Gegen Diskriminierung: Indianerkostüm in Kita tabu! Muss Fasching politisch korrekt sein?

Eine Hamburger Kita hat vorm Fasching alle Eltern darüber informiert, Kinder nicht als Indianer zu verkleiden. Daraufhin entbrennt eine Diskussion: Wie darf ich mich zu Fasching verkleiden? Welche Kostüme sind diskriminierend?

Sind Indianer-Kostüme an Fasching wirklich diskriminierend? Bild: AdobeStock / ferkelraggae

Als Indianer oder Scheichs verkleidete Kinder? In einer Hamburger Kita sind diese Kostüme zur Faschingszeit in diesem Jahr unerwünscht gewesen. Die Leitung der Einrichtung im Stadtteil Ottensen hatte sich in einem Schreiben an die Eltern stattdessen für vorurteilsfreie Kostüme eingesetzt. "Wir achten im Kita-Alltag sehr auf eine kultursensible, diskriminierungsfreie und vorurteilsbewusste Erziehung" und das solle sich auch an Faschingstagen nicht ändern, hieß es. Deshalb bat sie um Verkleidungen, die keine Stereotype wie Geschlecht, Hautfarbe und Kultur bedienen. Zuerst hatte die "Hamburger Morgenpost" berichtet.

Keine Stereotypen an Fasching in Kita in Hamburg

Der Trägerin der Einrichtung, die städtische Elbkinder Vereinigung Hamburger Kitas, steht hinter der Idee. "Es geht dabei überhaupt nicht darum, die Moralkeule zu schwingen", sagte die pädagogische Geschäftsführerin Franziska Larrá. Vielmehr gehe es um Sensibilisierung. "Wir wollen inklusiv sein und nicht mit Stereotypen Menschen verletzen." Eine Faschingsvorgabe an die 185 Elbkinder-Kitas habe es nicht gegeben.

Indianer und Scheichs an Fasching tabu! Keine Beschwerden der Eltern

Beschwerden über den Wunsch der Kita-Leitung, Fasching ohne Indianer und Scheichs feiern zu wollen, habe es übrigens nicht gegeben, sagte Larrá. Im Gegenteil: "Es haben sich bei der Leitung nur Eltern gemeldet, die das total gut fanden. Die haben sich gefreut, dass dafür eine Sensibilität geschaffen wurde." Ob am Ende doch Scheichs oder Indianer auf der Faschingsfeier in Ottensen waren, konnte Larrá nicht sagen: "Wenn ein Indianer gekommen ist, ist er sicherlich willkommen gewesen."

Politisch korrekter Fasching?

Der Hamburger Kita gehe es darum, keine Kostüme an Fasching zu tragen, die "auf Rasse oder Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder anderen Minderheit Bezug nehmen und zusätzlich negativ konnotiert sind und damit für Teile unserer Elternschaft verletzend sein könnten", zitiert die "Bild"-Zeitung eine Kita-Sprecherin. Doch muss Fasching wirklich politisch korrekt sein?

"Kinder müssen Stereotype verstehen. Man muss mit ihnen sprechen, was dahinter steckt, aber man sollte ihnen den Spaß an diesem einen Karnevalstag nicht verderben", sagt Björn Köhler, Vorstand für Jugendhilfe bei der Erziehungsgewerkschaft GEW, gegenüber der "Bild". "Es ist völlig weltfremd und absurd, Kindern zu verbieten, sich an Karneval als Indianer zu verkleiden. Kommt jetzt auch Winnetou auf den Index?", meintGrigorios Aggelidis, familienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, laut "Bild". Und auch der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion sieht das ähnlich: "Den Kindern geht es beim Verkleiden doch um Spaß und Kreativität. Und gerade sie sind dabei vorurteilsfrei und unverkrampft."

Die Grundidee der Kita, niemanden zu verletzen oder zu diskriminieren, ist gut. Doch wie weit darf man gehen? Ein Kind sucht sich ein Kostüm vermutlich deshalb aus, weil er es cool findet. Warum sollte man ihm diese Begeisterung nehmen?

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bua/fka/news.de/dpa

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