So., 12.02.12
Nahost

Gazastreifen Israel schlägt brutal zurück

Artikel vom 27.12.2008

Die Gewalt im Nahen Osten eskaliert erneut. Bei israelischen Luftangriffen auf Einrichtungen der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen kamen mindestens 200 Menschen ums Leben, 750 Palästinenser wurden zum Teil schwer verletzt.

Dies sei die höchste Opferzahl an einem Tag seit dem Sechstagekrieg von 1967, sagte ein Sprecher der palästinensischen Gesundheitsbehörde. Unter den Toten sind auch der Hamas-Polizeichef, Taufik Dschaber, sowie der Hamas-Sicherheitschef Ismail al-Dschabari.

Unmittelbar nach den Luftangriffen kündigte Hamas-Sprecher Fausi Barhum an, dass Israel für das «Blutbad» einen hohen Preis zahlen werde. Er forderte den militanten Flügel der Hamas auf, Raketen mit der größten Reichweite auf Israel abzufeuern. Nach israelischen Polizeiangaben schlugen mehr als 50 selbst gebaute Geschosse auf israelischem Boden ein. Eine Rakete traf ein Haus in der Stadt Netivot. Als Folge der Explosion kam ein Mann ums Leben. Fünf weitere Israelis wurden bei den Angriffen teilweise schwer verletzt.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak kündigte an, dass der Militäreinsatz - falls notwendig - ausgeweitet werde. «Es ist an der Zeit gewesen zu handeln. Wir lassen unseren Menschen durch Terror keinen Schaden zufügen», sagte Barak. Armeesprecher Benjamin Rutland sagte, Ziel der Luftangriffe sei es gewesen, den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu minimieren. Seit Sommer 2005 - dem Rückzug Israels aus dem Gazastreifen - seien über 7000 Raketen und Mörsergranaten in Israel eingeschlagen. «Kein Land in der Welt würde oder sollte Angriffe dieser Art tolerieren», sagte Rutland.

In einer ersten Reaktion forderte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die israelische Regierung auf, «diese Aggression sofort zu beenden». Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich «sehr besorgt» über die erneute Eskalation im Nahen Osten. «Der Gaza-Streifen droht erneut in einer Spirale der Gewalt zu versinken», sagte Steinmeier der Bild am Sonntag. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy warf Israel unverhältnismäßigen Gewalteinsatz vor. Der Vatikan verurteilte die Luftangriffe; ein Sprecher äußerte die Befürchtung, dass die Angriffe noch mehr Hass produzieren würden. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner forderte beide Konfliktparteien auf, die Eskalation der Gewalt zu stoppen.

Rund 60 Kampfflugzeuge hatten nach israelischen Medienberichten am Samstagvormittag überraschend den Gazastreifen angegriffen. In einer ersten Angriffswelle seien rund 50 Einrichtungen der Hamas zerstört worden, darunter Polizeistationen, Gebäude der Sicherheitskräfte, Ausbildungsgelände sowie Waffendepots. Danach hätten Kampfflugzeuge 25 Abschussrampen für Raketen beschossen.

In Gaza spielten sich chaotische Szenen ab. Auf den Straßen lagen tote Männer in Polizeiuniformen. Anderen Leichen fehlten der Kopf oder Gliedmaßen. Im Minutentakt wurden Verletzte in das Schifa-Krankenhaus gebracht. Weil in den Leichenhallen kein Platz mehr war, wurden die Toten nach Augenzeugenberichten in den Gängen gestapelt. Die Ärzte appellierten an die Bevölkerung, Blut zu spenden.

Nach einer Erklärung aus dem Büro des amtierenden israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert wurde eine langfristig angelegte Militäroperation bereits am 24. Dezember gebilligt. Olmert sowie Verteidigungsminister Barak und Außenministerin Zipi Livni hätten dann am Samstagmorgen die Luftangriffe genehmigt.

Das israelische Sicherheitskabinett wollte nach Medienangaben eigentlich erst am Sonntag über einen Militäreinsatz beraten. Olmert hatte noch am Donnerstag - also einen Tag, nachdem der Militäreinsatz gebilligt worden war - die militanten Palästinenserorganisationen aufgefordert, den Beschuss sofort einzustellen. Olmert drohte mit der großen Zerstörungskraft der israelischen Armee und bereitete die internationale Gemeinschaft auf hohe Opferzahlen vor.

Die militanten Palästinensergruppen wollen mit dem Raketenbeschuss Israel zwingen, alle Grenzübergänge zum Gazastreifen zu öffnen. Israel wiederum macht das von einer Einhaltung der Feuerpause abhängig.

Seit dem Auslaufen einer Waffenruhe am 19. Dezember haben militante Palästinenser nach Armeeangaben mehr als 180 Raketen und Mörsergranaten auf israelische Grenzgemeinden gefeuert. Dort leben 125.000 Israelis in der ständigen Gefahr, bei einem Angriff getötet zu werden. Die Vorwarnzeit bei einem Angriff liegt in einigen Städten und Kibbuzen bei lediglich 15 Sekunden.

mac
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Gazastreifen (Foto)
Gazastreifen «Israel wird einen Preis dafür bezahlen»

Nach dem Angriff der israelischen Luftwaffe steigt die Zahl der Toten und Verletzten in Gaza weiter an. mehr ...

Israel (Foto)
Gazastreifen In 48 Stunden geht Israel in die Offensive

Israel hat der radikal-islamischen Hamas 48 Stunden Bedenkzeit vor einer Militäroffensive gegeben. Die Grenzübergänge zum mehr ...

Gazastreifen (Foto)
Gazastreifen Raketenangriffe statt Hilfslieferung

Eigentlich sollten am Heiligabend die ersten Hilfslieferungen die Grenzübergänge zum Gazastreifen passieren. Doch nachdem mehr ...

MIDEAST ISRAEL PALESTINIANS CHRISTMAS (Foto)
Weihnachtsprozession Tausende auf dem Weg in die Geburtsstadt Jesu

Alle Jahre wieder: Ein breiter Strom von Menschen hat sich auf den Weg gemacht, um das Weihnachtsfest mehr ...

Gazastreifen: Israel schlägt brutal zurück » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/748547449/israel-schlaegt-brutal-zurueck/1/
Schlagworte:
Abbas, Aggression, Al-Qirbi, Al-Scheich, Angriff, Angriffe, Angriffen, Angriffswelle, Armee, Armeeangaben, Armeesprecher, Art, AU, Augenzeugenberichten, Auslaufen, Bau Stadt, Beenden, Benjamin Baier, Benjamin Biolay, Benjamin Boruschewski, Benjamin Darbelet, Benjamin John, Benjamin Karl, Benjamin Kauffmann, Benjamin Kaufmann, Benjamin Kirsten, Benjamin Kleinbrink, Benjamin Konschak, Benjamin Mee, Benjamin Reichert, Benjamin Siegert, Benjamin Walker, Beschuss, Bild, Blut, Blutbad, Dezember, Donnerstag, Droht, Ehud, Einhaltung, Einrichtungen, Erneute, Eskalation, EU-Kreisen, EU-kritisch, EU-kritischen, EU-Label, EU-Minister, EU-Ministern, EU-Ratspräsident, EU-Ratsvorsitzende, EU-Reformvertrag, EU-Verträge, Explosion, Feuerpause, Folge, Frank-Walter, Frankreichs, Gängen, Gaza, Gaza-Streifen, Gazastreifen, Gefahr, Gel, Gemeinschaft, Gen, Geschosse, Get, Gewalt, Gr, Größten, Hamas, Handeln, Hass, Haus, Heide Sprecher, Höchste, Internationale, Ismail Deniz, Israel BB, Israel Chamber, Israel Estland, Israel Julia, Israel Rekord-Weltmeister, Israel Sardinien, Israel Wimbledon-Halbfinalistin, Israelis, Israelische, Israelischen, Israels, Jim Rakete, Jonas Benjamin, Kamen, Kampfflugzeuge, Karl Benjamin, Konfliktparteien, Kopf, Land Brandenburg, Land Chong, Land Egidius, Land Garantien, Land Gen, Land Hinweise, Land Indonesien, Land Menschen, Land Nachrichtensender, Land Schauer, Land Somalia, Land SPD, Land Stadt, Land Unwetter, Land Willkommen, Langfristig, Leben, Leichen, Lene Mykjåland, Livni, Luftangriffe, Luftangriffen, Mac-Besitzern, Mahmud Abbas, Mahmud Dschibril, Mahmud Nasir, Mai Mac, Mariano Nicolas, Medienangaben, Medienberichten, Menschen, Michele Präsident, Militante, Militanten, Minutentakt, Mykjåland, Nahen, Nicholas Sarkozy, Nicolas Batum, Nicolas Cordova, Nicolas Lombaerts, Nicolas Renavand, Nicolas Sarkozy, Nicolas Teriol, Nicolas Winding, Notwendig, Öffnen, Olmert, Opferzahl, Opferzahlen, Osten, Palästinenser, Palästinensergruppen, Peer Israel, Platz, Polizeiangaben, Polizeistationen, Polizeiuniformen, PR, Preis, Preis-Kaleidoskop, Rakete, Raketen, Raketenbeschuss, Reaktion, Regierung, Reichweite, Ron Sommer, Samstagmorgen, Samstagvormittag, Sarkozy, Schlägt, Schwer, Sechstagekrieg, Seien, Sekunden, Sela Israel, Sicherheitskabinett, Sofia Abhängig, Sommer, Sonntag, SPD, SPD-Fraktionschef, SPD-Fraktionsvorsitzende, SPD-Nachwuchshoffnung, Spenden, Spirale, Sport Gewalt, Sprecher, Stadt, Ständigen, Steinmeier, Szenen, Tag, Taufik, Teil, Teilweise, Ten, Terror, Tote, Toten, Überraschend, Ude SPD, Unmittelbar, Urban Art, Vatikan, Verletzt, Verletzte, Verteidigungsminister, Verurteilte, Vorwarnzeit, Waffendepots, Waffenruhe, Warf, Welt, Wiederum, Zahlen, Zeit, Zerstörungskraft, Ziel, Zipi,
Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 28.12.2008 12:43
von

WIR HABEN ANGST UM UNSERE KINDER UND ENKEL. FRIEDEN SOFORT. UNO UND papst zeigt euch auf der BILDFLÄCHE GESICHT ZEIGEN.........WELTFRIEDEN EINE LÜGE..............

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Nahost
Nahost
Dossier: Nahost Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren