Angebliches Mordkomplott Obama-Verschwörer echte Amateure

Die angebliche Verschwörung zur Ermordung Barack Obamas hat sich als Pubertätsphantasie zweier Skinheads herausgestellt. Mit dem «Mordkomplott» der beiden 18 und 20 Jahre alten Teenager war es nicht weit her.

Obama 2008 (Foto)
Zwei Jugendliche wollten Obama an den Kragen. Bild: ap

Mit ihrer Eilmeldung schreckte die Nachrichtenagentur AP gestern Nachmittag die gesamte Weltöffentlichkeit auf und weckte sofort Erinnerungen an das Attentat auf den ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy am 22. November 1963. Laut der Meldung deckte die US-Regierung eine «Verschwörung zur Ermordung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama» auf. Außerdem hätten 102 Schwarze ermordet werden sollen. Doch was war wirklich passiert?

Die US-Polizei hatte bereits am 22. Oktober zwei Skinheads aus dem US-Staat Tennessee festgenommen. Aus den Gerichtsakten, die gestern freigegeben wurden, geht hervor, dass die zwei Männer einen Waffenladen ausrauben und dann eine vor allem von schwarzen Jugendlichen besuchte Schule überfallen wollten. Ihr letztes Ziel - als «finaler Akt» nach dem Blutbad - sei Barack Obama gewesen.

«Ihr Plan war, so schnell, wie sie können, in Richtung Obama zu fahren und aus den Fenstern heraus auf ihn zu schießen», sagte Jim Cavanaugh, ein Spezialagent der für Waffen, Sprengstoff und Alkohol zuständigen Bundespolizeibehörde laut einem weiteren AP-Bericht. Und weiter: «Sie glaubten nicht, dass sie das schaffen würden, aber dass sie bei dem Versuch selbst getötet würden.»

Die beiden Männer hätten geplant, 88 Schwarze zu erschießen und 14 weiteren den Kopf abzuschlagen. In Neonazi-Kreisen steht die Zahl 88 für «Heil Hitler», nach der achten Position der Buchstaben im Alphabet, 14 bezieht sich laut New York Times auf einen Nazi-Slogan, der in etwa lautet: «Wir müssen die Existenz von unseren Leuten und die Zukunft für weiße Kinder sichern.» Hernach hätten sie geplant, von Staat zu Staat zu ziehen und dabei weitere Menschen zu töten.

Im Supermarkt besorgten sich die vermeintlichen Amoktäter Lebensmittel, ein Nylonseil, und zwei Skimasken. Danach suchten sie ein Haus zum Ausrauben, wurden dabei aber von einem Hund abgeschreckt. Daraufhin bemalten sie mit Kreide ihr Auto mit Nazi-Symbolen. Festgenommen wurde das mit einer Schrotlflinte und mehreren Revolvern ausgestattete Gespann schließlich, nachdem sie vermutlich aus Frust die Fenster einer Kirche kaputtschossen.

Die US-Behörden nahmen das Vorhaben dennoch sehr ernst - denn zu sehr ist der Wahlkampf aufgeladen mit der latenten Angst vor einem rassistisch motivierten Anschlag auf den afroamerikanischen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Nicht nur im Internet ist diese Angst virulent, sie wird auch durch die in den vergangenen Tagen noch einmal schärfer gewordene Rhetorik zwischen Obama und seinem republikanischen Gegenkandidaten John McCain angeheizt. Im Frühjahr verbrannte sich Obamas Vorwahl-Konkurrentin Hillary Clinton die Zunge, als sie für sich werbend zu bedenken gab, auch John F. Kennedys jüngerer Bruder Bobby sei (1968) ermordet worden.

Die beiden selbst erklärten Neonazis - Daniel Cowart aus Tennessee und Paul Schlesselman aus Arkansas - hatten sich laut US-Justizministerium erst vor einem Monat im Internet kennengelernt. Beide hätten sich als Verfechter einer «Weißen Vorherrschaft» bekannt und damit begonnen, über einen Amoklauf zu «diskutieren». Zunächst hätten sie ein Waffengeschäft berauben und dann bei Diebstählen Geld für ihr Vorhaben beschaffen wollen. Am 20. Oktober sei Cowart dann von Tennessee nach Arkansas gereist, um Schlesselman abzuholen und ihre Gewaltphantasien in die Tat umzusetzen.

mac

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