21.06.2019, 10.15 Uhr

Mafia: Die ehrenwerte Gesellschaft - Mafia-Prozess in Konstanz

Mehrere Urteile, weitere Anklagepunkte - es dauert wohl länger! Doch: Einige Geheimnisträger werden langsam weichgekocht!

Palermo  Bild: picture alliance/Lena Klimkeit/dpa

Der Mafia-Mammut-Prozess am Landgericht Konstanz begann am 21. September 2018 und sollte dieser Tage, am 26. Juni 2019 beendet sein. Einige der ursprünglich elf Angeklagten wurden bereits verurteilt, doch der Hauptprozess zieht sich noch bis in den Herbst hinein. Schließlich geht es nicht nur um Drogenhandel, sondern auch um versuchten Mord, Körperverletzung, Waffenhandel, Raub und Brandstiftung. Zudem um die Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung. Vor den Richtern stehen mehrere mutmaßliche Mitglieder der derzeit mächtigsten Mafia-Organisation der Welt, der 'Ndrangheta. Diese bezieht den größten Teil ihrer Einnahmen aus dem Verkauf von Kokain. Die Gewinne werden zumeist in Restaurants und Lokale, aber auch in Immobilien investiert und dadurch gewaschen. Das Bundeskriminalamt schätzt die Zahl der Bandenmitglieder in Deutschland auf rund 585. Alleine in der Bundeshauptstadt werden 10-12 Clans vermutet.

Die Mafia - ein globaler Wirtschaftskonzern

Im Jahr 2009 erwirtschafteten die drei italienischen Mafiaorganisationen 'Ndrangheta, Cosa Nostra und Camorra nach Angaben des ehemaligen Vorsitzenden des Mafia-Ausschusses im italienischen Parlament, Francesco Forgione, einen Jahresumsatz von 120 bis 180 Milliarden Euro (rund 5 % des damaligen BIP Italiens). Die Drogen selbst kommen vornehmlich über Rotterdam, Antwerpen und Hamburg aus Südamerika. Nach Angaben aus dem bayerischen LKA kostet ein Gramm Kokain im Einkauf etwa 2,50 Euro, im Verkauf hingegen 60! Zudem wird das Pulver noch gestreckt. Bei dieser Gewinnspanne sind derartige Summen leicht zu erklären. Wie aus Italien zu erfahren, hat auf diesem Markt vornehmlich die 'Ndrangheta das Sagen. Sie kontrolliert rund 40 % des weltweiten Kokainhandels. Damit machte sie 2013 einen geschätzten Umsatz von 53 Milliarden Euro - so viel wie die Deutsche Bank und McDonalds zusammen informiert der Deutschlandfunk.

Paten im Anzug

Die Bosse im Nadelstreif gehen zumeist in noblen Büros in Mailand ihren Geschäften nach. Apropos Mailand: Die italienische Polizei schätzt, dass nur in der Modemetropole mehr als 130.000 Menschen regelmäßig Kokain konsumieren, darunter Ärzte, Sportler und Rechtsanwälte. Auch in anderen europäischen Metropolen, wie im Bankenzentrum Frankfurt, sieht es nicht anders aus.

Kodex der ehrenwerten Gesellschaft

Gemordet wird von den Bossen nur dann, wenn es im Interesse der Organisation ist. Genügt beim kleinen Mann die Entscheidung des Paten, bedarf es bei Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, bedeutenden Vertretern der Zivilgesellschaft oder auch anderer Mafiosi, die in Ungnade gefallen sind, schon einer Entscheidung der „Kommission". Mord ist allerdings immer die letzte der Möglichkeiten, wenn sich der Betroffene nicht den Erfordernissen unterwerfen möchte. Verstößt ein Mitglied gegen diese Struktur, bedeutet es zumeist den eigenen Tod oder den Ausschluss aus der Organisation. Daneben müssen viele weitere Regeln befolgt werden.


Mafiosi verstehen sich häufig im "Dienst einer Ordnung parallel zur institutionalisierten Ordnung". Gegen den Staat könne man keinen Krieg führen, meinte einst Gaetano Badalamenti, ein sehr angesehener Boss der sog. "Volksmafia". Soll heißen, dass die hohen Ämter im Staatsgefüge stets von Gewalt verschont bleiben müssen. Ein wesentlicher Bestandteil des Tagesgeschäftes allerdings ist die Angst, die Todesangst! Schließlich können Gefahren überall lauern und stets ein höherer Wille alles beeinflussen und verändern. Das wird durch die Mafia perfekt gelebt. Respekt von den anderen zu erhalten, ist jener Zustand, den sich jeder Angehörige der "Familie" erarbeiten möchte (uomo di rispetto). Das zeigt, dass der Betroffene bereits in eine höhere Stufe aufgestiegen ist: Man wird nicht mehr beherrscht, sondern herrscht in seinem Rahmen. Man ist unser Ding - "cosa nostra"!

US/add/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser