02.06.2019, 18.35 Uhr

Amoklauf in den USA in Virginia Beach: Schütze tötet 12 Menschen bei Massaker in US-Stadtverwaltung

Ein städtischer Angestellter dringt in ein Gebäude der Stadtverwaltung von Virginia Beach in den USA ein und eröffnet sofort das Feuer. Der Mann schießt wahllos auf Menschen - die Polizei beschreibt den Tatort später als "Kriegsgebiet".

Polizisten und Betroffene stehen vor der Princess Anne Middle School, vor der sich Angehörige und Opfer nach Schüssen in der Stadtverwaltung von Virginia Beach versammeln. Bild: dpa

Bei einem erneuten Massaker in den USA hat ein Schütze in Virginia Beach im Bundesstaat Virginia mindestens zwölf Menschen getötet. Nach einem langen Schusswechsel hätten Polizisten schließlich den bewaffneten Einzeltäter erschossen, sagte der örtliche Polizeichef Jim Cervera. Mehrere Menschen seien verletzt worden, als der Mann in einem Gebäude der Stadtverwaltung das Feuer eröffnete. Der mutmaßliche Täter sei seit langem bei der Stadt angestellt gewesen. Bürgermeister Bobby Dyer sagte am Freitagabend: "Das ist der verheerendste Tag in der Geschichte von Virginia Beach."

Amoklauf in den USA in Virginia Beach - Massaker in Stadtverwaltung

Cervera sagte, vier Menschen würden in Krankenhäusern operiert. Möglicherweise gebe es noch mehr Verletzte. Der mutmaßliche Täter sei am Freitagnachmittag in das Verwaltungsgebäude eingedrungen und habe mit seiner großkalibrigen Handfeuerwaffe wahllos auf Menschen in allen drei Stockwerken des Gebäudes geschossen. Er sei mit mehreren übergroßen Magazinen ausgerüstet gewesen. Als Polizisten eintrafen, habe der Schütze auch auf sie geschossen. Ein Polizist sei getroffen worden, seine Schutzweste habe ihm das Leben gerettet.

Amoklauf nach Kündigung: Schütze war Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Virginia Beach

Der lokale Sender WAVY berichtete, bei dem mutmaßlichen Täter habe es sich um einen städtischen Angestellten gehandelt, dem am Donnerstag gekündigt worden sei. Polizeichef Cervera sagte, der Mann sei weiterhin bei der Stadt angestellt gewesen. Er sprach von einem "verheerenden Vorfall", bei dem vieles noch unklar sei. "Wir haben wirklich mehr Fragen, als wir Antworten haben." Ihm fehlten die Worte, um einen solchen Vorfall zu beschreiben. Die örtliche Polizei werde bei den Ermittlungen von der Bundespolizei FBI unterstützt.

Mitarbeiter verbarrikadierten sich während Massaker in den USA

Cervera sagte, die Ermittler untersuchten einen Tatort, der "am besten als Kriegsgebiet" beschrieben werden könne. Eine städtische Angestellte, die sich bei dem Angriff im Gebäude aufhielt, sagte WAVY, sie habe Schreie und Schüsse gehört und den Notruf angerufen. "Wir haben uns im Büro verbarrikadiert." Sie und ihre Kollegen hätten die Tür mit einem Schreibtisch blockiert. "Wir haben nur gehofft, dass es bald vorbei sein wird." Die Frau fügte hinzu:"Ich weiß nicht, was für ein Mensch so etwas tun würde."

Todesschütze von Virginia Beach hatte kurz vor der Tat gekündigt

Der Todesschütze von Virginia Beach hat seinen Job als städtischer Angestellter am Morgen der Tat selbst gekündigt. Das gab die Stadtverwaltung am Sonntag bekannt. Der Mann habe per E-Mail erklärt, dass er mit zweiwöchiger Frist seinen Arbeitsvertrag kündigen wolle. Es habe seitens des Arbeitgebers keinerlei Disziplinarmaßnahmen ihm gegenüber gegeben. Seine Arbeitsleistung sei zufriedenstellend gewesen.

Der 40-Jährige war mehr als ein Jahrzehnt bei der Stadt angestellt, bevor er am Freitag das Feuer eröffnet und zwölf Unschuldige tötete, darunter elf Kollegen. Es kam zum Schusswechsel mit der Polizei, bei dem der Angreifer getötet wurde.

Amoklauf in Las Vegas bei Musikfestival kostete 59 Menschen das Leben

Die Tat sorgte für Entsetzen in den USA. In Amerika kommt es auch wegen der laxen Waffengesetze immer wieder zu tödlichen Angriffen, bei denen Täter wahllos auf Menschen schießen. So hatte etwa im Oktober 2017 ein Mann in Las Vegas das Feuer auf ein Musikfestival eröffnet und 59 Menschen getötet. Im Juni 2016 hatte ein Mann in Orlando 49 Besucher eines Schwulenclubs erschossen.

Virginias Gouverneur Ralph Northam reiste am Freitag nach Virginia Beach und bekundete den Angehörigen der Opfer sein Beileid. Northam sprach von einem "furchtbaren Tag" für Virginia. "Das ist unaussprechliche, unsinnige Gewalt." Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Donald Trump sei über den Vorfall informiert worden.

Waffengesetze in den USA immer wieder Streitpunkt in der US-Regierung

Bemühungen von Organisationen, strengere Waffengesetze zu erkämpfen, scheitern am Widerstand vor allem konservativer Politiker und der Waffenlobbyorganisation NRA. Trump hatte bei einer NRA-Veranstaltung im April betont, seine Republikaner seien die Partei, die das Recht auf Waffenbesitz schützen würden. Mit Blick auf die Demokraten sagte er damals: "Sie werden auch Eure Waffen wegnehmen!" Er versprach den Waffenlobbyisten, das von Konservativen auf die US-Verfassung zurückgeführte Recht auf Waffenbesitz nicht anzutasten.

Der Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, nannte das Massaker in Virginia am Freitag "eine weitere furchtbare Tragödie", die daran erinnere, dass Waffengewalt in den USAangesprochen werden müsse. "Das kann nicht weitergehen."

fka/news.de/dpa

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