CSU vor Wahldebakel Die bayerische Gerüchteküche brodelt

Am Sonntag ist alles möglich. So könnte die CSU nach jahrelanger Alleinherrschaft im Bayernland ihre absolute Mehrheit im Landtag einbüßen. Mit dieser Angst im Rücken gedeihen die Gerüchte in der CSU.

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Die Qual vor der Wahl in Bayern. Bild: ap

Kurz vor der bayerischen Landtagswahl brodelt in- und außerhalb der CSU die Gerüchteküche. Bei der vom Verlust ihrer jahrzehntelangen absoluten Mehrheit bedrohten Partei gehen im Endspurt Zuversicht und Untergangsangst Hand in Hand. So gut wie alle direkt gewählten CSU-Abgeordneten zeigen sich zuversichtlich, dass sie am Sonntag persönlich gut abschneiden werden und die Partei die absolute Mehrheit der Sitze halten wird. Gleichzeitig befürchten viele das Schlimmste.

So machen wilde Spekulationen die Runde: Wer stürzt bei einem schlechten Ergebnis? Wird Generalsekretärin Christine Haderthauer das Bauernopfer? Muss Parteichef Erwin Huber gehen? Was wollen Parteivize Horst Seehofer und Europaminister Markus Söder? Als entscheidende Marke gilt ein Wahlergebnis über 50 Prozent.

«Wir machen den 50er vorne dran», sagt der niederbayerische CSU- Abgeordnete Gerhard Waschler - stellvertretend für sehr viele seiner Landtagskollegen. Die Stimmung daheim im Wahlkreis sei ganz gut, gut oder sehr gut, wird übereinstimmend berichtet. Dennoch wird vielfach über die Spitze geklagt - Haderthauer, Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein.

Die Liste der Beschwerden ist lang und reicht von missratenen Wahlplakaten bis zur mehrfach geäußerten Grundsatzkritik, die CSU- Führung vermittle «keine Visionen». Die Leute wüssten nicht mehr, warum sie eigentlich CSU wählen sollten. Auf diesem Nährboden aus Angst und Zuversicht gedeihen die wildesten Gerüchte.

Ein vielzitierter «Plan B» macht die Runde: CSU-Vize Horst Seehofer wolle Huber ersetzen. Weitgehender Konsens in der CSU ist, dass bei einem Ergebnis von mehr als 50 Prozent Huber und Beckstein im Amt bleiben. Für den Fall aber, dass die CSU unter 50 Prozent rutscht, gilt Haderthauer als wahrscheinliches Opfer. Doch Haderthauer würde anschließend als Kabinettsmitglied wiederkommen, heißt es vielfach bei einfachen Abgeordneten wie Vorstandsmitgliedern.

Denn die Generalsekretärin hat viele Gegner. Aber Haderthauer ist vergleichsweise jung, weiblich, eloquent, eine gute Rednerin - alles Mangelware bei der CSU. Sie kommt bei der CSU-Basis wie bei der Bevölkerung gut an. «Sie erschließt uns neue Wählerschichten, die wir sonst gar nicht erreichen würden», sagt ein CSU-Politiker.

Die eigentliche Frage aber ist das Schicksal von Parteichef Huber. Den viel bemühten «Plan B» aber gibt es im CSU-Vorstand nicht. Denn in Wahrheit gibt es keine einheitliche Linie in der CSU-Führung. Einige glauben, dass bei einer Wahlniederlage Stabilität wichtiger ist als neue Köpfe. Ein nochmaliger Austausch des Parteivorsitzenden helfe nichts. Außerdem wäre auch ein Übergang zu Seehofer kein Generationswechsel.

Andere Mitglieder der CSU-Spitze sind überzeugt, dass es bei einer Niederlage ein «Weiter so» nicht geben darf. Die Angst im Hintergrund: Bei einem Weiterwursteln mit Huber und Beckstein werde auch die Europawahl im Juni 2009 vergeigt und anschließend auch noch die Bundestagswahl. Damit wäre der «Mythos CSU» am Ende. Also doch lieber gleich Seehofer als Parteichef. In einem ganz wilden Produkt der Gerüchteküche wird ein Tandem aus Seehofer und Europaminister Söder unterstellt, der gleich Ministerpräsident werden wolle. Der Europaminister weist das weitestens von sich.

Was im Falle einer Niederlage tatsächlich geschehen wird, kann aber niemand vorhersagen. Denn das hängt ganz wesentlich von der Reaktion der Parteibasis ab, wie ein Abgeordneter zu bedenken gibt. Wahlniederlagen entwickeln ihre eigene Dynamik. Doch zugleich ist ein oft gehörter Satz unter CSU-Landtagsabgeordneten dieser Tage: «Also ich selber habe in meinem Stimmkreis keine Probleme.»

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