24.06.2019, 11.29 Uhr

Missbrauchsskandal in Homburg: Klinikarzt soll Hunderte Kinder sexuell missbraucht haben

Am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg soll ein Assistenzarzt jahrelang Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren sexuell Missbraucht haben. Trotz Hinweisen und Strafanzeige informierte die Klinik nicht die betroffene Patienten und deren Angehörige.

Am Universitätsklinikum des Saarlandes soll ein Assistenzarzt jahrelang Kinder sexuell Missbraucht haben. Bild: pogonici/AdobeStock

Ein inzwischen gestorbener Assistenzarzt des Universitätsklinikum des Saarlandes soll sich dem mutmaßlichem sexuellen Missbrauch an Kindern im Alter von vier bis zwölf Jahren strafbar gemacht haben.Es bestehe der Verdacht, dass er in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie "nicht medizinisch notwendige Untersuchungen" zwischen 2010 und 2014 im Intimbereich von Kindern vorgenommen habe. Laut einem Bericht des ARD-Magazins "Monitor" soll die Klinik diese Informationen jedoch jahrelang geheim gehalten haben.

Opfer nicht über pädophilen Arzt informiert

Einem Artikel des "Focus" zufolge, hätte die Klinikleitung bereits früh Hinweise auf die pädophile Neigung des Mediziners erhalten, Eltern und mögliche Opfer jedoch nicht in Kenntnis gesetzt. Nicht mal nach einer Strafanzeige, die die Uniklinik Ende 2014 gegen den Arzt gestellt hat, ist eine Kontaktaufnahme mit den ehemaligen Patienten erfolgt.

95 Prozent der Behandlungen nicht nachvollziehbar

An der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie hatte der Arzt Behandlungen an Hunderten Kindern durchgeführt. Laut Klinikdirektion seien davon knapp 95 Prozent medizinisch nicht nachvollziehbar. Da der Tatverdächtige in seiner Freizeit in der Jugendarbeit tätig war, ist die genaue Zahl seiner Opfer bis heute unklar.

Dabei unterließ es die Klinik jedoch,selbst in den Fällen, bei denen die Patientenakten der Staatsanwaltschaft als Beweismittel zur Verfügung gestellt wurden, die Betroffenen zu informieren. Der von "Monitor" befragte Medizinrechtler Prof. Peter Wolfgang Gaidzik von der Universität Witten/Herdecke findet diesbezüglich klar Worte: "In dem Moment, wo man sich entschieden hat, dass die Verdachtsmomente so weit ausreichen, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten, (...) hätte auch unter therapeutischen Aspekten die Kontaktaufnahme mit den Eltern bzw. den älteren Kindern erfolgen müssen, um auch insoweit Schaden von ihnen abzuwenden." 

Assistenzarzt 2016 verstorben

Nachdem der Angeklagte 2016 plötzlich verstarb, stellte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken die Ermittlungen ein. Die Staatskanzlei des Ministerpräsidenten des Saarlandes Tobias Hans (CDU), welche als Aufsichtsbehörde für das Universitätsklinikum fungiert, erklärte jedoch nun, doch einen Teil der betroffenen Eltern über die Missbrauchsvorwürfe in Kenntnis zu setzen. Am Montagnachmittag (24.06.2019) soll die Öffentlichkeit im Rahmen einer Pressekonferenz über Details in dem Fall informieren.

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kjf/bua/news.de/dpa

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