Von news.de-Chefredakteurin - 21.04.2019, 11.46 Uhr

Ungewollte Haustiere: Was passiert mit Tiergeschenken nach der Festtagsfreude?

Ostern ist fast überstanden. Die Eier sind gefunden und das ein oder andere süße Osterhäschen ist ungewollt in Kinderzimmer und enge Mietwohnungen eingezogen. Doch was tun, wenn Hoppel weichen muss?

Geschenkte Tiere Bild: picture alliance/Birgit Egarter/APA/dpa

Geschenkte Tiere – keine Freude für niemanden

Nicht nur zu Ostern, auch zu Weihnachten und Geburtstagen sind sie beliebte Geschenke. Besonders Kleintiere sind praktisch überall zu haben, kosten weniger als Spielzeug und sind so persönlich gedacht, dass selbst das Geldgeschenk von Oma nicht mithalten kann. Nach der anfänglichen Begeisterung kommt schnell der Alltag und die Langeweile. Was wird aber aus dem süßen Hasen, um den sich der kleine Paul dann doch nicht kümmern möchte? Braten, Park oder Tierheim?

Wohin mit dem ungewollten Wohngast? Aussetzen oder abgeben?

Ist die Überzeugung gereift, dass der neue Mitbewohner wieder auszieht, kommt idealerweise ein Tierheim in Frage oder der direkte Abverkauf an Händler. Gute Händler prüfen die Haltebedingungen und die Herkunft. Verantwortungsbewusste Händler sind in der Regel ausgelastet, weil sie nur überschaubar wenig Vermittlungsplätze haben. Hier zählt Geduld und die Akzeptanz einer Warteliste. Dem ein oder anderen Tierbesitzer, besonders bei Kleintieren, wird das schon zu viel. Denn es gibt tatsächlich nur wenige Alternativen. Es scheint, als wenn sich der Aufwand nicht lohnt.

Oft bleiben zur sofortigen Abnahme nur Zoos, Bauernhöfe und Gnadenhöfe. In Zoos, dem sollte sich jeder bewusst sein, werden Hasen mit einwandfreier Gesundheitsvita als Futtertiere betrachtet. Die häufigsten Abnehmeranfragen kommen ohnehin von Schlangenbesitzern, da liegt es nahe, dass Einrichtungen mit vielen Fleischfressern auch viel Futter benötigen. Dann dem Tier lieber doch eine Chance im Park geben? Wo Hunde, Autos oder auch mal ein Fuchs als unbekannte Feinde auf die Neuzugänge warten? Am fairsten scheint da die Abgabe an den Gnadenhof.

Augen auf bei der Tierheimwahl! – Gnadenhof oder Fellchenkiller

Gnadenhöfe sind oft ehrenamtliche Vereine oder Privateinrichtungen von Tierfreunden. Besonders im Kleintierbereich sind die Inhaber häufig versierte Tierliebhaber mit einem großen Herzen und hohen moralischen Standards was die Aufnahme und Abgabe von Tieren angeht. Es gibt immer wieder Gnadenhöfe die in den Blick der Öffentlichkeit rücken und wo der Balanceakt zwischen Wollen und Können nicht gelingt. Oft ist der Auslöser ein harmloser Beitrag im Fernsehen der hitzige Debatten im Social Media auslöst und das Problem mit der unterschiedlichen Auffassung und Legalität in den Fokus der Öffentlichkeit zieht. Zu den Bildern harmonisch hoppelnder Hasen äußern sich in kürzester Zeit hunderte Kritiker, ehemalige Helfer, Teammitglieder, Spender und Unterstützer und richteten den Fokus auf die generelle Frage: "Was ist Tierschutz? Und was ist privates Tiermessitum?" Und deutlich wird, DIESES Thema interessiert und wird sehr emotional geführt. Das erklärt die Verunsicherung von Tierbesitzern, die sich im Guten trennen wollen.

Woran erkennt man einen guten Tiervermittler?

Zwischen den oft sehr persönlichen Backgroundstorys auf den Webseiten, den geringen Vermittlungsquoten und der zelebrierten Tierliebe liegen manchmal ganz andere Probleme. Wichtig ist der persönliche Eindruck. Verschenken Sie Ihren ungeliebten Mitbewohner niemals ungesehen an eine Einrichtung, die Sie nicht persönlich besucht haben. Der Begriff "Gnadenhof" ist nicht geschützt, unterliegt keinen Kontrollen und so kann sich praktisch jeder so nennen. Auch der freundliche Schlangenzüchter von nebenan. Erkundigen Sie sich nach der Sterberate auf dem Tierhof und lassen Sie sich die Bedingungen für alte und kranke Tiere zeigen. Denn Vermittlungsgarantien werden Sie nie bekommen.

Ob die Besitzer bereits strafrechtlich wegen Tierquälerei angezeigt oder verurteilt wurden, werden Sie vermutlich nicht rausbekommen, aber ein kurzer Check der Futternäpfe und Rückfragen zu notwendigen Impfungen und Arztbesuchen muss jederzeit möglich sein. Auch die transparente Übersicht zu erhaltenen Spenden und Ausgaben ist ein wichtiges Indiz zum Check der Legalität der Einrichtung. Das Gespräch mit einem Mitarbeiter der Einrichtung kann ebenfalls sinnvoll sein. Oft haben diese Einsichten, die bei der Entscheidungsfindung helfen können.

Wer ein Tier geschenkt bekommt, hat ein Veto-Recht

Wer ein Tier geschenkt bekommt, welches nicht in seine Lebensplanung passt, muss sich leider trotzdem mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Da Tierschenkungen unter Artikel 239ff. Obligationenrecht (OR) fallen, haben Eltern (oder ein anderer gesetzlicher Vertreter) aber immer auch ein Vetorecht bezüglich der Schenkung. Sie können nicht nur die sofortige Rücknahme fordern, sondern sogar das Geschenk direkt verweigern. Auch wenn Hoppel süß und flauschig ist und sich der Nachwuchs sehr darüber freut, bedeutet ein Tier auch immer Verantwortung. Füttern, Pflegen, beschäftigen sind nicht alles was zu bedenken ist. Tiere sind in der Regel keine Einzelgänger und benötigen Artgenossen. Sie müssen regelmäßig zum Tierarzt und können oft nicht einfach mit in den Urlaub fliegen. Tiere machen Lärm, riechen und sind empfindlich für ihren Lebensraum. Die Anschaffung oder Schenkung muss also gut durchdacht sein.

Alternativ bleibt nur der Topf. Eine Anleitung zur Schlachtung und Rezepte finden Sie an anderer Stelle.

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nbl/news.de

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