29.07.2019, 14.30 Uhr

Todes-Drama in Voerde am Niederrhein: Bahnsteig-Schubser (28) schweigt nach Tod von Frau (34) in U-Haft

Sie kannten sich nicht und es gab keinen Streit - trotzdem stieß ein Mann eine 34 Jahre alte Frau in Voerde am Niederrhein vor einen einfahrenden Zug. Die Frau starb noch im Gleisbett. Der Täter sitzt jetzt unter Mordverdacht in U-Haft.

Ein 28-jähriger Mann hat nach Polizeiangaben am Bahnhof im niederrheinischen Voerde eine 34-jährige Frau vom Bahnsteig vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Trotz der Rettungsbemühungen sei sie noch am Ort gestorben. Bild: Christoph Reichwein / picture alliance / dpa

Alptraum an einem Bahnsteig in Voerde am Niederrhein: Ein Mann hat eine ihm völlig unbekannte 34-Jährige am Bahnhof vor einen einfahrenden Zug gestoßen und somit getötet. Das Amtsgericht Duisburg erließ am Sonntag Haftbefehl wegen Mordes gegen den 28-Jährigen.

Frau (34) vor einfahrenden Zug gestoßen - Bahnsteig-Schubser von Voerde unter Mordverdacht in U-Haft

Der Beschuldigte soll die Frau aus Voerde heimtückisch und aus Mordlust ins Gleisbett vor den einfahrenden Zug gestoßen haben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag gemeinsam mitteilten. Täter und Opfer kannten sich demnach vor dem Angriff am Samstagmorgen nicht. Auch gab es auf dem Bahnsteig in dem Ort am Niederrhein keinen Streit zwischen den beiden, so die Auskunft der Ermittler.

Wer ist der Bahnsteig-Schubser von Voerde?

Der 28-Jährige Jackson B. Tatverdächtige sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Er soll die Frau heimtückisch und aus Mordlust ins Gleisbett vor die Regionalbahn gestoßen haben. "Er hat sich zu den Tatvorwürfen nicht geäußert und lässt sich anwaltlich vertreten", sagte Polizeisprecherin Jacqueline Grahl. Nach Angaben der Polizei stammt der Tatverdächtige aus Hamminkeln im Kreis Wesel und ist dort bei den Ermittlern bekannt. Geboren ist B. laut "Bild"-Informationen in Lemgo (NRW). Zwischenzeitlich habe er in Duisburg gewohnt, wo er der Polizei bereits wegen Diebstahl und Körperverletzung auffiel.Da er einige Geldstrafen nicht zahlte, musste er bereits eine Haftstrafe antreten. "Ende Dezember 2018 zog er, im Besitz einer gültigen Aufenthaltserlaubnis, nach Hamminkeln", heißt es von einer Sprecherin aus dem Landkreis Wesel.

Gegenüber Polizei und Haftrichter habe sich der 28-Jährige bislang nicht zu dem Vorwurf geäußert, sagte Marie Fahlbusch von der Staatsanwaltschaft Duisburg am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Frau (34) stirbt nach Angriff in Voerde, Mordkommission ermittelt

Trotz der Rettungsbemühungen war die Frau nach Angaben der Polizei noch am Ort gestorben. Eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen. Für die Spurensicherung wurde die Bahnstrecke mehrere Stunden lang gesperrt.Das Opfer, die Mutter einer 13-Jährigen, sei zu dem Zeitpunkt mit einem Bekannten unterwegs gewesen. "Die Frau hinterlässt Mann und Kind", sagte die Polizeisprecherin.

Der 28-Jährige wurde von Zeugen bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. Der Mann stamme aus Hamminkeln und sei polizeibekannt, hieß es. Zu möglichen Vorstrafen des Mannes aus dem Kreis Wesel wollte sich die Staatsanwaltschaft zunächst nicht äußern.

31-jähriger Iraker überwältigt Täter

Laut Informationen von "FOCUS-Online" hat sich wohl unmittelbar nach dem tödlichen Bahnsteig-Angriff von Voerde ein 31-jähriger Iraker auf den Täter gestürzt. Dieser soll ihn fixiert und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten haben. Wie die Kriminalpolizei Duisburg erklärt, ist durch diesen mutigen Akt der Zivilcourage noch Schlimmeres verhindert worden."Der Täter war in diesem Moment unberechenbar. Wer weiß, was passiert wäre, wenn er vom Bahnhof geflohen wäre."

Frau hinterrücks vor Zug gestoßen - Mann war polizeibekannt

Der in Deutschland geborene Serbe ist für die Polizei kein Unbekannter. Er sei schon wegen Diebstahls und Körperverletzungen aufgefallen, sagte die Polizeisprecherin am Montag. Es gebe zwei Verfahren, in denen er Polizisten verletzt habe: Ende Juni soll er demnach in einer Gaststätte randaliert haben. Als Polizisten ihn fixieren wollten, habe er sich gewehrt.

Ende März soll er bei Nachbarn randaliert und diese auch bedroht haben. "Da hat er dann auch bei der Festnahme Widerstand geleistet", berichtete Polizeisprecherin Grahl. In einem weiteren Fall habe er einen Traktorfahrer angehalten und bedroht. Der 28-Jährige aus Hamminkeln bei Wesel habe in der Vergangenheit zudem zwei Freiheitsstrafen als Ersatz für Geldbußen verbüßt.

Menschen aus dem Umfeld des 28-Jährigen, der wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft sitzt, würden jetzt befragt, um diese Frage zu klären: "Warum geht jemand auf den Bahnsteig und schubst jemanden auf die Gleise?", sagte Polizeisprecherin Grahl.

Reisende trauern am Bahnsteig

Pendler und Reisende haben nach der tödlichen Tat an einem Bahnsteig im niederrheinischen Voerde für das 34 Jahre alte Opfer Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet. Menschen blieben am Montagmorgen auf dem Weg zur Arbeit am Tatort auf Gleis 1 stehen und hielten inne, wie ein dpa-Reporter berichtete. Weiße Rosen und eine kleine Engelsfigur waren zu sehen.

Frau in Voerde vor Zug gestoßen - Ermittler warten auf Laborergebnis

Gut eine Woche, nachdem ein 28-Jähriger eine Frau im niederrheinischen Voerde vor einen einfahrenden Zug gestoßen und getötet haben soll, wartet die Polizei auf Ergebnisse einer Blutuntersuchung. Die sollen zeigen, ob der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt unter Einfluss von Medikamenten oder Drogen stand, wie eine Polizeisprecherin am Montag sagte. Dem "Focus" zufolge seien jedoch Spuren von Kokain in der Blutbahn des Untersuchungshäftlings festgestellt worden.

Der 28-jährige Tatverdächtige, der wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft sitzt, schweigt demnach weiterhin zu den Tatvorwürfen. Zeugen hatten geschildert, dass sich der Mann der ihm unbekannten 34-Jährigen von hinten genähert und sie wortlos ins Gleisbett gestoßen habe.

Zugschubser von Voerde schweigt in Untersuchungshaft

Der in Deutschland geborene Serbe ist nach Polizeiangaben Vater von neun Kindern. Für die Polizei war er auch schon vor der Tat kein Unbekannter. Er war unter anderem wegen Diebstahls, Körperverletzung und kleinerer Vergehen zu Geldstrafen verurteilt worden.

Die Getötete ist Mutter einer Tochter. Die 34-jährige Frau soll im engsten Familien- und Freundeskreis beigesetzt werden, sagte eine Polizeisprecherin. Eine öffentliche Trauerfeier werde es nach Angaben der Familie nicht geben.

Im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main wurde am Montag ein achtjähriger Junge von einem Mann vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Der Junge starb. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen, wie die Polizei am Montag mitteilte. Der Mann soll auch die Mutter des Jungen ins Gleisbett gestoßen haben. Die 40-Jährige habe sich aber retten können. Die Polizei ermittelt wegen eines Tötungsdelikts.

Traurige Statistik zu Todesopfern nach Zugunfällen

Bundesweit sorgen ähnliche Fälle immer wieder für Entsetzen. Im September 2018 hatte in Köln ein 18-Jähriger einen Mann (43) nach einem Streit auf die Gleise gestoßen. Nur durch Zufall wurde das Opfer nicht verletzt. Das Video einer Überwachungskamera hatte die Tat dokumentiert. 2016 starb in Berlin eine 20-Jährige, nachdem sie von einem ihr unbekannten psychisch Kranken vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen wurde. Ebenfalls in Berlin wurde im März 2019 ein 34-Jähriger zuerst angerempelt und dann ins Gleisbett geschubst. Dabei brach er sich einen Halswirbel. Bevor der Täter flüchtete, zog er das Opfer noch zurück auf den Bahnsteig und verhinderte so Schlimmeres.

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loc/news.de/dpa

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