17.09.2019, 08.10 Uhr

SUV-Unfall in Berlin-Mitte im News-Ticker : Was war der Grund? Anwalt des Fahrers gibt Stellungnahme ab 

Im Zentrum Berlins rast ein Auto über einen Gehweg hinweg in eine Baulücke. Vier Menschen sterben, darunter ein Kleinkind. Jetzt ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Tötung gegen den Fahrer des Porsche-SUV.

In Berlin-Mitte sind bei einem schweren Verkehrsunfall vier Menschen getötet worden.  Bild: dpa

Eine Woche nach dem tödlichen Autounfall in Berlin ist in einer Kirche direkt am Unfallort eine erneute Andacht für die vier Opfer geplant (Freitag, 19.00 Uhr). Die Kirche ist zudem derzeit täglich für stilles Gedenken geöffnet. Am vergangenen Wochenende direkt nach dem Unfall hatten sich dort trauernde Menschen getroffen.

Spurensuche geht weiter - Rekonstruktion des Unfalls wirft Fragen auf

Nach dem schweren Verkehrsunfall mit vier Toten und drei Schwerverletzten in Berlin-Mitte versucht die Polizei, den Hergang des Geschehens zu klären. Bis in die Nacht waren Experten der Verkehrspolizei vor Ort, um Spuren des Unfalls zu sichern. Es kam auch ein Kleinkind (3 bis 4 Jahre) ums Leben. Die Spuren sollen dann - gegebenenfalls auch in einem 3-D-Modell - zusammengeführt werden. So wolle man die Fahrt des Autos rekonstruieren und klären, ob es sich möglicherweise überschlagen habe. Zunächst war noch vieles unklar.

Schwerer Autounfall in Berlin-Mitte: Porsche rast vier Menschen tot

Am Freitagabend gegen 19.00 Uhr war an der Ecke Invalidenstraße und Ackerstraße ein Porsche über einen Gehweg und durch einen Bauzaun in ein Baugrundstück gerast. Ein Polizeisprecher ging nach jüngstem Erkenntnisstand davon aus, dass die Todesopfer Passanten gewesen seien und die drei Verletzten im Fahrzeug gesessen hätten.

Zunächst stand die Frage im Raum, ob es sich um eine vorsätzliche Tat gehandelt habe. Es deute jedoch alles auf einen Verkehrsunfall hin, sagte der Polizeisprecher.

"Ein Bild des Schreckens": Mutter verliert Kind bei Horror-Unfall

Den Hilfskräften, die im Großaufgebot zum Unfallort kamen, bot sich ein Bild des Schreckens: Das schwarze Autowrack zerfetzt auf dem Grundstück, davor auf dem Gehweg vier sehr schwer verletzte Menschen. Die Versuche, sie zu reanimieren, blieben erfolglos. Überlebt hat die Mutter des getöteten Kleinkindes. "Sie war - zumindest körperlich - unversehrt und hatte ein weiteres Kind dabei, das auch nicht weiter verletzt wurde", berichtete ein Feuerwehrsprecher.

Unfall-Fahrer schwer verletzt im Krankenhaus

Der Fahrer des Autos sei schwer verletzt zur stationären Behandlung ins Krankenhaus gekommen. Wie ein Feuerwehrsprecher berichtete, konnte er aber noch mitteilen, dass ein Kind im Wagen gesessen habe. Dieses wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht. Wie viele Menschen genau in dem Wagen saßen, war zunächst aber nicht geklärt.

Horror-Unfall in Berlin-Mitte im News-Ticker

  • vier Menschen tot nach SUV-Unfall
  • Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet
  • Hatte der Porsche-Fahrer einen epileptischen Anfall?

+++ 17.09.2019: Tödlicher SUV-Unfall in Berlin - Fahrer-Anwalt gibt Stellungnahme ab +++

Nach dem SUV-Unfall mit vier Toten in Berlin hat der Anwalt des Fahrers der Berliner Staatsanwaltschaft einem Bericht zufolge eine erste Stellungnahme vorgelegt. "Die Hinweise und Spekulationen, wie sie von Anfang an bestanden, haben sich derzeit weiter konkretisiert", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montagabend der RBB-Abendschau. Der Anwalt habe in dem Schreiben "in der Tat bestätigt, dass eine akute gesundheitliche Problematik Ursache des Unfall gewesen sein könnte".

Die Beifahrerin hatte der Polizei nach dem Unfall einen Hinweis auf einen möglichen epileptischen Anfall des Fahrers gegeben. Die Polizei durchsuchte am Freitag in dem Zusammenhang die Wohnung des Fahrers und stellte Beweismittel sicher. Die "Bild" hatte darüber berichtet. Ob die Staatsanwaltschaft Medikamente oder auch Computer und Handys beschlagnahmte, wurde nicht gesagt. Gegen den Fahrer wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Am 6. September war das Auto an einer Kreuzung in Berlin über die Gegenfahrbahn hinweg von der Straße abgekommen. Der SUV rammte eine Ampel, überfuhr vier Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun. Unter den vier Todesopfern war auch ein dreijähriger Junge.

+++ 16.09.2019: Tödlicher SUV-Unfall in Berlin: Wohnung des Fahrers durchsucht +++

Nach dem Aufsehen erregenden tödlichen Autounfall mit einem SUV in Berlin ist die Wohnung des Fahrers von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Die Durchsuchung erfolgte bereits am Freitag, wie eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft am Montag sagte. "Dabei wurden Beweismittel sichergestellt. Sie müssen jetzt ausgewertet werden." Die "Bild"-Zeitung hatte darüber berichtet.

Die Durchsuchung hängt den Angaben zufolge damit zusammen, dass eine Beifahrerin nach dem Unfall gesagt hatte, der Fahrer habe am Steuer einen epileptischen Anfall erlitten. An die Patientenakte des Mannes kommt die Polizei aber nicht heran, weil für die Akte wegen der ärztlichen Schweigepflicht ein sogenanntes Beschlagnahmeverbot gilt. Der Fahrer, gegen den wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird, könnte die Akte freigeben - was er aber bisher aber nicht getan hat.

Am 6. September war das Auto an einer Kreuzung in Berlin über die Gegenfahrbahn hinweg von der Straße abgekommen. Der SUV rammte eine Ampel, überfuhr vier Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun. Unter den vier Todesopfern war auch ein dreijähriger Junge.

+++ 11.09.2019: Polizei wertet Zeugenaussagen zu Unfall aus - keine weiteren Videos +++

 Nach dem Autounfall mit vier Toten in der Berliner Innenstadt wertet die Polizei weiter Zeugenaussagen aus. Es seien Hinweise bei der Polizei eingegangen, denen jetzt nachgegangen werde, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Wie viele Zeugen sich gemeldet hätten, war nicht bekannt. Auch direkt nach dem Unfall am Freitagabend hätten Zeugen des Geschehens mit der Polizei gesprochen, so die Sprecherin. Deren Aussagen seien oft nur kurz notiert worden, daher würden die Beobachter nun "gründlich nachvernommen".

Auch das bereits bekannte Video, das aus einer Kamera in einem Taxi stammt und den Unfallwagen kurz vor dem Aufprall zeigt, werde ausgewertet. Weitere Filme oder Fotos seien bisher nicht bei der Polizei eingegangen, sagte die Sprecherin.

Am Freitagabend fuhr der Porsche Macan des 42-Jährigen, der laut Polizei in Berlin gemeldet ist, auf der Gegenfahrbahn an wartenden Autos vorbei und kam dann von der Straße ab. Der SUV rammte eine Ampel, überfuhr die vier Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun.

Unter den Opfern befanden sich ein dreijähriger Junge und seine Großmutter. Diese soll nach Medienberichten aus Hessen stammen und zu Besuch gewesen sein. Die Mutter des Kindes stand daneben und blieb unverletzt. Die beiden weiteren Todesopfer sollen zwei junge Männer aus Spanien und Großbritannien sein. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Herkunft der Opfer nicht.

+++ 11.09.2019: Augenzeugin behauptet: Unfallfahrer hatte Krampfanfall am Steuer +++

Nach dem tödlichen Crash in Berlin-Mitte, bei dem am Wochenende vier Menschen ums Leben kamen, wird ein "medizinischer Notfall" als Unfallursache immer wahrscheinlicher. Im "Tagesspiegel" wird unter Berufung auf Informationen aus Polizeikreisen berichtet, der 42-jährige Fahrer des Unfallwagens habe kurz zuvor Medikamente gegen Epilepsie eingenommen. Die Mutter des Unfallfahrers, die zum Zeitpunkt des Crashs als Beifahrerin im SUV saß, soll dem Verkehrsunfallkommando gegenüber geäußert haben, ihr Sohn habe während der Fahrt einen Beinkrampf erlitten und aus diesem Grund Vollgas gegeben. Ob diese Schilderung der tatsächliche Auslöser für den Todes-Unfall war, ist von offizieller Seite noch nicht bestätigt worden.

+++ 10.09.2019: Kann man mit Epilepsie Auto fahren? Das sind die Richtlinien für Patienten +++

Nach einem schweren Unfall mit vier Toten in Berlin gibt es Hinweise auf einen möglichen medizinischen Notfall des Fahrers. Der 42-jährige Mann könnte nach ersten Erkenntnissen einen epileptischen Anfall am Steuer erlitten haben. Für Epilepsie-Patienten hat die Bundesanstalt für Straßenwesen 2009 feste Richtlinien aufgestellt. Dazu gehören:

FAHRSCHULE: Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen fragen viele Straßenverkehrsbehörden im Antragsformular für einen Führerschein nach chronischen Krankheiten. Epileptiker sollten wahrheitsgemäß antworten und am besten ein Attest eines Facharztes beilegen. Die Behörden entscheiden dann, ob ein weiteres Gutachten erforderlich ist.

ERSTER ANFALL: Nach einem ersten epileptischen Anfall muss ein Arzt feststellen, ob es ein Gelegenheitsanfall war oder ob es sich um eine beginnende Epilepsie handelt.

ANFÄLLE OHNE ANZEICHEN FÜR BEGINNENDE EPILEPSIE: Bei einem ersten Anfall mit einem konkreten Auslöser - wie beispielsweise ausgeprägtem Schlafentzug - wird der Führerschein für mindestens drei Monate entzogen. Wenn es für den Anfall keinen solchen vermeidbaren Auslöser gibt, aber auch keine Anzeichen für Epilepsie vorliegen, wird die Fahrerlaubnis für mindestens sechs Monate entzogen.

EPILEPSIE: In der Regel dürfen Epileptiker nicht am Steuer eines Autos sitzen. Ausnahmen: mindestens ein Jahr ohne Anfall, auch bei Medikamenteneinnahme - und keine Nebenwirkungen von Therapien, die Probleme beim Fahren machen könnten. Wenn die Anfälle nur im Schlaf auftreten oder keine Einschränkungen für das Autofahren mit sich bringen, kann eine Fahrerlaubnis erteilt werden - allerdings erst nach einer längeren Beobachtungszeit.

+++ 10.09.2019: Polizei nach SUV-Unfall: Genauer Ablauf weiterhin unklar +++

Vier Tage nach dem schweren Autounfall mit vier Toten in Berlin-Mitte hat die Polizei auch am Dienstag alles daran gesetzt, den genauen Ablauf und die Schuldfrage zu klären. "Der genaue Unfallhergang ist weiterhin unklar", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Die Polizei schaltete ein Portal im Internet frei, über das Fotos, Videos und Hinweise online geschickt werden können (https://be.hinweisportal.de).

Am Freitagabend war ein Porsche Macan auf die Gegenfahrbahn geraten und dann von der Straße abgekommen. Der SUV rammte eine Ampel, überfuhr die vier Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun. Unter den Opfern befand sich ein dreijähriger Junge. Nach dem Unfall gab es einen Hinweis eines Zeugen, dass der 42-jährige Fahrer am Steuer einen epileptischen Anfall erlitten haben soll - und dass er an dem Tag entsprechende Medikamente eingenommen habe.

Ob das tatsächlich so war, ist weiter unklar. Die Polizei wollte die Krankenakte des Mannes beschlagnahmen. Die für Auskünfte zuständige Pressestelle der Generalstaatsanwaltschaft war am Dienstag nicht zu erreichen. In der Regel dürfen Epileptiker nicht Autofahren. Ausnahmen gibt es unter Umständen, wenn sie mindestens ein Jahr ohne Anfall waren.

Bisher ist ein Video bekannt, dass das Unfallauto zeigen soll. Zu sehen ist, wie der Wagen auf der Gegenfahrbahn fährt, vorbei an den auf der rechten Spur wartenden Autos. Anschließend fährt er geradeaus auf den Gehweg an der Kreuzung zu, wo Menschen stehen.

Auch am Dienstag legten Menschen Blumen an der Unfallstelle an der Kreuzung Invalidenstraße und Ackerstraße in Berlin-Mitte nieder. Die St. Elisabeth-Kirche, die direkt am Unfallort liegt, soll von Donnerstag bis Sonntag wieder zum stillen Gedenken öffnen. Am Freitagabend ist eine Andacht für die Unfallopfer geplant. Die Kirche war schon am Wochenende ein Rückzugsort für trauernde Menschen.

Im Internet behaupteten einige Schreiber, der Fahrer des Unfallwagens sei Marokkaner. "Terroranschlag?", fragte ein Mann. Nach Auskunft der Polizei ist der Fahrer Deutscher. Er sei auch nicht marokkanischer Herkunft, sondern habe einen typischen deutschen Vornamen.

Der Unfall entfachte eine Debatte über Sportgeländewagen (SUV, englisch: Sport Utility Vehicle) in Innenstädten. Grünen-Politiker, die Deutsche Umwelthilfe und alternative Verkehrs- und Fußgänger-Verbände forderten Einschränkungen. Nach Einschätzung von Experten aus der Unfallforschung und der Polizei gab es aber keine Hinweise dafür, dass der Unfall mit einem anderen Auto anders verlaufen wäre. Viele Limousinen sind genauso schwer und schnell wie das Unfallauto.

Eine Werbeanzeige für einen Mercedes-Sportgeländewagen wurde inzwischen von Daimler gestoppt, wie ein Sprecher bestätigte. Mit dem Slogan "Sie jagen gern Abenteuer in der Großstadt?", hatte der Autokonzern geworben. Der frühere Tech-Blogger Sascha Pallenberg, der inzwischen für Daimler arbeitet, schrieb auf Twitter, der Slogan sei bereits vor Monaten entworfen worden. "Es war zu keiner Zeit unsere Absicht, damit Gefühle zu verletzen. Angesichts des tragischen Unfalls in Berlin haben wir uns entschlossen, diesen nicht weiter zu nutzen."

+++ 09.09.2019: Spekulationen um Unfallursache: Hatte der SUV-Fahrer einen epileptischen Anfall? +++

Nach dem schweren Unfall mit vier Toten in der Berliner Innenstadt verdichten sich die Hinweise auf ein medizinisches Problem des Fahrers als Ursache. Das war am Montag aus Ermittlerkreisen zu erfahren. Ob der 42-jährige Mann möglicherweise am Steuer einen Zusammenbruch oder einen epileptischen Anfall erlitten haben könnte, will die Polizei mit Hilfe der Krankenakte des Fahrers klären. Dazu muss die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahmung der Akte in die Wege leiten. Ob das am Montag bereits geschehen war, stand noch nicht fest. Auch die Ergebnisse der Untersuchung einer Blutprobe stehen noch aus.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte am Rand des Innenausschusses nur: "Wir schließen nach wie vor definitiv medizinische Gründe nicht aus." Sprecher der Polizei erklärten, direkt nach dem Unfall habe es einen ersten Hinweis in diese Richtung gegeben. Die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht äußern. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft werden wie üblich bei derartigen Unfällen wegen fahrlässiger Tötung geführt.

+++ 09.09.2019: Verkehrsministerium: Ursache des schweren SUV-Unfalls klären +++

Das Bundesverkehrsministerium sieht nach dem schweren Unfall mit einem Sportgeländewagen (SUV) in Berlin die Priorität auf der Klärung der konkreten Hintergründe. Es sei wichtig, die Ursachen des Unfalls zu ermitteln, sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin. Sie sprach den Angehörigen der Toten ihr Beileid aus. Das Ministerium wolle sich daher nicht an politischen Debatten beteiligen.

In Berlin war ein schwerer SUV am Freitag von der Straße abgekommen und verletzte vier Fußgänger an einer Ampel tödlich, darunter einen Dreijährigen. Dies hat eine Debatte über Beschränkungen der schweren Fahrzeuge in Innenstädten ausgelöst.

+++ 09.09.2019: FDP kritisiert Instrumentalisierung von SUV-Unfall +++

Die FDP hat die nach dem schweren Unfall mit einem Sportgeländewagen (SUV) in Berlin begonnene Debatte über Beschränkungen für die schweren Fahrzeuge kritisiert. Verkehrsexperte Oliver Luksic wandte sich mit Blick auf Äußerungen unter anderem der Grünen gegen eine "emotionslose Instrumentalisierung einer Tragödie für politische Zwecke". Es komme auf den Fahrer an, nicht auf das Auto, sagte Luksic am Montag der Deutschen Presse-Agentur. "Ein Tesla S ist schwerer als ein Porsche Macan und beschleunigt mindestens genauso schnell. Fordern die Grünen ein Verbot für E-Autos?"

In Berlin war ein Porsche Macan am Freitag von der Straße abgekommen und verletzte vier Fußgänger an einer Ampel tödlich, darunter einen Dreijährigen. Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), hatte am Wochenende gesagt: "Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt." Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sagte dem "Tagesspiegel" (Montag): "Wir brauchen eine Obergrenze für große SUV in den Innenstädten."

+++ 09.09.2019: Grünen-Umweltexperte: Obergrenze für große SUV in den Innenstädten +++

Nach dem für vier Menschen tödlichen Unfall in Berlin fordern die Grünen Regelungen, um große Sportgeländewagen (SUV) aus Innenstädten verstärkt herauszuhalten. "Wir brauchen eine Obergrenze für große SUV in den Innenstädten", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, dem "Tagesspiegel" (Montag). "Am besten wäre eine bundesrechtliche Regelung, die es Kommunen erlaubt, bestimmte Größenbegrenzungen zu erlassen."

In diesem Jahr würden nach Branchenschätzungen erstmals über eine Million der geländegängigen Limousinen - sogenannte Sport Utility Vehicle (SUV) - in Deutschland neu zugelassen, schreibt die Zeitung. Der Marktanteil werde auf rund ein Drittel steigen. Der Verkehrs- und Umweltexperte Krischer sagte: "Die Autos brauchen immer breitere Parkplätze in Städten, wo der Raum immer knapper wird. Sie sind eine Gefahr gerade für Fußgänger und Radfahrer." Es brauche dringend eine Debatte, "wie groß die Autos denn noch werden sollen, die in unseren Innenstädten rumfahren".

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, forderte im "Tagesspiegel" rasch umsetzbare Maßnahmen gegen SUV: Entweder eine City-Maut, die die Einfahrt in Städte für große, schwere Wagen sehr teuer mache - oder ein Parkverbot beziehungsweise deutlich erhöhte SUV-Parkgebühren in Städten.

Der Unfall in Berlin hatte am Wochenende umgehend eine politische Debatte über SUV-Autos in Städten angefacht. Ein solcher hochmotorisierter Wagen war am Freitagabend im Zentrum der Hauptstadt von der Straße abgekommen und hatte vier Fußgänger tödlich verletzt, darunter einen dreijährigen Jungen. Die Polizei machte am Sonntag noch keine näheren Angaben, wie es zu dem Unfall kommen konnte.

SUV sind bei Autokäufern in Deutschland zunehmend beliebt, obwohl sie von Kritikern als besonders umweltschädlich bezeichnet werden. Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), sagte am Wochenende: "Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt." Jeder Fahrfehler bedeute Lebensgefahr für Unschuldige. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) reagierte zurückhaltender: "Wir müssen analysieren, wie es zu diesem schrecklichen Unfall kommen konnte, bevor wir Konsequenzen ziehen können."

"Man kann nicht einfach sagen: SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart", sagte der Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft indes der Deutschen Presse-Agentur. Mehr Einfluss als das Gewicht hätten Geschwindigkeit und Art des Zusammenstoßes. Im Berliner Fall hätte aber der Ampelmast einen Polo möglicherweise abgehalten.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sprach sich bei einem Talk der "Bild"-Zeitung gegen ein Verbot dieser Geländewagen aus. SUVs sollten aber durch Steuern wesentlich teurer werden, sagte sie am Montag: "Die Frage, was es kostet, ist viel entscheidender als ein Verbot." Sie wünsche sich eine "vernünftige Gleichberechtigung zwischen Fahrradverkehr, Fußverkehr und Autos». Göring-Eckardt forderte "Vorfahrt für diejenigen, die vernünftig fahren: die elektrisch fahren und die ohne CO2 fahren".

Der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor sagte bei "Bild": "Dieser Unfall schockiert. Er zeigt das Gefährdungspotential. Aber ich würde keine Verbotsdebatte lostreten." Der rechtliche Rahmen sei durch die Straßenverkehrsordnung bereits gesetzt.

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