08.07.2019, 16.59 Uhr

Walfang: Der blutige Todeskampf der Kolosse

Mit 01. Juli nahm Japan wieder den kommerziellen Walfang auf. Wird es die Riesen der Ozeane schon bald nicht mehr geben?

Walfang in Japan. So grausam sterben die Ozeanriesen. Bild: picture alliance/Jeremy Sutton-Hibbert/epa/Greenpeace/dpa

Nach Schätzungen von Experten wurden alleine im 20. Jahrhundert drei Millionen Wale getötet. Nachdem einige Arten massiv vom Aussterben bedroht waren, erteilte die Internationale Walfang-Kommission im Jahr 1986 ein Moratorium und damit das Verbot des kommerziellen Walfangs. Wale durften nurmehr zu wissenschaftlichen Zwecken gefangen werden. Drei Länder jedoch missachten das Verbot: Norwegen, Island (ab 2006) und Japan (ab 2019). Das Kaiserreich jagte zwar „zu wissenschaftlichen Zwecken" nach wie vor Wale v.a. im Nordpazifik und der Antarktis, ließ die getöteten Tiere untersuchen, um danach dennoch deren Fleisch, Öl und andere Produkte in den Verkauf zu bringen. Auch Schulkantinen werden mit dem Fleisch beliefert, obgleich es - wie auch das Fischfleisch - mit Schwermetallen und anderen Umweltgiften belastet ist. Island fing bislang Zwerg- und Finnwale, Norwegen Zwergwale.

Walfang - Japans schwimmende Schlachthäuser

Nach Aussage des japanischen Regierungssprechers Yoshihide Suga habe sich die Walpopulation inzwischen dermaßen erholt, sodass der kommerzielle Walfang wieder aufgenommen werden kann. Allerdings soll sich dies auf die Küstengebiete des Landes beschränken. Ein oder zwei Fangschiffe werden zumeist von einem Fabrikschiff begleitet, das die Zerlegung und Verpackung direkt auf offener See vornimmt. Tier- und Artenschützer sind empört, schließlich dauert die Fortpflanzung der Wale sehr lange - Experten schätzen etwa die Zahl der langsamen und deshalb leicht zu jagenden Glattwale im Nordatlantik auf gerade mal 450, davon sind rund 100 fortpflanzungsfähige Walkühe.

 

Granaten explodieren im Leib des Wales

Für die Jagd finden sog. „Explosiv-Harpunen" Verwendung. Taucht der Wal um Luft zu holen auf, dringt die Harpune bis zirka einen halben Meter in dessen Körper ein. Dort explodiert eine Granate und sprengt richtiggehend Metallsplitter in den ganzen Leib des Tieres. Stirbt der Wal nicht gleich, dauert der Todeskampf teils mehrere Stunden an.

 

Walfang - Wirtschaftlich nicht lukrativ

Island hat den Walfang für heuer ausgesetzt, da der Walfleisch-Konsum auf der Insel rückläufig ist. Gleiches gilt übrigens auch für Japan, sodass sich ein Export in's Land der aufgehenden Sonne nicht auszahlt. Auch die Norweger essen immer weniger Walfleisch. Es wird deshalb Touristen angeboten oder landet zur Verfütterung in Pelztierfarmen.

 

Deutschland war drittgrößter Walfänger

Hitlerdeutschland forcierte in den 1930er Jahren den Walfang in der Antarktis. Einerseits erhielt die Bevölkerung durch die Margarine und das „Walfleisch Polaris" wichtige Proteine, andererseits benötigten die Sprengstoff- und die Waschmittelindustrie das Öl für die Produktion.

US/add/news.de

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