11.10.2019, 12.41 Uhr

Frau und Kind in Köln durch Glukose-Mittel gestorben: Ermittlungen gegen Apotheken-Mitarbeiter nach 2 Todesfällen

Eine Mutter und ihr Säugling kommen durch einen Routine-Test auf Diabetes ums Leben. Schuld ist ein Giftstoff, der in einem Mittel aus einer Kölner Apotheke gefunden wurde. Noch stehen die Ermittler vor vielen offenen Fragen.

Polizei und Stadt Köln warnen vor der Einnahme von Glukose-Präparaten aus der betroffenen Apotheke. Bild: dpa

Die Ermittlungen zum Tod einer Mutter und ihres Babys durch einen Giftstoff aus einer Kölner Apotheke gehen weiter. "Wir versichern, dass wir alles daran setzen werden, diese Ereignisse aufzuklären. Da arbeiten wir mit Hochdruck dran", sagte der Leiter der Kriminalinspektion, Andreas Koch, am Dienstag in Köln.

Eine 28-jährige Kölnerin war nach Angaben der Polizei an "multiplem Organversagen" gestorben, nachdem sie eine Glukose-Mischung aus einer Kölner Apotheke zu sich genommen hatte, die Teil eines Routine-Tests auf Diabetes in der Schwangerschaft gewesen sei. Auch das ungeborene Baby, das man noch durch einen Kaiserschnitt zu retten versuchte, kam ums Leben.

Tote nach Glukosetest - Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter

Nach dem Tod zweier Menschen wegen vergifteter Glukose ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Mitarbeiter einer Kölner Apotheke wegen fahrlässiger Tötung. Das bestätigte ein Sprecher am Freitag. Zuvor hatte die "Rheinische Post" darüber berichtet.

Mordkommission ermittelt Kölner Todesfälle nach Mitteleinnahme

Eine Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen. Polizei und Stadt hatten nach Bekanntwerden des Falls am Montagabend ausdrücklich davor gewarnt, Mittel mit Glukose einzunehmen, die in der Apotheke zusammengestellt wurden. Patienten, die glukosehaltige Präparate dieser Apotheke besitzen, sollten sie nicht einnehmen und umgehend bei der nächsten Polizeiwache abgeben. Einzelne Kunden der Apotheke zeigten sich nach der Todesnachricht bestürzt. In einer Pressekonferenz teilte die zuständige Mordkommission mit, dass ein toxischer Stoff in einem Glukosebehältnis der Apotheke festgestellt worden sei.

Giftige Glukose aus Apotheke in Köln: Eventuell weiteres Material im Umlauf

Die Ermittler können nach Angaben eines Sprechers nicht ausschließen, dass weiteres giftiges Material im Umlauf ist. Bis zum Dienstag habe sich aber noch niemand gemeldet, der Glukose aus der betroffenen Apotheke zu Hause habe, so Polizeisprecher Ralf Remmert bei einer Pressekonferenz. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet, eine Mordkommission ermittelt in alle Richtungen. Bislang ist unklar, ob Fahrlässigkeit der Grund für die Verunreinigung des Mittels war oder ob jemand vorsätzlich handelte. Man habe bereits etliche Beweismittel sichergestellt und erste Zeugen befragt, sagte der Kölner Staatsanwalt Ulrich Bremer. Auch eine Obduktion des Babys soll weitere Erkenntnisse bringen.

Glukosetests werden nach Informationen der Deutschen Diabetes Gesellschaft durchgeführt, um mögliche Diabetes-Erkrankungen während einer Schwangerschaft erkennen zu können. Das Heilig-Geist-Krankenhaus, auf dessen Gelände sich die Apotheke befindet, ist nach eigenen Angaben nicht betroffen. Man beziehe keine Medikamente aus der Apotheke, sagte eine Sprecherin. Die Apotheke sei eigenständig und gehöre nicht zum Krankenhaus.

Apotheker hat keine Erklärung für Todesfälle nach Mitteleinnahme

Die zwei Todesfälle stellen den Inhaber der Apotheke nach eigenen Angaben vor ein Rätsel. "Ich bin fassungslos, ich kann es mir nicht erklären", sagte der Apothekeninhaber Till Fuxius am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Er vertraue auf die Ermittlungen der Polizei. "Dabei bin ich Zeuge nicht Beschuldigter", betonte der Apotheker.

Seine Apotheke bleibe geöffnet. Sie habe seit Jahren ihre Patienten gut versorgt und werde dies weiter tun. Selbst hergestellte Arzneimittel würden aber vorerst nicht mehr angeboten. "Das ist eine unvorstellbare persönliche Tragödie", sagte der Inhaber.

Drei Apotheken in Köln nach Todesfällen wegen Diabetes-Test vorsorglich geschlossen

Nach zwei Todesfällen durch eine vergiftete Arznei haben die Behörden die sofortige Schließung von drei Apotheken in Köln angeordnet. "Da eine Gefährdung weiterer Kunden durch von der Apotheke abgegebene Arzneimittel nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, ist die vorübergehende Schließung des gesamten Apothekenbetriebs erforderlich", teilte die Kölner Bezirksregierung mit.

Es handelt sich um die Apotheke, aus der die vergiftete Arznei stammte, sowie um zwei weitere Filialen desselben Verbundes. Am Morgen war jedoch mindestens eine der Apotheken noch geöffnet, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Staatsanwaltschaft ermittelt in alle Richtungen

Die Schließung sei nicht durch die Staatsanwaltschaft veranlasst worden, sagte Staatsanwältin Natalie Traut am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Verfahren gegen unbekannt eingeleitet; eine Mordkommission ermittelt in alle Richtungen. "Wir prüfen weiterhin alles von Fahrlässigkeit bis Vorsatz", sagte Traut.

Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien soll es sich bei dem giftigen Stoff um ein Betäubungsmittel handeln. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Stadt Köln wollten das allerdings zunächst nicht kommentieren.

Warnungen der Polizei konnten möglicherweise schon Leben retten

Polizei und Stadt hatten ausdrücklich davor gewarnt, Glukose-Präparate aus der betroffenen Apotheke einzunehmen. Diese sollten stattdessen bei der Polizei abgegeben werden - was am Dienstag auch passierte. Eine Frau, die von ihrer Frauenarztpraxis informiert worden sei, habe ein Glukose-Präparat aus der Apotheke bei der Polizei abgegeben, bestätigte die Staatsanwaltschaft.

Zuvor hatte darüber der Kölner "Express" berichtet. Das Präparat wird nun von der Rechtsmedizin untersucht. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) wollte sich am Donnerstagmittag zu den Vorfällen äußern.

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sba/news.de/dpa

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