Indonesien Jugend protestiert Online gegen den Terror

Nach den Bombenanschlägen auf zwei Luxushotels in Jakarta machen junge Indonesier jetzt mutig im Internet Front gegen die Extremisten. «Wir haben keine Angst», lautet die trotzige Botschaft der Internet-Kampagne gegen den Terror.

Bei den Anschlägen in Indonesien starben neun Menschen. (Foto)
Bei den Anschlägen in Indonesien starben neun Menschen. Bild: ap

Bei der Jugend ist die Internet-Kampagne total in. Auf der Internet-Plattform Facebook hat die Seite indonesiaunite.com (Indonesien vereinige Dich) mittlerweile 200.000 Mitglieder, und beim Kurznachrichtendienst Twitter war der Eintrag zeitweise das Top-Thema. Auch bei nationalen Fernsehsendern sind junge Leute aus der Bewegung häufig zu Gast bei Talkshows.

Nach einigen Jahren der Ruhe haben die jüngsten Explosionen die Angst vor einer Rückkehr des Terrors geschürt. Bei den Anschlägen auf die Luxushotels Marriott und Ritz-Carlton waren am 17. Juli neun Menschen ums Leben gekommen, darunter die beiden Attentäter. Auch sechs Ausländer waren unter den Opfern.

«Sagt es und zeigt es, dass wir keine Angst haben vor Terroranschlägen. Macht weiter wie immer, aber seid wachsam», heißt es auf der Website «indonesiaunite.com». Der Blogger und Mitinitiator der Kampagne Aulia Masna meint: «Terrorismus kann durch Bildung, Toleranz, Fürsorge und Verständnis ausgemerzt werden, denn Menschen, denen das fehlt, könnten wahnsinnig werden und ihre Landsleute ermorden.»

Die «indonesiaunite»-Bewegung hat auch T-Shirts verteilt mit dem Aufdruck «Wir haben keine Angst» und unter dem gleichen Titel einen Song herausgebracht. Die Organisatoren wollen nun auch bei Veranstaltungen im ganzen Land für ihre Sache werben, denn nur 30 Millionen der 230 Indonesier haben Zugang zum Internet.

Fahnder gehen davon aus, dass die jüngsten Anschläge auf das Konto islamischer Extremisten mit Verbindungen zur Terrorgruppe Jemaah Islamiyah gehen. Diese Gruppe wird für eine Serie von Anschlägen verantwortlich gemacht, darunter das Blutbad auf der Ferieninsel Bali im Jahr 2002 mit 202 Toten. Festnahmen gab es bislang noch nicht. Aber die Polizei fahndet nach dem gesuchten Terroristen Noordin Top, der als Chef einer Splittergruppe der Jemaah Islamiyah gilt.

Noor Huda Ismail, Experte in Sachen militanter Islam in Indonesien, meint, die Anti-Terror-Kampagne zeige die wachsende Bereitschaft, das Thema offen anzusprechen. «Früher gab es nur Schweigen, die Stimme der moderaten Mehrheit wurde von radikalen Randgruppen erstickt. Es ist gut, dass die Leute jetzt den Mund aufmachen.»

Aber auch die Extremisten nutzen das Internet. Kürzlich tauchte dort eine Erklärung auf, in der sich angeblich Noordin im Namen einer Gruppe «Tandzim El-Kaida Indonesien» zu den jüngsten Anschlägen bekennt. Ziel seien «Geschäftsleute und Geheimagenten mit Verbindung zur US-Wirtschaft» die die «Ressourcen Indonesien plündern wollen». Aber die Experten rätseln noch, ob die Botschaft echt ist.

Indonesiens Anti-Terror-Fahnder, die mit Unterstützung Australiens und den USA ausgebildet wurden, haben großes Lob geerntet für ihre Erfolge bei der Aufklärung früherer Anschläge. Gleichzeitig haben sie es geschafft, bekehrte Ex-Terroristen dafür zu gewinnen, bei noch aktiven Extremisten für eine Abkehr von der Gewalt zu werben.

Weiterführende Links:

Anschläge in Indonesien: Die Mörder waren Selbstmordattentäter
Anschläge in Indonesien: Terrorziele für den globalen Dschihad

jan/news.de/dpa

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