Der Politiker Barack Obama «Ich bin gegen einen dummen Krieg»

Obama 2008 (Foto)
Vom Außenseiter zum Präsidentschaftskandidaten. Bild: ap

Von news.de-Redakteurin Lena Högemann
Barack Obama ist anders als andere Politiker. Er kann seine Zuhörer begeistern. Wenn die Welt wählen würde, wäre er der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Aber wofür steht der Kandidat der Demokraten in der realen Politik?

Der demokratische Kandidat will auf Diplomatie setzen. Von den Verbündeten fordert er mehr Einsatz. Das kann die Nato treffen, die EU – und auch Deutschland. Beide Präsidentschaftskandidaten setzen sich aber für eine Vergrößerung der US-Armee ein. Obama hat gesagt: «Ich bin nicht gegen alle Kriege, ich bin gegen einen dummen Krieg.» Dazu zählt für ihn der Irakkrieg, gegen den er sich von Anfang an ausgesprochen hatte.

Obama bekennt sich ungewöhnlich klar zu der Vision einer atomwaffenfreien Welt. Für das in den USA höchst umstrittene Recht auf Abtreibung wäre seine Präsidentschaft ausschlaggebend, denn als Präsident würde er Richter für den Supreme Court, das höchste Gericht der USA, nominieren. Mit einem liberalen Richter könnte er die knappe Mehrheit der Richter stärken, die das Recht auf Abtreibung aus den Privatrechten der Frau herleiten. Obama steht zudem für den Ausbau von Sozialhilfe und Krankenversorgung, denn 45 Millionen US-Bürger können sich keine Krankenversicherung leisten. In der Energiepolitik will Obama erneuerbare Energien fördern.

Absolut liberal ist Obama aber nicht. Pünktlich zum Hauptwahlkampf bekannte er sich zur Todesstrafe und zum Recht auf Waffenbesitz. Experten spekulieren, dass er jetzt die Wähler aus der Mitte erreichen will, nicht nur die fortschrittlichen Demokraten. Und: Seine Politik ist nicht typisch schwarz, denn Obama unterscheidet sich von den vorherigen schwarzen Präsidentschaftsbewerbern Jesse Jackson und Al Sharpton. Obama ist der einzige Schwarze, der es je durch den Vorwahlkampf geschafft hat. Er definiert sich nicht über seine Hautfarbe, versucht sogar, das Thema Rassismus zu vermeiden. Der 46-Jährige weiß, dass ein zorniger Schwarzer von Weißen nicht gewählt wird. Auch deshalb distanzierte er sich von seinem vertrauten Prediger Jeremiah Wright, der sich zuvor abschätzig über Weiße geäußert hatte.

Zu Beginn der Vorwahlen galt der schwarze Senator als Außenseiter, schlug aber nach einem harten Wahlkampf die innerparteiliche Konkurrentin und Senatskollegin Hillary Clinton. Obama überzeugte mit seiner Idee des Wandels, indem er einen neuen Politikstil versprach. Er wolle in Washington aufräumen und die Machenschaften der Lobbyisten durchkreuzen.

Zu den Stärken des 46-Jährigen gehören seine Reden, wie er es auch dem deutschen Publikum bei seinem Besuch in Berlin im Juli zeigte. Obama verkündete den 200.000 Menschen in der Hauptstadt: «Heute Abend spreche ich zu Ihnen nicht als ein Präsidentschaftskandidat. Sondern als Bürger – als stolzer Bürger der USA und als Mitbürger der Welt.» Da riefen sogar die deutschen Zuschauer vor der Siegessäule «Yes we can». Er hatte überzeugt.

Der mögliche Präsident Obama steht für eine Neuordnung der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Das Schrödersche Nein zum Irakkrieg hatte zu einer Funkstille zwischen Berlin und Washington geführt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident George W. Bush hatten sich zwar bei ihren öffentlichen Auftritten gut verstanden, für die Stimmung im Volk gilt das nicht. Einer Studie zu Folge sehen nur 27 Prozent der Deutschen die USA als eine «Macht des Guten». Umso mehr begeisterte Obama in Berlin, als er davon sprach, Amerikaner und Europäer wieder näher zu rücken. Es gilt aber: Wahlen werden immer noch zu Hause gewonnen.

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