30.04.2019, 11.27 Uhr

Kaiser Akihito dankt heute ab: Alle Infos zur Abdankung des Kaisers von Japan

Japan vollzieht eine Zeitenwende: Zum ersten Mal in der ältesten Erbmonarchie der Welt seit 200 Jahren dankt der Kaiser des Landes ab und macht den Thron für seinen Sohn frei. Eine neue Ära beginnt.

Kaiser Akihito von Japan winkt auf dem verglasten Balkon seines Chowa-Den-Palastes. Der 85-Jährige dankt nach 30 Jahren auf dem Thron ab. Bild: dpa

Japans Kaiser Akihito hat sich ein letztes Mal an seine Nation gewandt. Er danke seinem Volk für die Unterstützung und wünsche sich, dass die neue Ära unter seinem Sohn Naruhito "stabil und fruchtbar" werde, sagte der 85-jährige Monarch am Dienstag bei einer Abdankungszeremonie in seinem Palast.Er und seine Gemahlin, Kaiserin Michiko, wünschten sich, dass die am Mittwoch beginnende neue Ära "Reiwa" (schöne Harmonie) unter seinem ältesten Sohn Naruhito "stabil und fruchtbar" werde.

Japans Kaiser Akihito dankt ab: Seine letzte Botschaft an die Nation

Er habe während seiner 30-jährigen Regentschaft namens "Heisei" (Frieden schaffen) seine Pflichten als Kaiser mit tiefem "Vertrauen in und Respekt für" die Menschen wahrgenommen. Er betrachte sich als äußerst glücklich, dazu in der Lage gewesen zu sein, sagte der im Volk beliebte Akihito.

Es war seine letzte Botschaft (O-Kotoba) als Tenno. Fortan wird Akihito ein Privatmann sein. Der Tradition nach bleibt ein Kaiser in der ältesten Erbmonarchie der Welt eigentlich bis zu seinem Tode im Amt. Der bislang letzte Monarch, der abdankte, war Kaiser Kokaku 1817. Akihito hatte im Sommer 2016 in einer seltenen Botschaft an sein Volk deutlich zu erkennen gegeben, angesichts seiner nachlassenden Kräfte zurücktreten zu wollen. Das Parlament erlaubte ihm dies per Sondergesetz. Für Naruhito gilt wieder die alte Regel.

Kaiser Akihito wird nicht an der Zeremonie zur Inthronisierung seines Sohnes teilnehmen

Vor seiner letzten Amtshandlung als Tenno hatte Kaiser Akihito am Vormittag (Ortszeit) den Göttern des asiatischen Inselreiches seine Abdankung angekündigt. Zu den tief religiösen Riten in den drei Schreinen seines Palastes in Tokio erschien der Monarch in der modernen Version einer jahrhundertealten höfischen Tracht aus goldbrauner Robe und hoch aufragender schwarzer Kopfbedeckung. In den Heiligtümern der japanischen Ur-Religion Shinto wird unter anderem die Sonnengöttin Amaterasu Omikami verehrt. Den Mythen nach sind die japanischen Kaiser unmittelbare Nachfahren von Amaterasu Omikami.

An der kurzen und einfachen Zeremonie zur Inthronisierung seines Sohnes  am Mittwoch wird Akihito nicht mehr teilnehmen. Laut der japanischen Nachkriegsverfassung hat der Kaiser keinerlei politische Macht, sondern ist nur ein Symbol der Einheit der Nation.

Warum ist diese Abdankung so außergewöhnlich?

Formal dankt Akihito um Mitternacht (1700 MESZ) ab, womit seine 30-jährige Regentschaft namens "Heisei"(Frieden schaffen) endet. Es ist das erste Mal seit rund 200 Jahren in der ältesten Erbmonarchie der Welt, dass ein Kaiser zu seinen Lebzeiten abdankt. Am Tag darauf besteigt Akihitos ältester Sohn, Kronprinz Naruhito (59), den Thron und läutet damit eine neue Ära für Japan ein.

Für die Liebe brach Akihito mit einer fast 2000 Jahre alten Hoftradition

Akihito war der erste Repräsentant eines moderneren, dem Volke näheren Hofes. Als Kronprinz hatte er 1959 mit der fast 2000 Jahre alten Hoftradition gebrochen und mit der Unternehmertochter Michiko Shoda eine Bürgerliche geheiratet. Zwar darf sich Japans Kaiser zu politischen Fragen nicht äußern. Dennoch wurde Akihito zum Verfechter der pazifistischen Nachkriegsverfassung. Trotz seiner eigenen angeschlagenen Gesundheit setzte er sich mit Michiko für die Opfer von Katastrophen ein, spendete den Menschen Trost und machte Mut.

Akihitos Regentschaft "Heisei" waren geprägt von Frieden aber auch von Katastrophen

Akihitos Regentschaft "Heisei" war für Japan eine Zeit des Friedens, aber auch der Katastrophen - wie das Erdbeben in Kobe 1995 und die Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atomunfall 2011 in Fukushima. Wirtschaftlich ging es zudem mit Japan in dieser Zeit bergab. Voller Erwartung blicken die Japaner denn auch auf die Ära des neuen Kaisers Naruhito, der die Regierung den Devisennamen "Reiwa" gab. Offiziell wird dies mit "schöner Harmonie" übersetzt.

Das erwartet das Volk vom neuen Kaiser Naruhito und dessen Frau Kaiserin Masako

Es wird erwartet, dass der künftige Kaiser Naruhito seinem Vater nacheifert. Zugleich erwartet man von ihm ebenfalls Neues, das zur künftigen Entwicklung der Gesellschaft passt. Palastbeobachtern zufolge dürfte sich Naruhito als erster Kaiser, der im Ausland studierte, verstärkt auf globale Fragen konzentrieren. Seine Frau, die künftige Kaiserin Masako, ist eine in Harvard ausgebildete Diplomatin. Seit 15 Jahren erholt sie sich nach offiziellen Angaben von einer "Anpassungsstörung", die vom Stress ihres Amtes herrühre.

Beobachter sehen dahinter vor allem den lange Zeit auf ihr lastenden Druck, einen männlichen Thronfolger zu gebären. Die künftige Kaiserin brachte zwar schließlich Tochter Aiko zur Welt, doch Frauen ist der Thron in Japan verwehrt. Das Volk bringt für Masako jedoch längst nicht mehr nur Mitleid auf: Kritiker vermissen bei ihr einen "Geist der Selbstlosigkeit", den ihre Schwiegermutter für das Volk aufbrachte.

sba/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser