So., 12.02.12

Russland meldet Fahndungserfolg «Arctic Sea»-Entführer festgenommen

Artikel vom 18.08.2009

Die russische Marine hat acht mutmaßliche Entführer des wochenlang verschollenen Frachters «Arctic Sea» festgenommen. Die Verdächtigen sollen aus drei verschiedenen Ländern stammen und die Besatzung mit einem Trick überlistet haben.

Der russische Verteidigungsminister Anatoly Serdjukow erklärte nach Angaben der Nachrichtenagentur Itar-Tass in Moskau, die acht Verdächtigen im Fall «Arctic Sea» seien ohne einen Schuss von der Besatzung eines russischen Kriegsschiffs festgenommen worden. Die mutmaßlichen Entführer kommen laut Serdjukow aus Russland, Lettland und Estland.

Was das Ziel des Überfalls war, blieb zunächst unklar. Medien hatten von Lösegeldforderungen berichtet. Nach Darstellung des Verteidigungsministers hatten zwei Russen, zwei Letten und vier Esten die «Arctic Sea» bereits am 24. Juli in der Ostsee in ihre Gewalt gebracht.

Die Entführer hätten sich in einem Schlauchboot dem Frachter genährt und unter dem Vorwand, in Seenot zu sein, die «Arctic Sea»-Besatzung um Hilfe gebeten. Das berichtete Serdjukow dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew unter Berufung auf Ermittler. Medien hatten zuvor berichtet, der Frachter sei von acht bewaffneten Männern überfallen worden, die sich als Drogenfahnder ausgegeben hätten.

Nach dem Überfall seien laut den aktuellen Angaben des Außenministers alle Navigationsgeräte und die Bordtechnik abgestellt worden. Er erklärte damit den fehlenden Funkkontakt und das wochenlange Rätselraten um den Verbleib des Schiffs.

Erst am Montag hatte das russische Verteidigungsministerium mitgeteilt, der Frachter sei in der Nähe des westafrikanischen Inselstaats Kap Verde aufgespürt worden. Die Besatzung sei in Freiheit, gesund und werde nun an Bord einer russischen Fregatte verhört.

Angehörige der geretteten «Arctic Sea»-Seeleute und die russische Seefahrergewerkschaft beklagten heute, dass der russische Geheimdienst weiter einen persönlichen Kontakt verhindere. «Ich weiß bisher nur aus den Nachrichten von der Befreiung», sagte Jelena Sarezkaja, die Ehefrau des Kapitäns Sergej Sarezki. Über den Verbleib der Männer ist noch nichts bekannt. Die Gewerkschaft forderte, die Seeleute umgehend nach Hause zu fliegen.

Nach wie vor unklar ist, warum die «Arctic Sea» von ihrem Kurs abgekommen war und ob die finnische Reederei Lösegeld gezahlt hat. Die mutmaßlichen Piraten sollen die russischen Seeleute zeitweise in ihrer Gewalt gehabt, nach zwölf Stunden aber das Schiff ohne Beute wieder verlassen haben.

Die finnische Reederei Solchart Management dementierte heute jedoch erneut Lösegeldforderungen der Piraten. Der Direktor des Unternehmens, Viktor Matwejew, sagte dem Internetportal Life.ru, dass kein Geld gefordert oder bezahlt worden sei. Der Frachter sei beschädigt und müsse aufwendig aus afrikanischen Gewässern geborgen werden.

Den letzten Funkkontakt mit dem Schiff hatte die britische Küstenwache am 28. Juli, als der Frachter den Ärmelkanal durchquerte. Seither schossen Spekulationen ins Kraut, es könne um Waffen- und Drogenschmuggel gehen oder eine Beteiligung der Mafia geben. Sogar ein Untergang des Schiffs wurde nicht ausgeschlossen.


Weiterführende Links:

«Arctic-Sea»: Irrfahrt bleibt weiter rätselhaft
«Arctic Sea»: Lösegeld gefordert
Schiff verschwunden: Angst vor Nordsee-Piraten

tno/iwe/news.de/dpa/ap

Russland meldet Fahndungserfolg: «Arctic Sea»-Entführer festgenommen » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/5235/arctic-sea-entfuehrer-festgenommen/1/
Schlagworte:
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 18.08.2009 17:52
von

In 50 jahren werden wir wahrscheinlich die Wahrheit wissen.

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