09.08.2019, 16.04 Uhr

Georgine Krüger vermisst: Angeklagter schweigt im Mordprozess - Mutter von Mordopfer sagt aus

Seit 13 Jahren fehlt von Georgine Krüger jede Spur. Während die Schülerin verschwunden bleibt, hat die Polizei einen Tatverdächtigen. Nun läuft der Prozess gegen den augenscheinlichen Vergewaltiger und Mörder, der die Tat weiterhin bestreitet.

Auch 13 Jahre nach ihrem Verschwinden gibt es von Georgine Krüger keine Spur. (Archivbild) Bild: picture alliance/Bernd Settnik/zb/dpa

Seit dem 25. September 2006 ist die Schülerin Georgine Krüger aus Berlin spurlos verschwunden. Ermittler sind sicher, dass sie getötet wurde. Nun kommt der mutmaßliche Mörder vor Gericht.

Georgine Krüger vermisst: Einziger Verdächtiger ist ein vorverurteilter Sexualstraftäter

Fast 13 Jahre nach dem rätselhaften Verschwinden einer Berliner Schülerin beginnt an diesem Mittwoch der Mordprozess gegen einen 44-Jährigen. Dem Verdächtigen wird zur Last gelegt, die damals 14-jährige Georgine Krüger vergewaltigt und erwürgt zu haben. Ihre Leiche wurde nie gefunden.

Das Verschwinden von Georgine Krüger war über Jahre einer der bekanntesten Vermisstenfälle in Deutschland. Erst 2017 geriet der Verdächtige durch Funkzellenauswertungen und verdeckte Ermittlungen in den Fokus der Ermittler. Der Familienvater aus der Nachbarschaft war bereits 2013 wegen sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden.

Georgine Krüger seit 13 Jahren verschwunden - Mordverdächtiger bestreitet Tatvorwürfe

Der mutmaßliche Mörder sitzt seit Dezember 2018 in Untersuchungshaft. Dem Landgericht Berlin zufolge soll er bei der Polizei die Vorwürfe bestritten haben. Vorgesehen sind zunächst 25 Verhandlungstage bis zum 1. November.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Mann das Mädchen im September 2006 auf dem Heimweg von der Schule abgepasst und mit einem Vorwand in einen Keller seiner Wohnung in Berlin-Moabit gelockt haben. Dort habe er das Mädchen bewusstlos geschlagen und vergewaltigt. Aus Angst davor, entdeckt zu werden, habe er Georgine getötet und an einen unbekannten Ort gebracht.

+++ 09.08.2019:Georgines Mutter im Mordprozess: Kannte Verdächtigen vom Sehen +++

Die Mutter der verschwundenen Berliner Schülerin Georgine hat im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter ausgesagt. Das Verschwinden von Georgine vor fast 13 Jahren sei ein Schicksalsschlag, der die ganze Familie verändert habe, so die 55-Jährige. Sie selbst sei durch den Schock erkrankt und leide bis heute unter massiven psychischen Problemen. Auch ihr Sohn sei "seelisch kaputt". Sie habe in all den Jahren kontinuierlich Kontakt zur Polizei gehalten und nie die Hoffnung aufgegeben, dass ihre Tochter noch am Leben sei.

Vor dem Berliner Landgericht muss sich ein 44-Jähriger verantworten. Ihm wird zur Last gelegt, im September 2006 das damals 14-jährige Mädchen in einen Keller seiner Moabiter Wohnung gelockt, vergewaltigt und erwürgt zu haben. Die Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

Das rätselhafte Wegbleiben von Georgine war über Jahre einer der bekanntesten Vermisstenfälle in Deutschland. Erst 2017 waren Kriminalisten durch Funkzellenauswertungen und verdeckte Ermittlungen auf den angeklagten Deutschen mit türkischen Wurzeln gekommen. Ihm wird Mord zur Verdeckung einer anderen Straftat und schwere Vergewaltigung zur Last gelegt. Der seit Dezember 2018 inhaftierte Mann soll gegenüber einem verdeckten Ermittler Täterwissen offenbart haben. Im Prozess verweigerte er die Aussage.

Ihr letzter gemeinsamer Tag mit Georgine sei ein Sonntag gewesen, so die Mutter. "Sie war guter Stimmung." Damals war ihre Tochter ein Berliner Teenager von 14 Jahren. Ein Mädchen, das "mal fröhlich und mal bedrückt war".

Die in schwarz gekleidete Mutter sieht kurz zu dem mutmaßlichen Mörder ihres Kindes auf der gegenüberliegenden Seite des Gerichtssaales. "Ich kannte ihn vom Sehen", sagt sie. Die 55-Jährige wirkt angespannt und auch müde. Ihre Antworten fallen kurz aus. "Ich habe Georgine gesucht." Ob sie noch immer hoffe, dass ihre Tochter lebt? "Ja", haucht die Mutter. Auch wenn es nichts Reales gebe, das die Hoffnung bestätige.

Was war Georgine für ein Mädchen? "Ganz normal, sie war mitten in der Pubertät", erinnert sich die Mutter, die damals im Drei-Schicht-System arbeitete. "Natürlich gab es Reibereien zu Hause." Georgine habe Model oder Schauspielerin werden wollen. Eine Casting-Agentur habe sich gemeldet. "Darüber war sie glücklich." Ihr habe die Art, wie sich ihre Tochter kleidete, nicht immer gefallen. Das Mädchen sei aber nie ohne Absprache weggeblieben. "Sie war zuverlässig." Im Haushalt hätten zudem ihre jüngere Tochter und die Großmutter der Kinder gelebt.

+++ 08.08.2019: Prozess um verschwundene Georgine - Mutter im Gerichtssaal +++

Die Mutter der seit knapp 13 Jahren vermissten Schülerin Georgine Krüger hat dem mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter am Donnerstag erstmals im Gerichtssaal gegenüber gesessen. Am dritten Verhandlungstag vor dem Berliner Landgericht erschien die Frau, die als Nebenklägerin am Prozess beteiligt ist, in Begleitung ihrer zwei weiteren Kinder. Der 35-jährige Sohn sagte als Zeuge, er habe immer gehofft, dass Georgine "irgendwann wieder auftaucht". Ihr spurloses Verschwinden habe ihn sehr mitgenommen. Die Befragung der Mutter in dem Prozess wegen Mordes und schwerer Vergewaltigung ist für diesen Freitag vorgesehen.

Der 44-jährige Angeklagte soll die Schülerin im September 2006 auf dem Heimweg von der Schule abgepasst und in den Keller seiner Wohnung in Berlin-Moabit gelockt haben. Dort soll er das damals 14-jährige Mädchen bewusstlos geschlagen, vergewaltigt und aus Angst vor einer Anzeige erwürgt haben. Die Leiche von Georgine wurde nie gefunden. Der Angeklagte soll gegenüber einem verdeckten Ermittler erklärt haben, dass er sie in einem Müllcontainer auf dem Hof seines Hauses "entsorgt" habe. Nach seiner Festnahme Ende 2018 wies der Deutsche mit türkischen Wurzeln die Vorwürfe zurück. Vor Gericht schwieg er.

Das rätselhafte Verschwinden von Georgine war über Jahre einer der bekanntesten Vermisstenfälle in Deutschland. Erst 2016 war der 44-Jährige ins Visier der Ermittler geraten. Der Familienvater aus der Nachbarschaft der vermissten Schülerin war 2013 wegen sexueller Nötigung einer Jugendlichen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zu der Tat war es in seinem Keller gekommen. Durch Funkzellenauswertungen und verdeckte Ermittlungen habe sich der Verdacht gegen ihn erhärtet, sagte ein Hauptkommissar im Prozess.

+++ 07.08.2019: Schülerin seit fast 13 Jahren vermisst - Mordverdächtiger schweigt +++

Es sind 16 Minuten, in denen sich das Schicksal der Berliner Schülerin Georgine Krüger entschieden haben muss. Am 25. September 2006 stieg sie nach der Schule um 13.50 Uhr aus dem Bus, keine 200 Meter von ihrer Wohnung im Stadtteil Moabit entfernt, wie ein damaliger Ermittler am Mittwoch im Prozess um den mutmaßlichen Mord an der 14-Jährigen schildert.

Zu Hause kam Georgine nie an. Um 14.06 Uhr war ihr Handy das letzte Mal in der nahen Funkzelle eingeloggt. "Dazwischen muss irgendetwas passiert sein, was keiner beobachtet hat", sagt der 56-jährige Hauptkommissar als Zeuge vor dem Landgericht in der Hauptstadt. Das spurlose Verschwinden von Georgine war über Jahre einer der bekanntesten Vermisstenfälle in Deutschland.

Auf der Anklagebank sitzt nun ein Deutscher mit türkischen Wurzeln. Der mutmaßliche Mörder schweigt am zweiten Prozesstag. "Der Angeklagte wird sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht äußern", sagt sein Verteidiger. Hinter Panzerglas hört der Familienvater aus der Nachbarschaft des verschwundenen Mädchens konzentriert zu. Er war bereits 2013 wegen sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Der 44-Jährige soll Georgine in einen Keller seiner Wohnung gelockt, vergewaltigt und erwürgt haben. Der Angeklagte habe die arglose Schülerin mit einem Metallgegenstand geschlagen, bis sie bewusstlos auf dem Boden liegen blieb, trägt Staatsanwältin Ilka von Koppenfels nüchtern die Anklage vor. Dann habe er sich an ihr vergangen. Um eine Anzeige des Mädchens zu verhindern, habe der Mann Georgine getötet. Die Leiche wurde nie gefunden.

Anfangs sei treppauf, treppab, von Haustür zu Haustür nach dem Mädchen gesucht worden, so der Kommissar. Georgine galt als zuverlässig. Keller seien auf freiwilliger Basis kontrolliert worden. Laut Staatsanwältin soll der Keller des Angeklagten, der in derselben Straße wie Georgine wohnte, nicht dabei gewesen sein. Erst 2016 geriet der Mann ins Visier der Ermittler im Fall Georgine. Dann wurden verdeckte Ermittler eingesetzt. Der Angeklagte sitzt seit Dezember 2018 in Untersuchungshaft.

Bei den intensiven Ermittlungen wurden auch Sexualstraftäter überprüft. In der Umgebung des mutmaßlichen Tatorts seien es 150 gewesen, so der Polizei-Zeuge. "Aber wir hatten nicht viel in der Hand."

Anwalt Roland Weber, der die Mutter des Mädchens als Nebenklägerin vertritt, meint am Rande, bislang gebe es keine objektiven Beweise, die Anklage beruhe auf den Aufzeichnungen eines verdeckten Ermittlers, dem der Angeklagte von dem Mord berichtet habe. Die spannende Frage sei, warum sich der Verdächtige gegenüber dem verkabelten Ermittler, der über Monate ein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben soll, zu Georgine äußerte und ob es stimmt. Wollte er sich wichtig tun? Wurde er durch den V-Mann gefragt, ob er für 100 000 Euro einen Mord begehen würde und ob er mit der Tötung eines Menschen Erfahrung habe?

Der Angeklagte soll seinem vermeintlichen Freund auch erzählt haben, dass er Georgine in einem Müllcontainer auf dem Hof des Hauses "entsorgt" habe. Bei der Polizei soll der Angeklagte den Mord bestritten haben.

Die Mutter des Mädchens ist am Mittwoch nicht im Gericht. Anwalt Weber sagt: "Frau Krüger kommt erstmal nicht. Die Belastung ist einfach zu groß." Über Jahre habe die Mutter eine Resthoffnung gehabt, dass ihre Tochter noch lebt. Nun seien sich die Ermittler sicher, dass Georgine Opfer eines Verbrechens wurde.

Indes wird im Saal 700 das Leben der 14-Jährigen aufgerollt. Der Hauptkommissar, der damals ermittelte, schildert Georgine nach Befragungen von Menschen aus ihrem Umkreis als offenherzig, kontaktfreudig sowie naiv und ohne Risikobewusstsein. Ihr großer Traum sei eine Karriere als Model oder Schauspielerin gewesen. Am Tag ihres Verschwindens habe sie bei einer Casting-Agentur eine kleine Rolle in der Serie "Türkisch für Anfänger" zusagen wollen. "Dieser Anruf hat nie stattgefunden."

+++ 31.07.2019: Schülerin Georgine Krüger seit knapp 13 Jahren vermisst - Mordprozess unterbrochen +++

Kurz nach dem Auftakt ist am Mittwoch der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Berliner Schülerin Georgine Krüger am Landgericht der Hauptstadt unterbrochen worden. Die Verteidigung hat die Besetzung des Gerichts gerügt. Das Mädchen aus Berlin wird seit knapp 13 Jahren vermisst. Die Leiche von Georgine wurde nie gefunden. Der Prozess soll nun am 7. August fortgesetzt werden.

Mordprozess im Fall Georgine Krüger: Angehörige erhoffen sich Klarheit

Die Mutter des Mädchens ist in dem Prozess Nebenklägerin. Sie ließ der Deutschen Presse-Agentur über ihren Anwalt Roland Weber mitteilen, sie hoffe auf Klarheit. Sie erwarte die Aussagen der verdeckten Ermittler mit Spannung. Es gebe keine Spuren zu ihrer Tochter, ließ Frau Krüger mitteilen. Ihren Vornamen möchte sie der Öffentlichkeit bislang nicht nennen. "Insgesamt ist das Ganze für mich sehr belastend", ließ sie übermitteln.

Vermisstenfall Georgine Krüger erinnert an den Fall Rebecca Reusch

Rätsel gibt der Polizei in Berlin noch ein weiterer Vermisstenfall auf. Seit mehr als fünf Monaten ist die Schülerin Rebecca aus Berlin-Neukölln verschwunden. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass sie getötet wurde. Das Mädchen ist seit dem 18. Februar verschwunden. Ermittler nehmen an, dass Rebecca das Haus ihrer ältesten Schwester und ihres Schwagers nicht lebend verließ. Rebeccas Schwager kam zunächst in U-Haft, wenig später aber mangels Beweisen wieder frei.

luj/loc/news.de/dpa

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