Verschwörungstheorien um «Arctic Sea»
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Weiter Rätsel um den Frachter «Arctic Sea»: Erst verdichteten sich Hinweise, dass das Schiff vor den kapverdischen Inseln, westlich von Afrika, gesichtet worden ist. Dann wurden die Angaben dementiert. Wer das Schiff in seiner Gewalt hat, bleibt unklar.
Ein Sprecher der EU-Kommission sagte am Freitag, es habe nach dem mysteriösen Überfall auf das Schiff in der Ostsee inzwischen einen zweiten Angriff vor der Küste Portugals gegeben. Lissabon bestreitet dagegen nach Angaben der nationalen Agentur Lusa, dass sich die «Arctic Sea» in den vergangenen Tagen in portugiesischen Gewässern bewegt hat.
Ein EU-Sprecher sagte, es handele sich nach «Informationen aus den Mitgliedsstaaten» nicht um klassische Piraterie. Auf die Frage, was sich stattdessen hinter dem rätselhaften Verschwinden des rund 100 Meter langen Schiffes verbergen könnte, sagte ein Sprecher der EU- Kommission: «Dazu haben wir keine Meinung und keinen Kommentar abzugeben.»
Auch die Reederei des Frachters mit 15 russischen Seeleuten an Bord sprach am Freitag weiter von einem «Rätsel». Unterdessen brachte ein russischer Experte einen politischen Hintergrund für das mysteriöse Verschwinden ins Spiel. «Ich gehe davon aus, dass die Behörden längst wissen, wo das Schiff ist», sagte der Vizechef der russischen Seefahrergewerkschaft, Sergej Portenko, der Moskauer Boulevardzeitung Moskowski Komsomolez. Nach seiner Vermutung soll vertuscht werden, dass die «Arctic Sea» Waffen für Afrika geladen hatte.
Das Frachtschiff, das nach offiziellen Angaben Holz im Wert von über einer Million Euro nach Algerien bringen sollte, ist seit gut zwei Wochen verschwunden. Den letzten offiziellen Funkkontakt zur «Arctic Sea» hatte die britische Küstenwache am 28. Juli in der Straße von Dover.
Mittlerweile spekulieren auch russische Zeitungen, dass die 15- köpfige Besatzung in Lebensgefahr sein könnte. «Wenn bei dieser Sache wirklich ‹wichtige Leute› ihre Finger im Spiel haben, dürfte man die Besatzung als Zeugen wohl aus dem Weg räumen», stellte Moskowski Komsomolez fest.
Der 50 Jahre alte Kapitän Sergej Serezki gilt russischen Medien zufolge als erfahrener Seemann. Nach Angaben des «Arctic Sea»- Betreibers befindet sich das Schiff in einem technisch einwandfreien Zustand und ist mit Treibstoff und Nahrung für etwa 40 Tage ausgestattet.
Unterdessen hat die deutsche Fregatte «Bremen» einen Piratenangriff auf ein türkisches Schiff vereitelt. Sechs Piraten hätten sich am Freitagmorgen im Golf von Aden dem Frachter «Elginnur Cebi» genähert. Das Piratenboot habe aber beigedreht, nachdem ein von der «Bremen» gestarteter Hubschrauber Warnschüsse abgefeuert habe, berichtete das Kommando der EU-Anti-Piraten-Mission «Atalanta» in der Nähe von London.
Weiterführende Links:
Mysteriöse Schiffsentführung: Was geschah mit der «Arctic Sea»?
Schiff verschwunden: Angst vor Nordsee-Piraten