05.10.2019, 21.53 Uhr

Royales Coming-out: Verstoßen! DIESER Prinz riskierte alles

Schwule Royals gibt es viele – geoutet haben sich jedoch nur wenige. Der Leidensweg DIESES Prinzen berührt viele und gibt Hoffnung.

Nur die wenigsten homosexuellen Royals outen sich. Ein Prinz berichtet von seinem Leidensweg. Bild: picture alliance/Ina Fassbender/dpa

Sie sind noch immer eine Minderheit: Royals, die sich als geoutet haben. Ein paar haben sich jedoch getraut. Dazu zählt auch der indische Prinz Manvendra Singh Gohil. Doch bis zu seinem Coming-out war es ein steiniger Weg. Denn in seiner Familie war Homosexualität ein Tabu-Thema. Sie erwarteten von ihm, dass er heiraten und eine Familie gründen würde. Deswegen arrangierten seine Eltern für ihn 1991 die Ehe mit Prinzessin Chandrika.

"Ich dachte, dass nach der Heirat alles in Ordnung sein wird, dass ich mit einer Frau Kinder bekommen und ,normal' werden und meinen Frieden finden würde. Ich habe gekämpft und mich bemüht, ,normal' zu sein", erinnerte sich der Inder im Gespräch mit Talkshow-Legende Oprah Winfrey. Seine Gefühle gegenüber Männern konnte sich der Prinz nämlich nicht erklären.

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Nervenzusammenbruch führt zum Coming-Out

Doch seine Neigung ging nicht einfach weg. Die Ehe wurde nie vollzogen und schon ein Jahr später kam es zur Scheidung. Prinzessin Chandrika war am Boden zerstört und den Prinzen plagten schlimme Schuldgefühle. Er fühlte sich zwischen den Erwartungen der Familie und seinen eigenen Wünschen hin- und hergerissen. "Es war schwierig, in meiner Familie schwul zu sein. Die Dorfbewohner verehren uns und wir sind Vorbilder für sie", erinnerte sich der Royal.

2002 erlitt Prinz Manvendra schließlich einen Nervenzusammenbruch und kam ins Krankenhaus. Ein Arzt klärte seine Familie schließlich über seine Homosexualität auf. Doch auch eine Therapie konnte ihn nicht "heilen".

2005 outete sich der Prinz, damals bereits 40 Jahre alt, schließlich gegenüber einer Journalistin als schwul. Er war der erste Royal überhaupt, der sich zu seiner Homosexualität bekannte. Obwohl sein Geständnis wie ein Befreiungsschlag war, bekam er auch die Schattenseiten zu spüren. Laut Paragraf 337 des indischen Strafgesetzbuches stand Homosexualität damals noch unter Strafe. Es gab keinerlei Akzeptanz für Männer, die Männer lieben. Der Adelsspross wurde überall verspottet und beleidigt. Fotos von ihm wurden sogar auf der Straße verbrannt. Seine Familie beschuldigte ihn, Schande über die Familie gebracht zu haben verleugnete ihn daraufhin. Prinz Manvendra ging durch die Hölle.

Prinz öffnet Zuflucht für Verstoßene

Doch er ließ sich nicht unterkriegen. Er gründete die Wohltätigkeitsorganisation "Lakshya Trust", die sich für die Prävention von HIV / Aids einsetzt. 2007 sprach der indische Adlige in der Talkshow von Oprah Winfrey über sein Martyrium. "Ich wusste, dass sie mich niemals so akzeptieren würden, wie ich wirklich bin, aber ich wusste auch, dass ich keine Lüge mehr leben konnte", erklärte er. Heute hat er wieder Kontakt mit seiner Familie. Auch in seiner Heimat wird er mehr und mehr akzeptiert.

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Doch andere haben nicht so viel Glück. 2018 öffnete Prinz Manvendra deswegen seinen Palast für schutzbedürftigen Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuelle, die von ihren Angehörigen verstoßen wurden. Das Grundstück wurde ihm von seinem Vater überlassen. "Ich werde keine Kinder haben. Warum sollte ich den ganzen Platz nicht für einen guten Zweck nutzen?", erklärte de LGBT-Aktivist. "Ich will den betroffenen Menschen eine Heimat geben."

AH/add/news.de

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