31.05.2019, 13.38 Uhr

Strafen gegen Gaffer: Tatwaffe Handy! Polizei fordert härtere Strafen

Gaffen ist in Deutschland keine Straftat. Dennoch sind Gaffer Rettungskräften ein Dorn im Auge. Sie fordern nun ein härteres Vorgehen gegen Schaulustige bei Unfällen. Sogar der Entzug des Führerscheins ist im Gespräch.

Wenn es nach der Polizeigewerkschaft ginge, würden Gaffern bald härtere Strafen drohen. Bild: dpa

Gaffen allein ist in Deutschland keine Straftat. Aber es wird als Ordnungswidrigkeit gewertet. So müssen Schaulustige mit einem Bußgeld von 1.000 Euro rechnen. Zudem droht ihnen ein Platzverweis. Gaffer, die Hilflose filmen oder fotografieren müssen, mit härteren Maßnahmen rechnen. So kann nicht nur das Handy oder die Kamera beschlagnahmt werden, sondern sie können auch aufgefordert werden, das aufgenommene Material zu löschen. Auch müssen Gaffer mit einer Haftstrafe von bis zu zwei Jahren rechnen, wie "anwaltauskunft.de" schreibt. Doch der Polizei ist das noch zu wenig.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert ein härteres Vorgehen gegen Gaffer. Das Handy als "Tatwerkzeug" solle Autofahrern weggenommen werden, die schwere Unfälle filmen oder fotografieren. "Das würde einen nachhaltigen Eindruck auf die Täter und potenzielle Nachahmer haben", sagte der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Nachtigall, am Mittwoch in München.

Polizeigewerkschaft fordert härtere Strafen gegen Gaffer

Außerdem müsse das Fotografieren von Toten unter Strafe gestellt werden. Bislang könne laut Paragraf 201a des Strafgesetzbuches (StGB) nur das Ablichten von lebenden Unfallopfern bestraft werden. Es sei aber wichtig, "dass auch Verstorbene geschützt werden". Die Gewerkschaft forderte, einen entsprechenden Gesetzentwurf, der bereits 2018 in den Bundesrat eingebracht worden sei, in die Tat umzusetzen.

Auch Politiker fordern deutlich härtere Strafen gegen Gaffer. "Gaffer, die sich am Unfall-Elend ergötzen, Polizei, Rettungskräfte und andere Helfer behindern – und das Leid anderer auch noch filmen, müssen zusätzlich mit einem Monat Fahrverbot bestraft werden", sagtFDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff gegenüber der "Bild". Auch der CDU-Innenexperte Marc Henrichmann spricht sich für eine härtere Bestrafung aus. "In solchen Fällen dürfen Fahrverbote oder die Einziehung des Tatmittels Handy als starkes Signal des Rechtsstaates kein Tabu sein", wird er von der "Schweriner Volkszeitung" zitiert.

"Wollen Sie die Leiche sehen?" Polizist attackiert Gaffer

An der Pressekonferenz in München nahm auch der Autobahnpolizist Stefan Pfeiffer teil. Er war in der vergangenen Woche bundesweit bekannt geworden, weil er Gaffer nach einem tödlichen Unfall auf der Autobahn 6 aufgebracht gefragt hatte, ob sie die Leiche sehen wollten, news.de berichtete.

Der Medienhype sei regelrecht über ihn hereingebrochen, habe ihn sogar "etwas geschockt", sagte der 54-Jährige. "Denn das ist nichts Neues. Sie können diese Situation tagtäglich erleben." An alle Autofahrer, die Zeuge eines Unfalls werden, appellierte er, an die Opfer und ihre Angehörigen zu denken, bevor sie das Handy zückten. "Macht Euch klar: Das ist kein Spiel da draußen. Das ist bittere Realität."

bua/fka/news.de/dpa

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