30.12.2018, 12.43 Uhr

Polizei-Einsatz am Flughafen Hannover: Mann legt Flugverkehr für Stunden lahm - Motiv unklar

Ein junger Mann schafft es mit seinem Wagen auf das Flughafengelände und bleibt unter einem Flugzeug stehen. An dem wichtigen Drehkreuz in Norddeutschland geht für Stunden nichts mehr. Die Polizei geht aber nicht von einem Terrorakt aus.

Polizeiautos stehen am Flughafen Hannover: Ein Mann versuchte aus noch ungeklärten Gründen mit seinem Auto auf das Vorfeld zu fahren. Bild: dpa

Am Flughafen Hannover hat sich ein Mann Zugang zum Vorfeld verschafft und ist mit einem Auto auf das Gelände gefahren. Der Mann habe ein verschlossenes Tor mit Gewalt geöffnet, teilte die Polizei mit. Der Flugverkehr wurde wegen des Zwischenfalls am Samstag für viereinhalb Stunden eingestellt. Am Abend gab es den Ermittlern zufolge keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund.

Zwischenfall auf Flughafen in Hannover: Mann stand unter Drogen

Laut der Polizeimitteilung vom späten Samstagabend hielt der Mann unter einem auf dem Vorfeld stehenden Flugzeug der griechischen Airline Aegean an, wo Beamte der Bundespolizei ihn überwältigten. Er soll Widerstand geleistet haben.

Bei einer Durchsuchung des Wagens gab es nach Angaben der Polizei keine Hinweise auf Sprengstoff. Weder im Wagen noch am Mann seien gefährliche Gegenstände gefunden worden. Die Beamten gingen von einem Einzeltäter aus. Der Fahrer habe laut Drogentest unter dem Einfluss von Kokain und Amphetaminen gestanden. Sein Motiv sei noch völlig unklar. Verletzte habe es nicht gegeben. Gegen den Mann wurde ein Verfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet.

Der Festgenommene sei am Sonntag einem Haftrichter vorgeführt worden, nachdem er bis dahin keine Angaben zur Tat und zu seinem Motiv gemacht habe.

21-jähriger Mann legt Flugverkehr in Hannover lahm

Etliche Passagiere harrten über Stunden am Flughafen aus, bis der Flugbetrieb gegen 20.00 Uhr wieder aufgenommen wurde. Landende Maschinen waren in anderen Städte umgeleitet worden. Eine aus München kommende Maschine wurde zum Flughafen Bremen umgeleitet, wie eine Pressesprecherin des Flughafens dort sagte. Mehr Umleitungen nach Bremen habe es nicht gegeben, generell sei der Flugverkehr an den Tagen zwischen den Jahren schwach. In Hamburg landeten bis zum Abend drei Flugzeuge aus Palma, Teneriffa und Istanbul, die in Hannover hätten ankommen sollen, wie es von einer Pressesprecherin des Hamburger Airports hieß.

Der festgenommene Autofahrer gab an, aus Polen zu stammen und 21 Jahre alt zu sein. Die Polizei bestätigte das nicht, weil der Mann keinen Ausweis dabei hatte. Das Auto hatte ein polnisches Kennzeichen.

Der Flughafen stellte den Flugbetrieb von 15.30 bis 20.06 Uhr ein. Betroffen waren 9 Starts und 13 Landungen, wie der Airport am Abend mitteilte. "So einen Vorfall hat es in der gesamten Geschichte des Flughafens noch nicht gegeben", sagte Geschäftsführer Raoul Hille.

Hat das Sicherheitskonzept am Flughafen Hannover-Langenhagen versagt?

Der Flughafen Hannover-Langenhagen ist ein wichtiges internationales Drehkreuz. Er bietet sowohl innerdeutsche als auch internationale Flugverbindungen an. Die in Hannover beheimatete Fluggesellschaft Tuifly fliegt von hier sehr viele Ziele an. Drei nahe beieinander liegende Terminals - A, B und C - gibt es. Im vergangenen Jahr hatte der Flughafen 5,87 Millionen Fluggäste, im Jahr davor waren es 5,4 Millionen. Das Flughafengelände umfasst 1000 Hektar Fläche.

Nach dem Zwischenfall ist noch unklar, ob und welche Konsequenzen für das Sicherheitskonzept gezogen werden. Flughafensprecher Sönke Jacobsen sagte am Samstagabend, nur wenige Stunden nach dem Vorfall sei es noch zu früh zu sagen, ob das Sicherheitskonzept überarbeitet werden müsse.

Polizei lobt Vorgehen der Einsatzkräfte bei Vorfall in Hannover

Aus Sicht der Bundespolizei griffen die Sicherheitsmechanismen optimal. Die Einsatzkräfte seien sofort eingeschritten. Dass eine Person auf das Vorfeld gelange, sei niemals komplett auszuschließen. Erst im Sommer hatte die Bundespolizei gemeinsam mit anderen Behörden und Partnern den Sicherheitsplan am Flughafen unterzeichnet. Dieser solle fortlaufend ergänzt und optimiert werden, hieß es.

Der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg lobte die ergriffenen Maßnahmen der Bundespolizei. "Es ist vollkommen richtig, den Flugbetrieb zunächst einzustellen, damit keine Passagiere und Mitarbeiter in Mitleidenschaft gezogen werden können", sagte er. Dennoch stelle er sich dieFrage, wie überhaupt jemand auf das Flughafengelände vordringen kann. "Wenn einer keinen Plan hat und trotzdem durchkommt, muss man fragen, was genau falsch gelaufen ist."

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kad/news.de/dpa

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