Deutsche Marine

Warten am Horn von Afrika

Von news.de-Redakteurin Andrea Schartner

Die Kriegsschiffe der Europäischen Union beginnen offiziell mit der Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias. Die EU-Außenminister stimmten in Brüssel dem Einsatz von Fregatten und Aufklärungsflugzeugen zu. Möglicherweise wird sich die Bundeswehr mit einer Fregatte beteiligen.

Das Kabinett will übermorgen entscheiden, der Bundestag am Freitag in einer Woche. Die «Karlsruhe», die Fregatte der Deutschen Marine, liege bereits vor Ort am Horn von Afrika, wie Fregattenkapitän Roland Vogler-Wander vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam bestätigt. «Die Besatzung auf dem Schiff arbeitet derzeit wie immer. ‹Business as usual›, gespanntes Warten auf die Entscheidung herrscht nicht», erklärte er gegenüber news.de. Derzeit ist die Besatzung der «Karlsruhe» im Rahmen der Operation Enduring Freedom (OEF) OEF: Militärische Großoperation im Rahmen des von den USA ausgerufenen Krieges gegen den Terrorismusam Horn von Afrika stationiert.

Sechs Kriegsschiffe und drei Flugzeuge aus den EU-Staaten lösen im Rahmen der «Operation Atalanta» eine Flotte der Nato ab, die bisher zum Schutz von Handelsschiffen gegen Piratenangriffe vor Ostafrika im Einsatz ist. Beginnen wird der Einsatz unter der Leitung Großbritanniens, voraussichtlich mit drei Schiffen aus Frankreich, Griechenland und den britischen Inseln. Gibt der Bundestag grünes Licht, würde sich die Deutsche Marine mit einordnen.

Im Verteidigungsministerium in Berlin will man aus Sicherheitsgründen nichts Genaueres sagen. «Die Piraten leben nicht hinterm Mond, sie haben Kontaktmänner, die sich über die Medien informieren, wie jeder andere auch», erklärte ein Ministeriumssprecher. Zur Frage nach der Stimmung in der Besatzung sagte er: «Das ist eine Entscheidung Deutschlands, eine kollektive Stimmung gibt es nicht, die ist bei jedem verschieden.»

Die Piraten vor der Küste Somalias sind finanziell gut ausgestattet, hervorragend organisiert und finden leicht Zugang zu schweren Waffen. Dank moderner Kommunikationstechniken gelingt es ihnen immer wieder, Frachter und Segeljachten einzunehmen. Auf dem Radar erscheinen die Seeräuber wie normale Fischerboote oder andere ungefährliche Schiffe, die jeden Tag auf dem Meer unterwegs sind.

Wie Experten erklären, erhalten die Piraten für gewöhnlich einen Festpreis. Die Verhandlungen übernehmen Mittelsmänner, die Zugang zu Satellitentelefonen haben und Englisch sprechen. Wenn ein Schiff über einen längeren Zeitraum festgehalten wird, stellen die Mittelsmänner eine Investorengruppe zusammen, die alle Kosten für die Versorgung übernimmt und nach Zahlung des Lösegelds entschädigt wird.

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