100 Tonnen Sprengstoff als Vergeltung
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«Wir werden die Infrastruktur der Macht der Hamas im Gazastreifen vernichten», erklärte ein hochrangiger isrealischer Offizier. Dabei hätte die Hamas nicht überrascht sein dürfen. Schließlich hatte sie vor neun Tagen einseitig den sechsmonatigen Waffenstillstand mit Israel aufgekündigt und damit begonnen, israelische Städte täglich mit Granaten und Raketen zu beschießen.
Mehr als 300 Projektile gingen in der vergangenen Woche in Israel nieder. Premierminister Ehud Olmert betrieb eine untypisch zurückhaltende Politik: Nur einmal, im Golfkrieg 1991, hat Israel einen so intensiven Beschuss stillschweigend über sich ergehen lassen. Bis zuletzt hatte Olmert die Palästinenser gewarnt: «Das ist unser letzter Aufruf: Stellt das Feuer ein. Wir sind stärker als ihr, es wird bei euch viel Blut geben», sagte Olmert in einem Interview an das arabische Satellitenfernsehen.
Die Hamas antwortete in der Nacht mit 25 Granaten und zwei Raketen. Selbst Warnungen aus Kairo schlug sie in den Wind. Als am Mittwoch mehr als 80 Raketen an einem Tag explodierten, fiel in Israel die Entscheidung: «Wir wollen im Süden die Spielregeln von Grund auf verändern», erklärte Verteidigungsminister Ehud Barak das Hauptziel der Angriffe.
Nun sind Hamas und Israel in einen Abnutzungskrieg verwickelt. Die Leichenhäuser in Gaza quellen über, Tote müssen bis zur Bestattung in ungekühlten Räumen aufbewahrt werden. Die Identität der meisten Toten ist noch ungewiss: «Es sind fast nur Kinder, Frauen und alte Männer», sagte Hamassprecher Fauzi Barhum im Gespräch mit news.de. «Wir werden Israel nie anerkennen, sondern bis zum letzten Blutstropfen widerstehen. Wir haben das Recht, gegen die Besatzung zu kämpfen», so Barhum.
Israelische Kampfpiloten berichteten von «Alpha-Treffern», der genauen Zerstörung ihrer Ziele. In Tel Aviv schätzt man, die meisten Opfer seien Kämpfer der Hamas. Nachdem die Überraschung im ersten Angriff erzielt worden war, erhielten die Bewohner Gazas in automatisierten Anrufen der Armee die Warnung, sich von Einrichtungen der Hamas zu entfernen. Darunter befinden sich zum Beispiel auch unterirdische Waffendepots, die die Hamas inmitten von Wohngegenden angelegt hat. Sie waren das Ziel der zweiten Angriffswelle.
Die Hamas hielt ihrerseits den Beschuss israelischer Städte weiter aufrecht. Gestern gingen mehr als 100 Raketen auf Israel nieder, heute wurde erstmals die Stadt Aschdod, fast 40 Kilometer nördlich von Gaza, Ziel zweier Raketen. Auch in der Stadt Beer Scheva, den viertgrößten Stadt Israels, wurden die Bewohner dazu angehalten, sich in der Nähe der Bunker aufzuhalten, die Schulferien im Süden des Landes wurden unbegrenzt verlängert.
In den Einkaufszentren von Tel Aviv werden Passanten seit gestern wieder auf Bomben untersucht: Die Hamas hatte mit Selbstmordattentaten gedroht. Verteidigungsminister Barak erklärte, die Militäraktion werde «lange andauern». Das Kabinett genehmigte der Armee heute die Einberufung von 6500 Reservisten, große Truppenverbände sind an der Grenze zu Gaza bereits zusammengezogen worden. Israel scheint entschlossen, die Hamas in die Knie zu ringen. «Wir werden es nicht wieder hinnehmen, dass jeder fünfte Israeli zu einer Geisel der Raketen der Hamas wird. Wir werden so lange kämpfen, bis die Islamisten einsehen, dass der Beschuss Israels sich nicht lohnt», sagte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums news.de.
Lesen Sie auf Seite 3, warum der palästinensische Präsident Abbas einen Waffenstillstand fordert
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