FDP im Europawahlkampf Prominente und Glühbirnen

Für Europa zu werben ist nicht einfach. Zwölf Tage vor der Europawahl hat die FDP in Leipzig den Wahlkampf für die ostdeutschen Länder gestartet. Dabei zeigte sich: Um die Menschen für die EU zu begeistern, braucht es Prominente und Glühbirnen.

FDP-Chef Guido Westerwelle ( r.) mit Hans-Dietrich Genscher ( l.) und Silvana Koch-Mehrin (in gelb) (Foto)
FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle in Leipzig. Bild: dpa

Vor der Bühne sind die Bierzelttische voll besetzt, drum herum stehen weitere Zuschauer. Es gibt einen Würstchenstand sowie eine kleine Hüpfburg für die Kinder, eine Band soll spielen. Der Platz ist gut gefüllt, man erwartet prominente Gäste. Die Rednerliste heute lautet: Europa 1, Europa 2, Vergangenheit, Bundespolitik.

Europa 1 beginnt: der Leipziger Europaabgeordnete Holger Krahmer. Er hat nur wenige Minuten. «Das Europäische Parlament wird oft unterschätzt», sagt er, aber so richtig scheint niemand zuzuhören. Die Leute starren wie gebannt auf Europa 2, Bundespolitik und vor allem auf Vergangenheit, die gerade an einem Biertisch vor der Bühne Platz genommen haben und von einem Pulk von Fotografen belagert werden.

Europa 2: Silvana Koch-Mehrin, Spitzenkandidatin der Liberalen bei der Europawahl, hat heute ein gelbes Kleid an. Zum ersten Mal, wie sie sagt, und als Liebeserklärung an den gelben Pollunder von Vergangenheit. Koch-Mehrin redet darüber, dass Europa weniger restriktiv sein sollte. Ein Beispiel: das bevorstehende Verbot von normalen Glühbirnen zugunsten von Energiesparlampen. «Wenn eine Behörde beschließt, was man kaufen darf, erinnert mich das an Sozialismus», ruft die Politikerin und bekommt dafür Applaus von den Biertischen. Im Publikum neben der Bühne fragt ein Herr seinen Nebenmann: «Hat die Band eigentlich schon gespielt?».

Vergangenheit: Seintwegen sind die Leute eigentlich hier. Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher ist der Altstar der FDP und Publikumsmagnet. «Ich habe Leipzig brennen sehen», beginnt der 82-Jährige, erzählt von seiner Zeit als Flakhelfer im Zweiten Weltkrieg und seiner Studentenzeit in den Trümmern der Stadt. Europa bedeutet für ihn ein Ende dieser Trümmerzeit, ein Ende der Gewalt, der Auseinandersetzungen. Genscher redet über Frieden in Europa und über ein Amerika, das sich in letzter Minute auf Frieden und Solidarität besonnen habe «anstatt auf Bushs Raketen». Sein Wahlappell: «Europäer sein, heißt nicht nur zuschauen.» Jetzt kommt der Applaus nicht nur von den Biertischen, jetzt klatscht die ganze Menge.

Bundespolitik: Ein Ansager kommt auf die Bühne und ruft wie ein Ringsprecher beim Boxsport mit langen Pausen zwischen den Wörtern: «Doktor - Guido - Westerwelle». Der Vorsitzende der Bundes-FDP redet sich einmal durch das liberale Programm: Steuern, Bildung, Datenschutz, Mittelstand, «Leistung muss sich wieder lohnen», «Bei den Großen kommt der Bundesadler, bei den kleinen der Pleitegeier», «Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts». Während Westerwelle spricht, zieht ein braungebrannter Mann mit Zigarillo im Mund, einen Freund nach vorne und sagt: «Da drüber sitzt er», und zeigt auf Genscher, der wieder in der ersten Bierbankreihe sitzt. «Da isser», antwortet der andere, als habe er seinen Kater gefunden, der sich unter der Couch versteckt hat.

Westerwelles Wahlappelle fallen dafür umso energischer und mitreißender aus. Er redet den Leuten ins Gewissen, dass es auf jede Stimme ankommt und links- und rechtsextreme Parteien von Nichtwählern profitieren. «Überlassen Sie die Demokratie nicht anderen», fordert er. «Macht es einen Unterschied, ob ich wählen gehe? Ja, es macht einen riesigen Unterschied.» Nachher, beim Abmarsch vom Platz, gibt er Autogramme, lässt sich mit Fans fotografieren und als er beim Einsteigen ins Auto zum Abschied winkt, winken die Menschen um ihn herum kollektiv zurück.

Was bleibt von dieser Veranstaltung, zwölf Tage vor der Europawahl? Eine Menge von Menschen, die augenscheinlich wegen der Politprominenz ihren Weg zur FDP gefunden hat. Es braucht halt große Namen, um für wenig populäre Veranstaltungen wie die Europawahl zu werben. Und die Themen? Womit kann eine Partei für die EU Werbung machen, den Menschen vermitteln, wie wichtig Europa für sie ist?

Als die anderen Redner schon weg sind, steht Europa 1 noch bei den Menschen auf dem Marktplatz. Die Band spielt mittlerweile. «Europa hat uns 60 Jahre Frieden gebracht», sagt Holger Krahmer. Nun müsse man sich nach den Zielen fragen: «Brauchen wir ein Europa der kleinteiligen Regulierung, das überall hineinregiert, oder brauchen wir ein Europa der großen Ziele?» Er meint: «Wir brauchen ein Europa, das weniger bevormundet, das weniger über die Köpfe der Menschen hinweg entscheidet.» Frieden, Glühbirnen und Politpromis, das sind die Themen des Tages. Die EU ist eben schwer zu vermitteln.

bjm/news.de

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Leserkommentare (9) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 9
  • 09.06.2009 17:53

Die EU ist gut und richtig sowie wichtig! Wenn Politiker und Bürger auch noch immer so tun, als wäre es eine unwichtige Nationale Wahl.t Leute! Unter 40% Beteiligung, über 10% an Splittergruppen. Unwissenheit in allen Dingen, auch von Politikern vermittelt. Cohn Bendit sei hier zitiert:Die EU hat weniger Mitarbeiter als die Kölner Stadtverwaltung! Als einer der kurz nach dem Krieg geboren ist, Ja zur EU auch wenn es von einigen nur auf geringem Niveau in Richtung Energie Sparlampen reduziert wird. Ja zur Zunkunft, das ist die EU, die Jugend hat es verstanden und mit hoher Beteiligung gewählt

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  • Kommentar 8
  • 29.05.2009 11:50

Ich verwende für Beleuchtung nur Energiesparlampen. Wenn ich allerdings abends meinen div. Hobbys nachgehen will, brauche ich Licht, und nicht eine Funsel, die kaum das Zimmer ausleuchtet. Da wird immer so viel von Kreativität geredet, doch dazu braucht man eben auch Licht. Hoffen wir, daß denen in Brüssel mal ein helles, weitreichendes Licht aufgeht. Soweit kann es doch keineswegs gehen. daß man uns vorschreibt, welche Beleuchtung wird verwenden bzw, verwenden können.

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  • Kommentar 7
  • 26.05.2009 20:23

Und hier noch eine Verordnung und da noch ein Gesetz und die Demokratie bleibt auf der Strecke. Ach so,welche Demokratie? Tschuldigung!!

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