Wahl in Afghanistan Favorit trotz miserabler Bilanz

Hamid Karsai (Foto)
Hamid Karsai Bild: dpa

Bei Kritikern ist seine Regierung als korrupt und unfähig verschrien. Die Wirtschaft ist im Eimer. Im Land herrscht Aufstand. Trotz alledem: Vier Wochen vor der Präsidentenwahl in Afghanistan am 20. August ist Amtsinhaber Hamid Karsai klarer Favorit.

Die 40 anderen Kandidaten - darunter auch zwei Frauen - können bestenfalls darauf hoffen, dass er die absolute Mehrheit verfehlt. Dann würde eine Stichwahl fällig, und Karsai wäre angreifbar, wenn sich die anderen um einen gemeinsamen Gegenkandidaten scharen könnten.

Unter den chaotischen Umständen in Afghanistan sind Wahlprognosen schwierig. Nur wenige verlässliche Umfragen wurden veröffentlicht. Nach einer Erhebung vom Mai mit 3200 Teilnehmern würden nur 31 Prozent für Karsai stimmen; das sind deutlich weniger als die 55 Prozent, mit denen er die Wahl 2004 gewann. Dennoch liegt er demnach weit vor seinem aussichtsreichsten Rivalen, dem früheren Außenminister Abdullah Abdullah, mit sieben Prozent.

Karsais Wahlkampfmannschaft tut diese Umfrage als überholt ab. Seitdem ist er Bündnisse mit etlichen Stammesführern und Ältesten der verschiedenen ethnischen Gruppen eingegangen. Wahrscheinlich kann er auf die Mehrheit der Stimmen bei seiner eigenen Volksgruppe der Paschtunen zählen, die 40 Prozent der Bevölkerung und die Mehrheit der Taliban ausmachen.

Karsai, der weltläufige Sohn eines Stammesführers war einer der wenigen prominenten Paschtunen, der sich gegen die Taliban gestellt hatte. Nach deren Sturz 2001 kam er an die Macht und genoss die Unterstützung des Westens. Doch sein Ansehen hat seither gelitten. Diplomaten in Kabul halten Karsai vor, er scheue vor harten Entscheidungen zurück, um die grassierende Korruption und Gewalt zu unterbinden.

Für eine weitere Amtszeit hat er in Aussicht gestellt, Verhandlungen mit den Taliban aufzunehmen, um den Krieg zu beenden, Straßen zu bauen, die Bildung zu fördern, die Wirtschaft anzukurbeln und der Landwirtschaft unter die Arme zu greifen. Die meisten dieser Ziele haben sich auch andere Kandidaten vorgenommen.

In den letzten Wochen vor der Wahl gibt sich Karsais Mannschaft alle Mühe, eine Stichwahl zu vermeiden. Sie würde gegebenenfalls am 3. Oktober stattfinden, nach dem islamischen Fastenmonat Ramadan. «Wir sehen keine großen Aussichten, dass jemand anders die Wahl gewinnen könnte, aber wir wollen gewiss nicht, dass sie in eine zweite Runde geht», sagte Karsais Wahlkampfsprecher Wahid Omar. «Ich bin ziemlich sicher, dass das ein leichter Sieg für den Präsidenten wird.»

Karsais Rivale Abdullah kann über solche Voraussagen nur spotten. Der Augenarzt, Sohn eines Paschtunen und einer Tadschikin, konzentriert sich im Wahlkampf auf den Norden und Westen des Landes in der Hoffnung, dass eine rege Beteiligung dort Karsais mutmaßlichen Vorteil bei den Paschtunen im Süden wettmacht. Die Wahlbeteiligung könnte tatsächlich hoch sein, da die Sicherheitslage in den tadschikischen Gebieten besser ist. Dort hat Abdullah, früher enger Mitarbeiter des Nordallianz-Führers Ahmed Schah Massud, gute Karten.

«Ich glaube nicht, dass die sehen und hören, was in diesem Land los ist», sagt er über Karsais Leute. «Das kommt davon, wenn man vom Volk isoliert ist. Es wundert mich nicht, dass Präsident Karsai so denkt.»

Sollte sich Karsai schon im ersten Anlauf durchsetzen, dürften einige seiner Hauptgegner wohl Wahlbetrug wittern und das Ergebnis nicht anerkennen, vor allem, wenn die Ergebnisse in Teilen des Nordens und Westens nicht Abdullahs Erwartungen entsprechen. Sowohl Karsai als auch Abdullah ziehen bei ihren Wahlkampfveranstaltungen tausende Zuhörer an.

Abdullah setzt sich für Verfassungsänderungen ein mit dem Ziel, dem Parlament mehr Gewicht zu verleihen. Auch er will im ersten Anlauf gewinnen, wie er sagt: «Wandel und Hoffnung. Das ist es, was die Leute wollen.»

Nach Ansicht mancher politischen Beobachter könnte ein Bündnis Abdullahs mit dem früheren Finanzminister und Weltbank-Mitarbeiter Ashraf Ghani Karsai besiegen, wenn sie von anderen Kandidaten unterstützt würden. Der Politikwissenschaftler Wadir Safi von der Universität Kabul ist skeptisch, ob Karsai im ersten Anlauf gewinnen kann. Der Amtsinhaber habe «seine Gegner, die Opposition in verschiedene Gruppen gespalten, und er ist in diesem Sinne der einzige starke Kandidat», sagte Safi. «Doch die Menschen sehen die letzte Amtszeit, die praktische Arbeit der Regierung. Daher ist es für mich sehr zweifelhaft, dass er die Wahl in der ersten Runde gewinnen kann.»

Weiterführende Links:

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jan/mac/news.de/ap

Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 8
  • 19.08.2009 12:59

Pakistan ist das grosste Gefahr nicht nur für Afghanistan sondern für die Welt,England und Pakistan wollen kein unabhängige afghanistan, die wollen krieg ,und in die welt frieden zu schaffen und um nicht mehr soldaten in AFG getötet zu werden muss man 2 Dinge tun,1-alle Quelle die Taliban geld bekommen austrocknen,Koran schulen die Selbstmatäntater ausbilden schliessen ,die Führer der Taliban festhalten und töten, das ist sehr einfach für Pakistan ISI.aber Pakistan spielt Katze und Maus mit Amerikana und verbunde kassiert Malliarden euro aber tut nichts ernsthaftes,Pakistan und England wollen krieg,für eine woche sagte der Britische Agant die wollen 40 jahre in Afg bleiben,deshalb man geht davon aus das die viele Pläne haben um dort zu bleiben,die Briten nehmen täglich 100 Kontainer Opium von Helmand provence und andere Stätte nach hause,und verkaufen in andere europische Länder,gibts beweise das die Briten geben sogar waffen zu Taliban damit die gegen sie kämpfen und ihre anwesenheit rechtfertigen,und weiter politische ziele erreichen,2- England und Pakistan sind die gefährlischste Länder der Welt.in Afgh frieden zu bringen muss mit Pakistan und England gehandelt werden, es gebe keine Afgh selbstmord oder Afgh Taliban die sind alee Pakistanies Arabe und Chichena,die mit Briteschem Geld die durch Opium kassieren nach Afghansitan und andere welt geschickt werden.und ihr arme Soldaten und arme afghanisch bevolkerung leiden seit über 30 jahren darunter.ich frage euch wie können die Taliban gegen 300000 Afgh und NATO Soldaten kämpfen?seit 8 Jahren,die wurden durch Amerika in eine woche entmachtet ,wie könnten sie wieder 8 Jahren weiter kämpfen woher kommt das geld?natürlich dieses Geld eures Geld die für Pakistan bezahlt wird gegen die Taliban zu benutzen aber der ISA Pakistan gibt das Geld mit britiesche unterstützung für Taliban um gegen die Amerika NATO zu kämpfen und andere Politische ziele zu erreichen.eure Soldaten fallen und Pakistan und Englang Profitieren,sehe youtube unter Afghanistan krieg von 1975-1988,dan wiesst ihr ob ich recht habe oder nicht.

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  • Kommentar 7
  • 27.07.2009 19:20

Deutsche Soldaten raus aus Afghanistan. Das ist keine Hilfe beim Aufbau des Landes. Das ist Krieg !!!!!!!!!! Wisaka

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  • Kommentar 6
  • 27.07.2009 09:05

Wäre Karsai nicht so gut geschützt von Bodyguards etc., wäre er längst ein toter Mann. Raus aus dem Drecksland Afghanistan mit den Europäischen Truppen. Das ganze korrupte System der Warlords in dem die Hilfsgelder versickern, kann mit Militär so wie es momentan läuft nicht abgeschafft werden. Und das Afghanische Volk will wohl auch kein westliches System übergestülpt bekommen, denn ich sehe keine Massenerhebung gegen die Taliban. Die Amis haben die Taliban seinerzeit stark gemacht. Jetzt sollen sie auch selber zusehen wie sie die "Suppe" wieder auslöffeln. Ist doch aber nichts neues, daß sie Ihre Söhne zum sterben in alle Welt schicken, damit ihre raffgierigen Kapitalisten noch einige Millionen § mehr aufs Konto packen können. Und ein Karsai verdient da auch mit.

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