministerpräsidentin, Finanzministerin Birgit Diezel (CDU). Sie ist auch eine der Stellvertreter von Althaus an der CDU-Spitze. In Thüringen, wo die CDU mit absoluter Mehrheit regiert, werden im Wahljahr 2009 auch die Kommunalparlamente und der Landtag neu bestimmt.

Das Kabinett gehe davon aus, dass Althaus bald wieder an seinem Schreibtisch Platz nehmen könne, sagte die Ministerin. «Ich baue auf seine Fitness - wir alle bauen darauf.» Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) bescheinigte dem 50-Jährigen eine gute Kondition. Der ambitionierte Hobby-Sportler sei durchtrainiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere Politiker äußerten sich «tief betroffen» über den tragischen Skiunfall und wünschten dem Thüringer Regierungschef eine rasche Genesung.

Nach dem Skiunfall forderten Sport- und Gesundheitspolitiker eine gesetzliche Helmpflicht für Skifahrer. Peter Danckert (SPD), Vorsitzender des Bundestags-Sportausschusses, sagte Bild.de: «Ich bin hundertprozentig für eine Helmpflicht. Am besten wäre ein solches Gesetz europaweit.» Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Martina Bunge (Linke), sprach sich für eine solche Pflicht auf steilen und gefährlichen Ski-Pisten aus.

Sowohl Althaus als auch die ums Leben gekommene Slowakin, eine Sportlehrerin, wurden als erfahrene Skiläufer beschrieben. Sie waren nach Polizeiangaben im mittleren Geschwindigkeitsbereich unterwegs. Grundsätzlich gelten auf Skipisten die Regeln des Weltverbandes FIS. Sie schreiben unter anderem vor: «Jeder Skifahrer und Snowboarder muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt.»

voc

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