19.06.2019, 20.09 Uhr

Hebammen im Portrait: Der Beruf Hebamme stirbt aus! Müssen Frauen nun alleine gebären?

Hohe Arbeitsbelastung, steigende Haftpflicht und ein Stundenlohn, der zum Leben nicht reicht. Immer mehr Hebammen werfen das Handtuch und steigen aus ihrem erlernten Beruf aus.

Hebammen werden Luxus Bild: picture alliance/Caroline Seidel/dpa

Schlechte Bezahlung führt zu Hebammen-Sterben

Sie arbeiten rund um die Uhr, sind im Notfall sogar nachts im Einsatz und was haben sie davon? Es ist kaum zu glauben. Nur durchschnittlich vier Jahre arbeiten Hebammen in Ihrem erlernten Beruf. Oft sehen sie sich dann gezwungen, einen anderen Job zu suchen. Nicht, weil ihnen der Beruf keine Freude bereitet. Das Geld reicht einfach oft nicht aus, damit sie davon leben können.

"Nur noch rund 30 Prozent der Hebammen arbeiten Vollzeit", so die Vorsitzende des Hebammenverbandes Baden-Württemberg Ulrike Geppert-Orthofer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Tübingen. Die Hebammen fordern nun zwar einen Aufschlag von rund 30 Prozent auf die bisherigen Gebühren - "und selbst dann gehören wir noch nicht zu den Gutverdienern", sagte sie.

Gebühren-Wahnsinn verdirbt die Liebe zum Beruf

Seit 2007 nun müssen Geburtshelferinnen ihre Gebühren selber mit den Krankenkassen verhandeln. Das war nicht immer so. Gesundheitsministerien waren vorher dafür zuständig. Da aber auch bei den Krankenkassen immer mehr der Sparhammer erhoben wird, war eine anständige Gebührenerhöhung nicht durchsetzbar.

Eine Beleghebamme, die die Geburt einer Frau im Krankenhaus durchführt, erhält für diese Geburt rund 280 Euro. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass dies bis zu elf Stunden Arbeit sein können.

Nach Abzug aller Gebühren bleibt vielen Hebammen ein durchschnittlicher Stundenlohn von nur 7,50 Euro! Für dieses Geld übernehmen sie die Verantwortung für zwei Menschenleben! Kein Wunder also, dass immer mehr Hebammen das Weite suchen oder finanziell dazu gezwungen werden. Die Kosten, die Hebammen für die notwendigen Autofahrten zu den werdenden Müttern, sowie für die Deckung der Haftpflichtversicherung zusätzlich aufbringen müssen, belaufen sich jährlich auf rund 6.000 Euro.

Haben Neueinsteigerinnen überhaupt eine Perspektive?

Fakt ist, nur wer als Hebamme dazu bereit ist, eine 60- bis 70-Stundenwoche hinzulegen, kann hauptberuflich davon leben. Dieses Pensum halten die wenigsten lange durch. Gibt es also überhaupt noch Hoffnung, damit dieser wertvolle und wichtige Beruf doch noch willige Nachfolgerinnen findet?

Es muss definitiv etwas passieren, damit der Beruf Hebamme noch eine Chance hat. Aufklärung und Verbreitung dieser Umstände ist hier sicherlich erst der Anfang von einem hoffentlich guten Ende. Ein klarer Fall für die politische Ebene.

NM/add/news.de/dpa

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