28.03.2019, 11.25 Uhr

Anschläge auf ICE-Strecken: Terrorverdächtiger in Wien gefasst! Rache an Deutschland als Motiv?

Anschläge mit gespannten Stahlseilen auf Bahnstrecken in Deutschland hatten vergangenes Jahr viele Bürger aufgeschreckt und verunsichert. Nun wird ein Iraker in Wien festgenommen. Er soll mit der Terrormiliz Islamischer Staat sympathisieren.

Polizisten suchen auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München die Schienen ab. Bild: Daniel Karmann/dpa

Gespannte Stahlseile quer über den Schienen sollten Züge zum Entgleisen bringen: Nach zwei Anschlägen auf Bahnstrecken in Bayern und Berlin hat die Polizei in Wien einen Iraker unter Terrorverdacht festgenommen. Der 42-Jährige, der in Wien wohnt, sympathisiert offensichtlich mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), wie die Generalstaatsanwaltschaften in München und Berlin sowie der Polizeipräsident Berlin und das bayerische Landeskriminalamt am Mittwoch mitteilten.

Anschläge auf ICE-Strecken: Terrorverdächtiger in Wien gefasst

Die Staatsanwaltschaft Wien erklärte, der Mann sei dringend verdächtig, im Oktober und Dezember in Deutschland die Anschläge auf Bahnstrecken verübt zu haben. Am Mittwoch wurde in Wien auch seine Frau wegen Verdachts auf Beihilfe festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte. Nur aufgrund eines "technischen Fehlers" sei der Plan nicht aufgegangen, Menschen zu töten. Die Deutsche Bahn erklärte dagegen am Mittwoch, dass von den Anschlägen keine Gefahr für Reisende ausging. Dem Vernehmen nach wurde ein 0,5 Zentimeter dickes Stahlseil gespannt. Ein ICE mit mehreren hundert Tonnen Gewicht sei damit nicht von den Gleisen zu bringen, hieß es.

Terrorverdächtiger vorher nicht als Gefährder bekannt

Weiter erklärten die Wiener Ermittler, in Tatortnähe aufgefundene Schriftstücke auf Arabisch sowie eine IS-Flagge begründeten "einen terroristischen Tatverdacht". Der Beschuldigte hat demnach die Taten gestanden, bestreitet aber einen terroristischen Hintergrund. Für die Behörden im Nachbarland war er ein unbeschriebenes Blatt. "Er ist strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten und auch nicht als Gefährder eingestuft", sagte Staatsanwältin Nina Bussek.

Anschlagsserie auf ICEs hält Deutschland in Atem

Konkret geht es um zwei Fälle: Am 7. Oktober war auf der ICE-Strecke Nürnberg-München bei Allersberg ein Stahlseil zwischen den Oberleitungsmasten befestigt worden. Zudem wurden mit Metallteilen verstärkte Holzkeile auf den Gleisen aufgebracht, um einen Zug zum Entgleisen zu bringen, wie die Ermittler mitteilten. Ein ICE hatte die Hindernisse überfahren, war aber nur leicht beschädigt worden.

Die Polizei Berlin hatte dann an Weihnachten von einem vergleichbaren Fall im Stadtteil Karlshorst berichtet. Die Oberleitung und ein Zug wurden beschädigt, Verletzungen trug niemand davon. Auch hier fanden Ermittler in Tatortnähe Schriftstücke in arabischer Sprache sowie eine Flagge des IS. Auf dieser Bahnstrecke fahren Regional- und EC-Züge.

Auch Berlin Opfer von Anschlägen

Ein Sprecher der Berliner Anklagebehörde sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Stahlseil-Konstruktion habe der in Bayern geähnelt. Die Tat war nach seinen Angaben am 15. Dezember: Der Verdächtige sei an dem Tag mit einer Mitfahrgelegenheit nach Berlin gekommen und abends mit einem Flixbus zurück nach Wien gefahren. Ein spezieller Berlin-Bezug des Verdächtigen sei nicht bekannt.

Tatverdächtiger soll vorher als Security-Mann gearbeitet haben

Nach Darstellung der "Kronen Zeitung" lebte der Mann als anerkannter Flüchtling schon seit vielen Jahren mit seiner Familie in Wien. Als Mitarbeiter einer Securityfirma soll der frühere Soldat laut der Zeitung Zugang zu sensiblen Sicherheitsbereichen von Fußballstadien ("Bild" recherchierte ein Foto des Irakers, auf dem er als Security bei einem Zweitligaspiel in Wien tätig wurde) und Einkaufszentren gehabt haben.

Entscheidung über U-Haft steht an

Das Landgericht Wien will im Laufe des Donnerstags über die Verhängung der Untersuchungshaft gegen den terrorverdächtigen Iraker entscheiden. Das gelte auch für seine ebenfalls festgenommene Frau, sagte eine Sprecherin des Gerichts. Dem 42-Jährigen wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen. Medienberichte über angebliche Motive kommentierte die Sprecherin nicht. Laut "Kronen Zeitung" hat der 42-jährige irakische Ex-Militär angegeben, aus Rache auf den Westen und speziell auf Deutschland gehandelt zu haben. Er sei bei einem Militäreinsatz an der irakisch-türkischen Grenze von einer Bombe verletzt worden. Die Anschläge seien Teil eines persönlichen Feldzugs, aber kein Akt eines Terrornetzwerks. Dem Iraker droht eine lebenslange Haftstrafe.

Zwei Mitstreiter des Irakers verhaftet - Österreichs Innenminister spricht von "Terrorzelle"

Im Zusammenhang mit der Verhaftung eines terrorverdächtigen Irakers in Wien sind nach Angaben des österreichischen Innenministers Herbert Kickl (FPÖ) zwei weitere Verdächtige festgenommen worden. "Gerade erst gestern wurden in Prag, in Tschechien, zwei weitere mutmaßliche Terroristen, mit denen dieser Iraker eine gemeinsame Zelle gebildet hat, festgenommen", sagte Kickl am Donnerstag in einer Rede vor dem Parlament.

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