05.10.2019, 22.08 Uhr

Waldsterben: Umwelthype - Unser Wald stirbt und alle schauen zu

Deutschland ist zu 32 % von Wald bedeckt - noch! Denn: Der Wald stirbt! Und das Schlimmste daran ist, dass auch hier der Mensch zu einem großen Anteil für verantwortlich ist!

Waldsterben in Deutschland Bild: picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

Schon in den 1970er und 1980er-Jahren hinterließ der saure Regen in Europa Millionen kaputter Bäume. Durch den vermehrten Einbau von Filteranlagen konnte dies gottlob reduziert werden - Ostasien hingegen hat gegenwärtig mit diesem Problem zu kämpfen. Derzeit ist es hierzulande vor allem der Klimawechsel, der dem Wald schwer zu schaffen macht.

Naturereignisse schlagen Schneisen

Trockenheit und Stürme scheinen die größten Feinde der grünen Lunge Deutschlands zu sein. Ein gesunder Baum transportiert durch den sog. „Kapillareffekt" zwischen zehn bis mehreren hundert Liter Wasser täglich - je nach Baumart und Belaubung. Kann nun die Wurzel die erforderliche Menge an Wasser nicht aus dem Boden saugen, so fallen zuerst die Blätter ab, dann sterben Äste und schließchlich der ganze Baum. Ein gefundenes Fressen für einen Sturm, der dadurch ganze Schneisen in einen Wald schlagen kann. Nach Angaben von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner müssen mindestens 180 Hektar Wald zwischen Flensburg und Berchtesgaden neu aufgeforstet werden.

Importierte Schädlinge haben keine Feinde

Durch den globalen Waren- und Rohstoffverkehr erreichen immer wieder Holzlieferungen auch Mitteleuropa. Leider beherbergt das Holz auch blinde Passagiere wie den Bockkäfer, den Prachtkäfer und die Holzwespe. Auch das Weiße Stengelbecherchen und der Eschenprachtkäfer wurden eingeführt. Beide zeichnen verantwortlich für das Beinahe-Aussterben der heimischen Esche! Gegen viele dieser fremdartigen Schädlinge gibt es kein Gegenmittel und schon gar keine natürlichen Feinde. Hinzu kommen die heimischen Schädlinge, wie der Borkenkäfer, der als "Müllmann" eigentlich eine wichtige Funktion im Stoffwechsel des Ökosystems Wald erfüllt. Vermehrt er sich hingegen zu stark, so schädigt er auch den gesunden Wald.

Hauptverursacher des Waldsterbens: Der Mensch

Zu einem gesunden Wald gehört selbstverständlich die Waldwirtschaft: Kronen müssen gelichtet, Platz geschaffen werden für Jungbäume oder kleinere Baumarten. Allerdings spielte zuletzt der Wirtschaftsfaktor eine immer grösser werdende Rolle: Die Bäume müssen schnell wachsen und einen möglichst hohen Ertrag abwerfen. Es entstanden Monokulturen. Unter den sechs meisten Baumarten (Fichte, Buche, Eiche, Birke, Apfelbaum bzw. Ahorn) befinden sich fünf Flachwurzler - nur die Eiche besitzt Pfahlwurzeln, die tiefer in den Boden eindringen. Diese Flachwurzler sind auf ständige Wasserzufuhr angewiesen, ansonsten sterben sie ab.

Mischwald - die einzige Überlebenschance

Den Anforderungen des extremer werdenden Klimas kann nur ein vielfältiger Mischwald standhalten („klimafit"). Bei einer höheren Anzahl an Tiefwurzlern können die klimabedingten Naturereignisse weniger anrichten und Schädlinge nicht ganze Wälder ruinieren. Nachteil: Tiefwurzler wachsen langsamer. Daneben ist es unabdingbar, standortgerechte Bäume zu pflanzen. Douglasien etwa fühlen sich auch an trockeneren Standorten wohl. Werden diese beiden Punkte berücksichtigt, so sind die 800 Millionen Euro, welche die Bundesregierung in die Rettung des Waldes investieren will, gut angelegt!

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US/add/news.de

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