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Extremläufer Robby Clemens: 90 Kilo im Schlitten und 5 Tonnen auf dem Rücken

Er lief vom Nordpol bis zur Antarktis, zwischendurch reparierte er Steckdosen in den Favelas Bogotás. Robby Clemens rannte schon durch Kriegsgebiete im Irak, besuchte die Nasa in Texas und hat eine Verabredung mit Tom Hanks. Nun sprach der "deutsche Forrest Gump" mit news.de.

Clemens in der Arktis Bild: Robby Clemens

Den Sinn seiner Extremläufe sieht Robby Clemens in den Begegnungen mit dem Fremden, seine größte Motivation sei seine Neugierde. „Wir sind letztlich alle gleich" sagt er über die Menschen, die er auf seinen Läufen weltweit kennen und schätzen gelernt hat.

„Man kann die Welt natürlich auch mit dem Fahrrad, Auto oder Motorrad erkunden, klar. Und ich habe größten Respekt vor jedem, der das macht. Aber mein neues Leben wurde mir durch das Laufen geschenkt. Ich möchte die Welt laufend entdecken", sagt Clemens.

Clemens stammt aus einer Kleinstadt nahe Leipzig und war einmal ein ganz Anderer. Auf der Jagd nach Geld und Status fiel er tief, bei der Schneider-Pleite Mitte der Neunziger verlor er über zwei Millionen Mark, sein Unternehmen, das Haus seiner Eltern und sich selbst im Alkohol. Wenn man ihn googelt, findet man Fotos vom damaligen Robby Clemens.

Er wog 125 Kilo, rauchte und trank. Sein Arzt machte ihm irgendwann mit einer Ohrfeige deutlich, dass es so nicht weitergehen konnte.

Dann begann er zu laufen. Trank keinen Schluck mehr, vom ersten Tag an, wie er sagt. Erst lief er lange, dann immer längere Strecken. Durch Regionen, Länder und Kontinente. Durch Sand- und Eiswüsten, durch Krisen- und Kriegsgebiete. Schließlich einmal um die ganze Welt. Und dann, vor zwei Jahren, machte er sich auf seinen bislang weitesten Weg: 23.000 km vom Nordpol über Grönland, Nord- und Südamerika bis nach Feuerland und zur Antarktis. Zu Fuß. Täglich ein Marathon. Etwa 40 Paar Schuhe hat er verschlissen. Im Dezember kehrte er nach über 20 Monaten heim. News.de erzählte er im Interview, warum er tut, was er tut.

Clemens ist ein inspirierender Gesprächspartner, dessen amüsanten Erzählungen man sich kaum verschließen kann. Eigentlich wollte sich ihm in Texas ja der Weltstar Tom Hanks für ein Stück des Weges anschließen. Doch ihnen kam der Hurrikan Harvey in die Quere. Hanks und er wollen das aber noch in diesem Jahr nachholen. Das klappe, man sei in Kontakt, erzählt er. In New York hat er die Band Rammstein getroffen. Till Lindemann, ihr Frontsänger, habe spontan den Schlager „Ich geh vom Nordpol bis zum Südpol zu Fuß" für ihn gesungen. Robby Clemens erzählt gerne und er lacht gerne herzlich. Sein beeindruckender Ziegenbart scheint noch von den Entbehrungen der vergangenen Abenteuer zu zeugen.

„Wenn ich laufe, erfülle ich mir damit einerseits einfach Träume, andererseits gibt es da auch diese völkerverbindenden Idee. Ich bin dankbar und demütig, dass ich das machen darf. Ich tue es nicht des Geldes oder der Rekorde wegen."

„Ich messe meine Laufabenteuer an den Menschen, die ich kennenlerne, das ist meine Maßeinheit", erzählt er.

Seit er Extremläufer ist, verdient er sein Geld als Vortragsreisender, Motivationstrainer und Buchautor. Er berichtet an Schulen von seinem Weg heraus aus der Alkoholsucht und hinein in ein Leben voller Abenteuer und neuer Erkenntnisse. Vom Erweitern des eigenen Horizonts. Nach Rekorden jagt er nicht, wie er betont. Sein Motto ist: „Ich zähle keine Kilometer." Natürlich tut er es dann manchmal doch, aber darum geht es nicht. Sein Antrieb ist es, sich Träume zu erfüllen und anderen zu helfen. Darin findet er Zufriedenheit und einen Sinn, der ihm in jüngeren Jahren schon verloren gegangen war. Er sagt, das Laufen löse Probleme, die an Ort und Stelle, in der Bewegungslosigkeit, nicht zu lösen seien.

23.000 Kilometer. Fragt man ihn, wie das ginge - also wie ein Mensch so weit laufen kann ohne schnell an unüberwindliche körperliche Grenzen zu stoßen, scheint er die Frage gar nicht zu verstehen und spricht über die Faszination des Laufens in anderen Ländern. Es sei eine innere Einstellung. „Was du liebst, was du aus dem tiefsten Inneren heraus tun möchtest, das macht dich nie kaputt, das schreit immer wieder nach Neuem. Wer beispielsweise in seiner Arbeit etwas wirklich Spannendes zu tun hat, der schaut dabei auch nicht auf die Uhr." Mit körperlicher Fitness habe seine extreme Belastbarkeit nur wenig zu tun, sagt Clemens.

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