30.04.2019, 10.10 Uhr

Familiendrama auf Teneriffa : Mutter und Sohn (10) in Höhle getötet! Das ist für Trauma-Kinder wichtig

Ein Deutscher soll auf Teneriffa seine getrennt lebende Frau und seinen kleinen Sohn zu Tode geprügelt haben. Nachbarn zufolge lebte der Mann abgeschottet auf der Insel. Die Opfer waren angereist. Ein zweiter Sohn überlebt.

Die Leichen der beiden Deutschen wurden in einer Höhle in der Gemeinde Adeje gefunden. Bild: Screenshot Google Maps

Der Tod einer Deutschen und ihres zehnjährigen Sohnes in einer Höhle auf Teneriffa geht laut spanischer Polizei auf ein skrupelloses Verbrechen zurück. "Alles deutet darauf hin, dass die Mutter und ihr Kind in der Höhle brutal zu Tode geprügelt wurden", sagte ein Sprecher der Ermittler am Donnerstag. Am mutmaßlichen Tatort rund 15 Kilometer von der Gemeinde Adeje entfernt sei viel Blut gewesen.

Der 43 Jahre alte Ehemann wurde schon vor der Entdeckung der Leichen vorläufig festgenommen. Am Freitag wurde Haftbefehl gegen den deutschen Vater erlassen. Der kleine Bruder des toten Jungen hatte der Polizei zuvor von einem brutalen Angriff des Vaters erzählt und so eine große Suchaktion ausgelöst. Noch am Donnerstag bestritt der Verdächtige, etwas mit dem Tod seiner Frau und seines Kindes zu tun zu haben. Er soll am Freitag dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die Autopsie der Leichen könnte Aufschluss zur Tat bringen.

Mutter und Sohn auf Teneriffa getötet - Sachsen-Anhalt ermittelt mit

Dem Festgenommenen würden Mord oder Totschlag sowie versuchter Mord oder versuchter Totschlag vorgeworfen. Die genauen Anklagepunkte sollen im Laufe der Ermittlungen festgelegt werden, hieß es. Die Möglichkeit, auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden, gebe es für den Verdächtigen nicht, entschied das Gericht. Unterdessen sollen auch Ermittler aus Sachsen-Anhalt in den Fall involviert werden. Nach dpa-Informationen ist ein Amtshilfeersuchen aus Spanien auf dem Weg in die Heimat der Familie. Was genau die deutschen Beamten herausfinden sollen, blieb zunächst offen.

Drama auf Teneriffa: Ermittler in Halle durchsuchen Wohnung

Nach der Tötung einer 39-jährigen Deutschen und ihres zehn Jahre alten Sohnes auf Teneriffa hat die Polizei in Halle eine Wohnung der Familie durchsucht. Es gebe ein Amtshilfeersuchen der spanischen Behörden an Justiz und Polizei in Sachsen-Anhalt wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts, sagte eine Sprecherin der Polizeiinspektion Halle am Sonntag. Deshalb sei am Samstag eine Wohnung der Familie in Halle auf Anhaltspunkte durchsucht worden. Weitere Details nannte die Sprecherin nicht und verwies an die Staatsanwaltschaft. Dort war am Sonntag niemand zu erreichen.

Mutter und Sohn (10) tot in Höhle gefunden - Polizei geht von brutalem Verbrechen aus

Die Leichen wurden nach Medienberichten von einem deutschen Freiwilligen entdeckt. Er gehörte zu einem Suchteam von 100 Menschen. Unter Berufung auf die Polizei berichtete die Regionalzeitung "Diario de Avisos", der Verdächtige weise "leichte Verletzungen auf, die auf einen Kampf hindeuten". Bei seiner Festnahme habe der Mann heftigen Widerstand geleistet, erklärte der Vertreter des Madrider Innenministeriums auf den Kanaren, Juan Salvador León. In der Vernehmung habe der Mann beteuert, seine Frau und sein Sohn seien noch am Leben gewesen seien, als er die Höhle verlassen habe. Ein Sprecher der Polizei sagte, es gebe noch "sehr vieles zu klären". Laut der deutschen Polizei stammt die Familie aus Sachsen-Anhalt.

Der kleine Bruder des toten Jungen (6) war am Dienstagnachmittag von Passanten weinend, mit dreckiger Kleidung und unter Schock aufgegriffen worden. Die Behörden schätzen, dass das Kind zuvor an die fünf Stunden lang auf der Insel umher geirrt war. Der Junge habe anschließend der Polizei erzählt, dass der Vater die ganze Familie am Dienstag mit dem Wagen zur Höhle gefahren habe. Dort habe er sowohl die Mutter als auch die beiden Kinder brutal attackiert habe, berichteten Medien. Dem Kleinen sei nach eigenen Angaben dann die Flucht gelungen.

Nach Familiendrama auf Teneriffa: Überlebender Sechsjähriger in Obhut seiner Verwandten

Der überlebende Sechsjährige soll sich in der Obhut von Verwandten erholen. Die Großeltern mütterlicherseits und möglicherweise auch eine Tante wollten auf die spanische Urlaubsinsel kommen, um sich um den Jungen zu kümmern, hatte die Ministerin für Soziales der Regionalregierung der Kanaren, Cristina Valido, gesagt.

Sie stünden dem deutschen Jungen in dieser schwierigen Phase bei und könnten nach Möglichkeit auch bei der Aufklärung des mutmaßlichen Mordes an der Mutter (39) und dem zehn Jahre alten Bruder des Jungen helfen, hieß es.

Familienvater lebte zurückgezogen

"Der Kleine war sehr erschrocken, zitterte, hatte viel Angst und bat darum, dass man ihn nach Deutschland bringt", sagte eine Frau, die den Jungen aufgriff und zur Polizei brachte, der Zeitung "El Día". Der Junge wurde derweil von Sozialarbeitern und Psychologen betreut. Laut Medien hatten sich die Eltern schon vor einiger Zeit getrennt.

Adejes Bürgermeister José Miguel Rodríguez Fraga sagte, der Deutsche wohne den Erkenntnissen zufolge schon seit einiger Zeit dauerhaft in der 43.000-Einwohner-Gemeinde, sei aber nicht gemeldet gewesen. Seine in Deutschland wohnende Familie sei regelmäßig zu Besuch gekommen. Die 39 Jahre alte Frau und die Kinder waren laut Bürgermeister erst am Montag auf Teneriffa eingetroffen. Gegen den Festgenommenen lägen in Spanien keine Anzeigen wegen häuslicher Gewalt vor.

Das wissen Nachbarn über den Deutschen

Nachbarn des Deutschen in Adeje wussten wenig zu berichten. Nachbarin Nati, die nach eigenen Angaben "seit eineinhalb Jahren Tür an Tür" mit dem Mann wohnte, sagte zu "Diario de Avisos", der Mann habe sich abgeschottet. "Er saß immer auf der Terrasse, hat sich gesonnt, und las jeden Tag fünf oder sechs Stunden lang Zeitung. Gearbeitet hat er wohl nicht." Andere Nachbarn erzählten, der Deutsche sei oft nur aus dem Haus gegangen, um mit einem Hund spazieren zu gehen.

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