So., 12.02.12

Türken und Kurden Hoffnung auf Annäherung

Artikel vom 16.08.2009

25 Jahre dauert der blutige Kurden-Konflikts in der Türkei an. Nun keimt die Hoffnung auf Annäherung zwischen den Volksgruppen auf. Sowohl der inhaftierte Kurdenführer Öcalan sowie die türkische Regierung haben Signale für eine Lösung ausgesendet.

Am Wochenende erinnerten in der Stadt Eruh im Südosten der Türkei tausende Kurden an den Beginn des Aufstandes vor 25 Jahren. Nach offiziellen Angaben der türkischen Behörden beteiligten sich 12.000 Menschen an der Veranstaltung, Medien hatten zuvor von bis zu 30.000 Teilnehmern berichtet. Die Feierlichkeiten wurden von 5000 Sicherheitskräften bewacht.

Abdullah Öcalan will in dieser Woche einen Wegweiser zur Lösung des Kurdenproblems in der Türkei vorlegen, den er im Gefängnis auf der Insel Imrali im Marmarameer erstellt hat. Das Dokument befinde sich kurz vor der Fertigstellung, hatten Öcalans Anwälte mitgeteilt. Ursprünglich sollte der Friedensplan bereits am Samstag veröffentlicht werden. Öcalan war 1999 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt worden, 2002 wurde das Urteil auf internationalen Druck in lebenslange Haft abgemildert.

Die Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte erstmals seit Jahren ebenfalls Kompromissbereitschaft signalisiert. «Wir können nicht bis Ende des Jahres warten. Das ist zu spät. Wir können in diesem Prozess mit dem beginnen, was schon umsetzbar ist», wurde er zitiert. Erdogan lehnt aber eine direkte Zusammenarbeit mit Öcalan und seiner verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK weiter kategorisch ab.

In der Türkei gehören 20 Prozent der Bevölkerung und damit bis zu 15 Millionen Menschen der kurdischen Volksgruppe an. Die Kurden stellen die größte ethnische Minderheit. Sie kämpfen für mehr autonome Rechte, etwa die Anerkennung ihrer eigenen Sprache. Tausende türkische Kurden sind im Zuge des bewaffneten Konflikts in den kurdischen Nordirak geflohen und leben dort in Flüchtlingslagern.

Die PKK kämpfte seit den 1980er Jahren auch mit Waffengewalt für mehr Unabhängigkeit der Kurden in der Türkei. In dem blutigen Konflikt sind nach Angaben des türkischen Militärs mindestens 35.000 Menschen ums Leben gekommen. Die Türkei steht nicht zuletzt wegen ihres Vorhabens, näher an die Europäische Union zu rücken, unter Druck, das Kurdenproblem zu lösen. Der türkische Präsident Abdullah Gül hatte zuletzt von einer «historischen Chance» gesprochen.

Weiterführende Links:

Prozess gegen PKK-Verdächtigen: Angeklagter nennt Vorwürfe unwahr
PKK: Kampf und Terror für einen eigenen Kurdenstaat

kat/ham/news.de/dpa

Türken und Kurden: Hoffnung auf Annäherung » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/5159/hoffnung-auf-annaeherung/1/
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