Thüringen und Sachsen Ungleicher Wahlkampfauftakt

Gemeinsam wanderten Dieter Althaus (l.) und Stanislaw Tillich (m.) durchs Vogtland. (Foto)
Gemeinsam wanderten Dieter Althaus (l.) und Stanislaw Tillich (m.) durchs Vogtland. Althaus waren schwere Vorwürfe der Opposition vorausgeeilt. Bild: dpa

Der Abschluss des CDU-Wahlkampfauftaktes in Sachsen und Thüringen sollte ganz locker wirken: Gemeinsam wanderten die Spitzenkandidaten Stanislaw Tillich und Dieter Althaus über die Landesgrenze. Doch einem von beiden eilte harsche Kritik voraus.

Die Opposition in Thüringen erhebt schwere Vorwürfe gegen Althaus: Mit neuen Äußerungen über seinen schweren Skiunfall instrumentalisiere er den Tod einer Frau und stilisiere sich zum Opfer, hieß es. «Althaus nutzt seinen Skiunfall zur schamlosen Selbstinszenierung in seinem Wahlkampf», sagte der Thüringer SPD-Chef Christoph Matschie der Thüringer Allgemeinen. Sein Verhalten sei pietätlos.

Althaus hatte der Bild am Sonntag gesagt, nach dem Unfall sei er sensibler geworden. Außerdem habe er sich in seine Frau neu verliebt. Matschie kritisierte dieses Interview: Der Ministerpräsident inszeniere sich als Unfallopfer, um auf Kosten der getöteten Skifahrerin Beata Christandl Sympathiepunkte zu sammeln. Gleichzeitig weiche er der politischen Auseinandersetzung aus. «Althaus muss endlich begreifen, dass es nicht um ihn und seine Fitnesswerte geht, sondern um Thüringen und seine Menschen», kritisierte Matschie.

Der Spitzenkandidat der Thüringer Linkspartei, Bodo Ramelow, sagte der Thüringer Allgemeinen, er nehme das Interview kopfschüttelnd zur Kenntnis. Althaus missbrauche die Medien zur permanenten Selbstinszenierung. In Thüringen wird am 30. August ein neues Parlament gewählt. Die CDU regiert seit fünf Jahren mit absoluter Mehrheit.

Althaus war am Neujahrstag als Skifahrer in Österreich gegen die Fahrtrichtung in eine Piste eingebogen und dort der 41-jährigen Christandl zusammengestoßen. Dabei wurde die Frau tödlich verletzt, Althaus erlitt schwere Kopfverletzungen. Am 3. März wurde er von einem Gericht in Österreich wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 33.000 Euro und zur Zahlung von Schmerzensgeld an den Witwer verurteilt. Die Höhe ist noch unklar.

Weniger aufgeregt war der Wahlkampfauftakt für Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der am Samstag in Dresden offiziell den Wahlkampf eröffnet hatte. Der 50-Jährige warb vor rund 300 Anhängern für eine Fortsetzung der bisherigen Politik. Die Landes-CDU sei die Partei des wirtschaftlichen Erfolgs. Wegen der «klugen Politik» seiner Vorgänger Kurt Biedenkopf und Georg Milbradt sei Sachsen schön, liebenswert und erfolgreich geworden.

Tillich wies auf die vergleichsweise geringe Pro-Kopf-Verschuldung des Bundeslandes hin, ging aber in seiner Rede nicht auf den Niedergang der SachsenLB ein. Auch die Debatte um seine DDR-Vergangenheit erwähnte er nicht. Er verzichtete zudem darauf, den Koalitionspartner SPD zu attackieren. Unterstützt wurde Tillich bei der Auftaktveranstaltung von Biedenkopf und Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere. Bundeskanzlerin Angela Merkel soll Tillich bei drei weiteren Terminen zur Seite stehen.

Der Wahlkampf der CDU ist klar auf Tillich zugeschnitten, der den wegen des SachsenLB-Debakels unter Druck geratenen Milbradt vor gut einem Jahr vorzeitig abgelöst hatte. Die Partei stellt dabei auch deutlich heraus, dass Tillich der erste ostdeutsche Ministerpräsident seit 1990 ist. Auf Großplakaten heißt es: «Stanislaw Tillich. Der Sachse.»

Ein neuer Landtag wird auch in Sachsen am 30. August gewählt. Vor fünf Jahren hatte die CDU die absolute Mehrheit verloren und regiert seither mit der SPD zusammen. Aktuellen Umfragen zufolge kommen auch CDU und FDP auf eine Mehrheit.


Weiterführende Links:

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seh/ruk/news.de/ap

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Günther Weigel
  • Kommentar 1
  • 29.08.2009 21:07

ea langweilt die bevölkerung ihre propagantisch aufgezogenen schriftsätze immer wieder in den medien und presse zu lesen und hören zu müssen. die menschen in deutschland sind erwachsen genugt um das richte zu wählen. es ist schade um das papier und die verschwendete energie welche der steuerzahler auch noch tragen soll/muß. bringen sie vorschläge die realistisch und durchführbar sind und schimpfen sie nicht immer über andere. wer anderen eine grube gräbt fällt meist selbst hinein - hat meine oma gesagt.

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