Terror in Bombay Soldaten stürmen besetztes Hotel

Mehrere Stunden nach der Anschlägen in Bombay haben Kommandotruppen heute Morgen eines der besetzten Hotels gestürmt. Bei der Terrorserie wurden nach Angaben der indischen Regierung mindestens 101 Menschen getötet, fast 300 verletzt.

India Shooting (Foto)
Aus dem Taj Hotel in Bombay steigt Rauch auf. Bild: ap

Es wird vermutet, dass sich noch immer rund 70 Geiseln in der Gewalt der Terroristen befinden, wie der Nachrichtenkanal Times Now berichtet. Der Einsatz im Luxushotel Taj Mahal und ein Ausgehverbot um das Gebäude markierten offenbar den Beginn eines Angriffs von Sicherheitskräften auf die Attentäter, die nach Behördenangaben mehrere Geiseln festhielten. Vor dem Taj Mahal, das teilweise brannte, fuhren Krankenwagen auf. Journalisten wurden zurückgedrängt. Polizisten gaben in Lautsprecherdurchsagen das Ausgehverbot bekannt. Auf den Dächern von Gebäuden nahe des Oberoi-Hotels waren Soldaten postiert. Auf einem aus einem Fenster gehängten Transparent war zu lesen «Rettet uns».

In der gestrigen Nacht hatten Gruppen schwer bewaffneter Angreifer zwei Luxushotels gestürmt, außerdem ein beliebtes Restaurant, Krankenhäuser und einen Bahnhof. Eine bislang unbekannte Gruppe namens Deccan Mujahideen bekannte sich in E-Mails an indische Medien zu der Anschlagsserie.

Augenzeugen zufolge suchten die Angreifer gezielt Briten und Amerikaner. Im Taj Mahal hätten sie gerufen: «Wer hat amerikanische oder britische Pässe?» sagte der Brite Ashok Patel, der aus dem Hotel entkam. Dort wohnte auch eine europäische Parlamentariergruppe. Die Behörden vermuteten, dass im Taj Mahal 15 Ausländer als Geiseln genommen wurden. In dem zweiten angegriffenen Hotel Oberoi wurden nach Angaben des Behördensprechers Anees Ahmed ebenfalls Geiseln genommen. Er konnte aber nicht sagen, ob es sich um Inder oder Ausländer handelt.

Aus Krankenhäusern verlautete, unter den Toten sei ein Japaner, neun Europäer seien verletzt eingeliefert worden. Alle kämen aus dem Taj Mahal. Polizeisprecher A.N. Roy sagte, unter den Toten seien drei ranghohe indische Polizisten - darunter auch der Chef der Antiterroreinheit. Beschossen wurden auch zwei Krankenhäuser. Nach Behördenangaben wurden bei Gefechten acht Verdächtige erschossen und neun weitere verhaftet.

Nach Angaben der in New York ansässigen Organisation Chabad Lubavitch wurde außerdem der Sitz der ultraorthodoxen jüdischen Gruppe in Bombay von bewaffneten Männern gestürmt. Die Terroristen hätten sich offenbar eines Polizeifahrzeugs bemächtigt und damit leichten Zugang zu dem Zentrum gehabt, sagte ein Sprecher.
Bundesregierung verurteilt Anschläge

Bombay, das in Indien offiziell Mumbai heißt, ist wiederholt Schauplatz von Terrorakten gewesen, für die meist islamische Extremisten verantwortlich gemacht wurden. Bei einer Serie von Bombenexplosionen im Juli 2006 kamen 187 Menschen ums Leben. Seit Mai hat sich eine Gruppe namens Indian Mujahideen zu mehreren Anschlägen bekannt, bei denen mehr als 130 Menschen getötet wurden - allein 21 waren es zuletzt im September in der Hauptstadt Neu-Delhi.

Lesen Sie auf Seite 2, wie die internationale Staatengemeinschaft auf die Terroranschläge reagiert

In Berlin erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, die Bundesregierung verurteile die Anschläge auf das Schärfste. Das Generalkonsulat stehe in engem Kontakt mit indischen Stellen und bemühe sich um Aufklärung, ob Deutsche betroffenen seien. Der britische Außenminister David Miliband sagte, die Anschläge zeigten erneut das Ausmaß der Bedrohung, das von gewaltsamen Extremisten ausgehe. In Washington sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto: «Wir verurteilen diese Angriffe und den Verlust von unschuldigem Menschenleben.»

Das Auswärtige Amt hat gegenwärtig noch keine Erkenntnisse, ob deutsche Bürger unter den Opfern der blutigen Terrorangriffe in Bombay mit mehr als 100 Toten sind. Der Krisenstab des Auswärtigen Amts und das Generalkonsulat in Bombay bemühten sich mit Hochdruck um Aufklärung, sagte eine Sprecherin heute Morgen in Berlin.

Neben der deutschen äußerte sich auch die britische Regierung zu den Anschlägen und Geiselnahmen. Großbritanniens Premierminister Gordon Brown sagte der Führung in Neu Delhi seine Unterstützung zu. «Auf diese grauenhaften Angriffe wird energisch geantwortet», erklärte er am gestrigen Abend in London. Er habe Indiens Premier Manmohan Singh jede Hilfe zugesichert. Es seien «dringende» Maßnahmen ergriffen worden, um Briten in der Region Schutz zu gewähren.

Der gewählte US-Präsident Barack Obama verurteilte die Terrorserie auf das Schärfste. Er sei «in Gedanken und in seinen Gebeten bei den Opfern», sagte ein Sprecher Obamas. Die koordinierten Anschläge auf unschuldige Zivilisten zeigten, wie ernst die Bedrohung durch den Terrorismus sei. Die USA müssten ihre Partnerschaft mit Indien und anderen Nationen in der Welt stärken, um die terroristischen Netzwerke zu zerstören.

Die französische EU-Ratspräsidentschaft reagierte entsetzt auf die Anschläge. Sie verurteilte die Attacken und sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Man wisse um «die Verbundenheit des indischen Volkes mit der Demokratie, gegen die sich diese Terrorhandlungen wenden», hieß es in Paris. Deshalb stehe die EU «in dieser dramatischen Prüfung an der Seite der indischen Nation».

Die indische Präsidentin kritisierte die Terroranschläge in Bombay am Morgen scharf: «Diese sinnlose Attacke wurde von Leuten ausgeführt, die keinen Respekt vor dem Leben haben, die einen Weg der Zerstörung gehen», sagte Pratibha Patil in Hanoi. Sie hält sich zu einem viertägigen Staatsbesuch in Vietnam auf. «Es werden Geiseln festgehalten, die Behörden kümmern sich. Ich hoffe, dass dieses Leid schnell beendet wird und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.» Die Präsidentin werde nicht nach Indien zurückkehren, sondern ihre Reise wie geplant in Indonesien fortsetzen, teilte die indische Botschaft in Hanoi mit

mac

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