Mo., 13.02.12
Nahost

Eskalation in Nahost Israel erwägt Einmarsch im Gazastreifen

Artikel vom 28.12.2008

Nach den schwersten Luftangriffen seit Jahrzehnten erwägt Israel auch einen Einmarsch im Gazastreifen. Mehrere hundert Soldaten seien auf dem Weg zur Grenze, teilten israelische Offiziere mit. Derweil schwört die Hamas blutige Rache.

Die Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen dauerten bis heute früh an. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 230 Menschen getötet, unter ihnen auch mindestens 15 Zivilpersonen. Mehr als 400 Menschen wurden verletzt, einige Quellen sprechen von bis zu 800. Als Ziel der Offensive nannte Jerusalem die Einstellung der Raketenangriffe aus Gaza. Ministerpräsident Ehud Olmert sagte gestern Abend, es gehe um «eine grundsätzliche Verbesserung der Sicherheitslage», und fügte hinzu: «Das kann einige Zeit dauern.»

Die israelische Luftwaffe warf in den ersten neun Stunden der Angriffe nach eigenen Angaben Bomben mit einem Gewicht von insgesamt mehr als 100 Tonnen ab. Die erste Angriffswelle richtete sich gegen militärische Ausbildungslager, Waffenlager und mutmaßliche Werkstätten für den Bau von Raketen. Eine zweite Welle galt den Stellungen entlang der Grenze, von denen Raketen auf Israel abgeschossen wurden.

Hamas-Sprecher Fausi Barhum sagte im Rundfunk, seine Organisation werde Vergeltung mit Selbstmordanschlägen, Raketen- und Mörserangriffen üben: «Die Hamas wird den Widerstand bis zum letzten Blutstropfen fortsetzen.» Militante Palästinenser feuerten der Hamas zufolge nach den Luftangriffen 50 Raketen auf Südisrael ab. Die israelische Regierung verhängte in der Grenzregion den Ausnahmezustand und forderte die Bewohner auf, Schutzeinrichtungen aufzusuchen.

Der israelische Armeesender meldete, in der Nacht seien in mindestens fünf Fällen Gruppierungen getroffen worden, die Raketen auf Israel abfeuern wollten. Ein Militärsprecher bestätigte Berichte, denen zufolge auch eine Moschee getroffen wurde. Es handele sich um eine «Basis für Terroraktivitäten», sagte er. Unterdessen rollten zahlreiche israelische gepanzerte Fahrzeuge zu einem möglichen Bodeneinsatz in Richtung Gazastreifen.

Angegriffe wurde auch die Sendezentrale von Al Aksa TV. Das Studiogebäude des von der Hamas genutzten Senders wurde zerstört. Die Übertragungen wurden aber mit Hilfe eines mobilen Senders fortgesetzt.

Nach Beginn der Luftangriffe gestern Mittag schossen militante Palästinenser mehrere Rakete auf israelisches Gebiet ab. Dabei wurde ein Bewohner der Ortschaft Netivot getötet. Sechs Menschen wurden verletzt. Der Ministerpräsident der Hamas im Gazastreifen, Ismail Hanija sagte über einen örtlichen Fernsehsender, seine Bewegung werde sich dem militärischen Druch nicht beugen. In der syrischen Hauptstadt Damaskus rief Hamas-Führer Chalid Maschal zum Widerstand gegen Israel auf und sagte in Anspielung an die bisher zwei Aufstandsbewegungen der Intifada ab 1987 und ab September 2000: «Dies ist die Zeit für einen dritten Aufstand.»

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat auf einer Dringlichkeitssitzung über die Eskalation des Konflikts im Gazastreifen beraten. Russland legte den Entwurf für eine Erklärung vor, in der die sofortige Einstellung der israelischen Offensive wie der palästinensischen Raketenangriffe gefordert wird. Die Sitzung am späten gestrigen Abend wurde von Libyen im Namen der arabischen Staatengruppe bei den Vereinten Nationen verlangt. Libyen sprach sich für eine Präsidialerklärung des Rates zur Entwicklung im Nahen Osten aus. Nach mehreren Einwänden im Rat schlug Russland eine Presseerklärung vor, die ein geringeres Gewicht hat und nicht in die offiziellen Akten des Rates aufgenommen wird.

Vor Beginn der Sitzungen sagte der palästinensische UN-Beobachter Rijad Mansur über die israelischen Luftangriffe: «Diese kollektive Bestrafung ist unmenschlich, unmoralisch und sollte sofort gestoppt werden.» UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich alarmiert über die Gewalt und das Blutvergießen im Gazastreifen und verurteilte die «exzessive Anwendung von Gewalt» von Seiten Israels, wie eine Sprecherin mitteilte. Ban forderte die unverzügliche Einstellung jeglicher Gewalt in der Region und telefonierte unter anderem mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert, dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und US-Außenministerin Condoleezza Rice.

Unterdessen verteidigte Israel in einem dringenden Brief an Ban und den Präsidenten des Sicherheitsrates sein Vorgehen im Gazastreifen. Die israelische UN-Botschafterin Gabriela Shalev argumentierte, Israel unternehme notwendige Militäraktionen, um seine Zivilbevölkerung vor fortgesetzten Terrorangriffen zu schützen, die aus dem Gazastreifen kämen. Diese Anschläge würden von der radikal-islamischen Hamas und anderen Terror-Organisationen ausgeführt. Hamas trage die alleinige Verantwortung für die Vorkommnisse, betonte Shalev. Die Botschafterin erklärte, Israel habe zuvor alle Mittel ausgeschöpft, um zu einer friedlichen Lösung zu kommen. Die Operation richte sich allein gegen Terroristen und ihre Infrastruktur im Gazastreifen.

In Ägypten, Jordanien, Syrien und dem Libanon kam es gestern zu Protestkundgebungen von Exil-Palästinensern. Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak erklärte, seine Regierung wolle sich trotz der jüngsten Gewalt um eine neue Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen bemühen. Die arabische Liga berief für Mittwoch ein Außenministertreffen ein.

bla
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
MIDEAST ISRAEL PALESTINIANS (Foto)
Gazastreifen Israel schlägt brutal zurück

Die Gewalt im Nahen Osten eskaliert erneut. Bei israelischen Luftangriffen auf Einrichtungen der radikal-islamischen Hamas im mehr ...

Gazastreifen (Foto)
Gazastreifen «Israel wird einen Preis dafür bezahlen»

Nach dem Angriff der israelischen Luftwaffe steigt die Zahl der Toten und Verletzten in Gaza weiter an. mehr ...

MIDEAST ISRAEL PALESTINIANS (Foto)
Ägypten will vermitteln Israel lässt Hilfe in den Gazastreifen

Das Ultimatum läuft, doch es gibt Hoffnung: Israel lässt die Lieferung von Hilfsgütern in den Gazastreifen wieder mehr ...

Ahmadinedschad  (Foto)
TV-Rede Ahmadinedschad löst bei Briten Empörung aus

Die Queen ist zu Weihnachten zwar Konkurrenz im Fernsehen gewöhnt. Dass jedoch in diesem Jahr ausgerechnet einer mehr ...

Israel (Foto)
Gazastreifen In 48 Stunden geht Israel in die Offensive

Israel hat der radikal-islamischen Hamas 48 Stunden Bedenkzeit vor einer Militäroffensive gegeben. Die Grenzübergänge zum mehr ...

MIDEAST ISRAEL PALESTINIANS CHRISTMAS (Foto)
Weihnachtsprozession Tausende auf dem Weg in die Geburtsstadt Jesu

Alle Jahre wieder: Ein breiter Strom von Menschen hat sich auf den Weg gemacht, um das Weihnachtsfest mehr ...

MIDEAST ISRAEL PALESTINIANS (Foto)
Ministerpräsident Olmert Israel zum Krieg gegen die Hamas bereit

Nach der Aufkündigung der Waffenruhe durch die radikalislamische Hamas wird im Gazastreifen wieder geschossen. Angesichts mehr ...

Israel lässt 224 Palästinenser frei (Foto)
Nahost-Konflikt Israel lässt 224 Palästinenser frei

Als Geste des guten Willens an den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas hat Israel 224 Häftlinge freigelassen. 206 mehr ...

Eskalation in Nahost: Israel erwägt Einmarsch im Gazastreifen » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/748591565/israel-erwaegt-einmarsch-im-gazastreifen/1/
Schlagworte:
Abbas, Abend, Aber, Abfeuern, Ägyptische, Akten, AL, Al-Dura, Al-Qirbi, Al-Scheich, Al-Yaqen, Angaben, Angriffe, Angriffswelle, Anspielung, Anwendung, Arabische, Arabischen, AU, Aufgenommen, Aufstand, Ausgeführt, Ausnahmezustand, Ban, Basis, BAU Kampagne, Bau Stadt, BAU TarifverträgeIG, Beginn, Berichte, Best, Bestrafung, Bewegung, Bewohner, Blutige, Blutstropfen, Bomben, Boréal, Botschafterin, Brief, Cardoso Derweil, Chalid, Condoleezza, Damaskus, Derweil, Dringlichkeitssitzung, Dritten, Ehud, Einmarsch, Einstellung, Einwänden, Entlang, Entwicklung, Entwurf, Eskalation, Fahrzeuge, Fernsehsender, FR, Früh, Gaza, Gazastreifen, GE, Gebiet, Gehe, Gen, Geo TV, Geringeres, Get, Getroffen, Gewalt, Gewicht, Grenze, Grenzregion, Gruppierungen, Hamas, Hamas-Führer, Handele, Hanija, Hauptstadt, Hilfe, Hinzu, Hosni, Infrastruktur, Insgesamt, Intifada, Ismail Deniz, Israel BB, Israel Chamber, Israel Estland, Israel Julia, Israel Maschal, Israel Rekord-Weltmeister, Israel Sardinien, Israel Wimbledon-Halbfinalistin, Israelische, Israelischen, Israels, Jahrzehnten, Jerusalem, Jim Rakete, Jordanien, Jüngsten, Katar Libanon, KI, Kollektive, Konflikts, Kür Zuvor, Länder Widerstand, Libanon, Libyen, Liga, Luftangriffe, Luftangriffen, Luftwaffe, Mahmud Abbas, Mahmud Dschibril, Mahmud Nasir, Mansur Issawi, Maschal, Menschen, Michele Präsident, Militante, Militäraktionen, Militärischen, Mittag, Mittel, Mittwoch, Moon, Moschee, Mubarak, Nacht, Nahen, Nahost, Namen, Nationen, Notwendige, Offensive, Offiziellen, Offiziere, Olmert, Operation, Organisation, Ortschaft, Osten, Palästinensische, Peer Israel, PR, Protestkundgebungen, Quellen, Rache, Rakete, Raketen, Raketenangriffe, Rat, Rates, Regierung, Region, Rice, Richter Mubarak, Richtung, Rundfunk, Russland, Sch, Seien, Sela Israel, Selbstmordanschlägen, Senders, September, Sicherheitslage, Sicherheitsrat, Sicherheitsrates, Sitzung, Sitzungen, Soldaten, Sport Gewalt, Sprach, Sprechen, Sprecherin, Stellungen, Steve Brief, Stunden, Sung, Syrien, Target, Ten, Terrorangriffen, Terroristen, Tonnen, Trotz, TV, TV-Auftritt, TV-Produzent, Übertragungen, UN-Botschafterin, UN-Klimagipfel, Unter-30-jährigen, Unterdessen, Verantwortung, Verbesserung, Vereinten, Vergeltung, Verletzt, Verurteilte, Vorgehen, Vorkommnisse, Waffenlager, Waffenruhe, Walter Bau, Warf, Welle, Widerstand, Zahlreiche, Zeit, Ziel, Ziele, Zivilpersonen, Zuvor, Zweite,
Leserkommentare (0)
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Nahost
Nahost
Dossier: Nahost Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren