09.07.2019, 16.19 Uhr

Hohe Mieten begünstigen Obdachlosigkeit: SO VIELE Deutsche sind von der Wohnungsnot betroffen

Wohnungsnot und Obdachlosigkeit betrifft oft die Schwächsten der Gesellschaft. Steigende Miete und Wohnraummangel treiben Familien in unmenschliche Zustände. Doch was kann dagegen getan werden?

Wohnungsmangel und hohe Mieten treiben immer mehr Familien in die Wohnungs- oder Obdachlosigkeit. Bild: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Die ARD-Doku "Die Story im Ersten" machte die bittere Wahrheit am Montagabend deutlich: In Deutschland sind mehr als eine Million Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen. Dabei trifft es junge Familien und Alleinerziehende am schlimmsten. Außerdem ist die Situation in den Städten schlechter als auf dem Land und das Phänomen zieht sich durch viele gesellschaftliche Schichten.

Wohnungsnot in Deutschland: Der perfekte Mieter verdient gut und hat keine Kinder

Die Wohnungsnot bringt Vermieter in die vorteilhafte Situation, sich die Mieter aussuchen zu können. Da die Vermieter oder die Verwaltungsgesellschaften ein klares Ziel haben, ist auch das Bild des idealen Mieters sehr eingeschränkt. So missfällt alles, was den Wert der Wohnung weiter als nötig senken und die reibungslosen Mietzahlungen gefährden könnte.

Kinder können daher für viele Vermieter ein Dorn im Auge sein. Kinder sind für sie die potenziellen Ursache von teuren Wasserschäden oder anderen Kosten, für die dann möglicherweise niemand haftbar gemacht werden kann. Ob die Eltern Akademiker oder Hartz-IV-Empfänger sind, spielt dann kaum noch eine Rolle. Junge Familien sind im Mietgewerbe nicht gern gesehen.

Die Folge: Wohnungsnot und Obdachlosigkeit zerstört Familien

Ohne Wohnung oder nur in einer Notunterkunft zu leben, zwingt die Betroffenen zu großen Einschränkungen. So schneiden zum Beispiel Kinder aus solchen Wohnverhältnissen in der Schule schlechter ab. Darüber hinaus wird ihnen die Chance genommen, sich so ein besseres Leben als ihre Eltern zu erarbeiten.

Auch bei der Jobsuche oder auf dem Amt hat die Wohnungslosigkeit negative Folgen. Ohne feste Wohnadresse eine Anstellung zu finden oder einen Antrag auf Sozialhilfe zu stellen, erscheint dann wie ein Ding der Unmöglichkeit.

Mietbremse und 1,5 Millionen neue Wohnungen bis 2021 – Was bringen die Maßnahmen der Regierung?

Trotz weitreichender Maßnahmen der Politik scheint die Zahl der Wohnungslosen weiter anzusteigen. Experten der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sagen, dass der Verkauf von Wohneigentum in der Vergangenheit für den heutigen Zustand maßgeblich verantwortlich ist.

Viele Haushalte geben einen Großteil ihres Einkommens für die Miete aus. So bleiben andere wichtige Posten wie Bildung oder gesellschaftliche Teilhabe in Form von beispielsweise Kino- oder Theaterbesuchen auf der Strecke. Wenn diese Probleme mit der Altersarmut zusammen gedacht werden, zeichnet sich für die Zukunft eine brisante gesellschaftliche Situation ab, in der hohe Mieten für viele Familien den Wohnraum unerschwinglich machen.

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luj/loc/news.de

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