Der Mensch Barack Obama «Der von Gott Gesegnete»

Umfrage sehen Obama vorn (Foto)
Wird er der erste schwarze US-Präsident? Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Lena Högemann
«Yes we can», rufen seine Anhänger, wenn er auf der Bühne steht. Er wird gefeiert wie ein Popstar. Und: Er könnte der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Wer ist der Mann, der die Zukunft der letzten Weltmacht bestimmen könnte?

Ganz oben auf seiner Homepage steht «I am asking you to believe». Daneben strahlen Barack Obama und sein Vizekandidat Joe Biden den Wählern entgegen. Obama bittet darum, an seine Fähigkeit zu glauben, den Wandel nach Washington zu bringen – und an die Fähigkeit der Wähler, an sich selbst zu glauben. So funktioniert das Prinzip Barack Obama. Der demokratische Präsidentschaftskandidat steht wie kein anderer für Hoffnung, Wandel und Versöhnung. Sein außergewöhnlicher Lebenslauf trägt dazu bei.

Geboren wurde Obama, dessen Vorname in der afrikanischen Sprache Kisuaheli «von Gott gesegnet» bedeutet, am 4. August 1961 auf Hawaii. Seine Mutter, eine Weiße aus dem US-Bundesstaat Kansas, und sein Vater, der schwarze Austauschstudent Barack Obama senior aus Kenia, lernten sich während des Studiums an der Universität von Honolulu kennen. Mit zweitem Vornamen heißt Obama Hussein. Den Namen des irakischen Diktators als Namen zu haben, verwendeten Obamas Gegner bereits gegen ihn.

Viele sehen in Obamas Biografie den Schlüssel zu seinem Erfolg. Der 46-Jährige ist sein Leben lang von dem Wunsch nach Versöhnung getrieben worden. Als Obama zwei Jahre alt war, trennten sich die Eltern. Der Vater kehrte nach Afrika zurück. Vater und Sohn sahen sich nur noch einmal, bevor Obama senior 1982 bei einem Autounfall starb. Der Vater war ein Sozialfall geworden, trank zu viel, hatte mehrere Frauen und Kinder, die er schlecht behandelte. Der Präsidentschaftskandidat soll mindestens fünf Halbbrüder haben, die in verschiedenen Ländern leben.

Obamas Mutter, Ann Dunham, heiratete nach der Trennung einen indonesischen Ölmanager und zog mit ihm nach Jakarta. So verbrachte Obama einen Teil seiner Kindheit in Indonesien und bekam zwei jüngere Halbschwestern, mit denen er heute noch Kontakt hat. Im Alter von acht Jahren kehrte er zu seinen Großeltern nach Hawaii zurück. Seine Jugend war gekennzeichnet von einem schwierigen Prozess der Selbstfindung: «Ich habe viel gefeiert, viel getrunken und Drogen genommen».

Dennoch schloss er die High-School mit Auszeichnung ab und studierte in Los Angeles und New York Politikwissenschaften. 1983 machte Obama den Abschluss. Nachdem er einige Jahre in der Gemeindearbeit in New York und Chicago gearbeitet hatte, entschied er sich für ein Jurastudium. 1991 erlangte er an der Eliteuniversität Harvard den Master of Law. Sein Studium finanzierte er sich mit Hilfe von Krediten.

1992 heiratete Obama seine Anwaltskollegin Michelle Robinson, mit der er heute zwei Töchter hat, die achtjährige Malia und die sechsjährige Sasha. Seine berufliche Karriere begann Obama 1993 in einer kleinen Kanzlei, die auf Bürgerrechte spezialisiert war. Nebenbei arbeitete er als Dozent für Verfassungsrecht an der Universität von Chicago. Seine Freunde hatten ihn angeblich schon länger gedrängt, mit seinen rhetorischen Fähigkeiten in die Politik zu gehen. 1996 ließ sich Obama dann in den Senat des US-Bundesstaats Illinois wählen. 2005 gelang ihm der große Erfolg, als er als derzeit einziger Schwarzer in den Bundessenat in Washington gewählt wurde. Vor ihm hatten nur fünf Schwarze diesen Schritt geschafft. Den amerikanischen Traum vom gesellschaftlichen Aufstieg aus dem Nichts hat Obama erfüllt. Ob er diesen wirklich als erster schwarzer Präsident der USA vollenden kann, wird sich am 4. November zeigen.

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