26.03.2019, 10.41 Uhr

Neue Zuchtlinie "Zweinutzungshuhn": Ist endlich Schluss mit dem Kükenschreddern?

Das Schreddern und Vergasen von jährlich knapp 50 Millionen männlichen Küken allein in Deutschland soll schon seit längerem abgeschafft werden. Nachdem im vorigen Jahr eine  Geschlechtsbestimmungsmethode endlich Marktreife erlangte, präsentiert nun ein Forschungsprojekt aus Hannover das "Zweinutzungshuhn" als weiteren Weg, das Massentöten zu beenden.

Jährlich werden bundesweit knapp 50 Millionen männlicher Küken geschreddert. Bild: picture alliance/Waltraud Grubitzsch/dpa

Mit einer neuen Geflügel-Zuchtlinie lässt sich einem Hannoveraner Forschungsprojekt zufolge das millionenfache Töten männlicher Küken verhindern. Das Konzept ziele darauf ab, das Tierwohl zu verbessern, teilte die Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) mit. Beim so genannten Zweinutzungshuhn dienen die weiblichen Tiere als Legehennen, die männlichen werden für die Fleischproduktion genutzt - wie es vor der Industrialisierung üblich war.

Jährlich knapp 50 Millionen männliche Küken vergast und geschreddert

Seit rund 50 Jahren gibt es in der Legehennen-Zucht für männliche Küken keine Verwendung. 2017 wurden bundesweit 47 Millionen von ihnen kurz nach dem Schlüpfen geschreddert. Die Bundesregierung wollte eigentlich schon 2017 das Töten beenden und fördert Forschungsprojekte zu Alternativen.

Zweinutzungshuhn ist ruhiger und robuster, legt aber auch weniger Eier

Die Hennen des "Zweinutzungshuhns" legen der TiHo zufolge durchschnittlich 250 Eier im Jahr, etwa 50 Eier weniger als konventionelle Legehennen. Sie haben im Gegensatz zu herkömmlichen Vergleichstieren ein nahezu intaktes Gefieder und sind ruhiger, wie die Hochschule weiter mitteilte. Auch seien sie weniger empfindlich gegenüber Infektionen. Die Hähne müssen bis zur Schlachtreife allerdings etwa doppelt so lange wie normale Masthähne gehalten werden.

Auch alternative Technologien werden weiter erforscht

Schon jetzt kann man Eier aus Brütereien kaufen, in denen auch männliche Küken aufgezogen werden. Diese "Bruderhahn"-Eier sind aber teurer. Zudem gibt es mehrere Projekte zur Bestimmung des Geschlechts im Ei vor dem Ausbrüten, so dass männliche Küken erst gar nicht schlüpfen. Im letzten Jahr etwa wurde eine Methode zur Geschlechtsbestimmung mittels non-invasivem Hormontest marktreif. Diese ist allerdings relativ kostenintensiv, weshalb sie eher als Brückentechnologie bis zum Zweinutzungshuhn betrachtet wird.

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sit/news.de/dpa

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