07.09.2019, 20.09 Uhr

Delfinmassaker von Taiji: Verseuchtes Fleisch als Thunfisch auch in Deutschland?

Das Wasser färbt sich vom Blut der verletzten und getöteten Tiere  rot. Mit dem Delfin-Massaker von Taiji beginnt jedes Jahr das neue Jagdjahr. Das Fleisch wird als Thunfisch auch in Europa ausgeliefert. Erfahren Sie hier mehr!

Die japanische Jagdsaison läuft - Delfin in der Dose statt Thunfisch Bild: picture alliance/Steve Parsons/PA Wire/dpa

In Japan spricht man von einer 400 Jahre alten Tradition, die auch heuer wieder sehr blutig begangen wurde. Trotz weltweiter Proteste! Delfine werden in der Bucht von Taiji zusammengetrieben. Eine Flucht ist für die Tiere nicht mehr möglich, da die Bucht mittels Netze dicht gemacht wird. Schöne Exemplare werden aussortiert - sie landen in den Zoos und Delfinarien. Für die anderen steht ein Tod bevor, den man sich in dieser Brutalität nicht vorstellen kann.

Mit Metallrohren bestialisch ermordet

Die Walfänger von Taiji stoßen jedem einzelnen Tier mehrmals hintereinander ein Metallrohr oder eine Lanze durch den Kopf. Die Wunden werden zwar sogleich mit einem Holzstab oder Korken verschlossen, dennoch färbt das Blut das Wasser rot. Die Delfine sterben in den meisten Fällen nicht sofort: Sie verbluten innerlich oder ertrinken. Ihr Todeskampf dauert über Minuten an. Das Fleisch wird an Supermärkte verkauft und landet zumeist als Sushi auf den Tellern.

Delfinjagd - ein gutes Geschäft

Rund um die Delfinjagd hat sich ein gut florierender Handel entwickelt. Richard O'Barry, der Trainer des TV-Stars „Flipper" sprach in diesem Zusammenhang gar von einer „milliardenschweren Delfin-Industrie". Bringt es ein totes Exemplar auf rund 600 US-Dollar, so muss für ein lebendes Tier tief in die Tasche gegriffen werden: Bis zu 150.000 € legen v.a. asiatische Freizeitparks schon mal auf den Tisch. Ist möglicherweise gar ein Albino dabei, so steigert sich der Kaufpreis auf bis zu 500.000 €. Der Fänger erhält dabei für ein normales ausgewachsenes Exemplar zwischen 4-7000 €, für ein Jungtier bis zu 2500 €. Erstabnehmer ist in den meisten Fällen das städtische Walmuseum - von dort werden die Tiere weltweit weiterverkauft. Während in Deutschland derartige Delfinarien inzwischen aufgrund der großen Kritik der Tierschutzorganisationen geschlossen wurden, sind sie im asiatischen Raum so beliebt wie nie. Die Tiere werden trainiert und müssen in Shows ihr Können unter Beweis stellen. Vor allem aber das Schwimmen mit Delfinen findet immer mehr Anhänger.

Jagdsaison zwischen September und März

Während dieser sechs Monate ziehen große Schwärme der „Delfinschulen" an den japanischen Küsten vorbei. Dabei verwenden sie stets dieselben Routen. Dort warten bereits Schiffe, die unter Wasser einen lauten, hohen Ton ausstoßen, der die Orientierung der Tiere stört - sie suchen Zuflucht in den Buchten. Ob Delfin, Tümmler oder Kleinwal - die Fischer insbesondere von Taiji nehmen alles, was sich in die Bucht treiben ließ. Jedes Jahr sterben auf diese Art rund 16-20000 Tiere. Viele mehr werden misshandelt, mit Booten überfahren, verletzt, gefoltert. Delphin-Kälber, deren Mütter diese Treibjagden nicht überlebten, werden auf dem offenen Meer entsorgt. Dort sterben sie, da sie zumeist von ihren Muttertieren noch gefuttert wurden.

Giftiges Fleisch

Untersuchungen ergaben, dass das Fleisch der massakrierten Tiere zumeist hochgradig mit Quecksilber, PCB und DDT belastet ist. Die Menschen rund um Taiji weisen eine bis zu 25-fach höhere Quecksilberkonzentration im Körper als der durchschnittliche japanische Einwohner auf. Trotzdem wird nach wie vor das Fleisch der bestialisch ermordeten Tiere verkocht und gegessen. Auch in Europa landet es in Dosen verpackt, deklariert als Thunfisch. Der Rest wird als Tierfutter oder in der Düngemittelindustrie verwendet.

Richard O'Barry übrigens hat bereits 1970 die Seiten gewechselt. Er engagiert sich für die Organisation OceanCare und unterstützt Tierbefreiungsaktionen. Die Umweltorganisation Pro Wildlife hat zudem nachgewiesen, dass die erste große Delfintreibjagd erst 1969 stattfand.

US/add/news.de

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