30.10.2018, 18.29 Uhr

Unwetter in Europa 2018: Tote nach Unwetter in Italien, Schnee-Chaos in Spanien

Hochwasser ist in Venedig Alltag. Doch nun trifft es die Stadt so hart wie seit Jahren nicht mehr. Fast ganz Italien ist wegen Unwettern im Alarmzustand. Auch in Spanien sorgte das Unwetter für Stromausfälle und Chaos.

Vor allem in Venedig ist man Hochwasser gewohnt, doch die Lage am Montag war so kritisch wie selten. Bild: dpa

Der Sturm reißt Bäume aus, Venedig steht unter Wasser, Menschen sterben: Unwetter haben fast ganz Italien getroffen und schwere Schäden angerichtet. Mehrere Menschen werden von Bäumen erschlagen. Auf die Brenner-Autobahn in Südtirol rutschten Erdmassen. Die wichtige Verkehrsverbindung zwischen Österreich und Italien wurde am Montag zeitweise gesperrt. Venedig vermeldete ein Hochwasser, so schlimm wie seit zehn Jahren nicht mehr, der Markusplatz wurde evakuiert. Die Polizei brachte Touristen in Sicherheit. In Rom knickte der Wind Bäume um wie Streichhölzer, Antennen flogen von den Dächern.

Tote nach Unwettern in Italien - Venedig überschwemmt

In der Provinz Frosinone südlich von Rom kamen am Montag zwei Menschen ums Leben, als ein Baum auf ihr Auto stürzte, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. In Terracina in der Region Latium, in Neapel und in Savona in Ligurien starben insgesamt drei Menschen. Schon am Sonntag waren mindestens fünf Menschen gestorben.

Starkregen und Sturmböen legen Italien lahm

Die Schlechtwetterfront mit Starkregen und Sturmböen lähmte das Land praktisch von Nord bis Süd. Schulen und Kindergärten blieben in vielen Regionen geschlossen, darunter in Venetien, in Ligurien, in ganz Rom und in Teilen der Toskana. Auch am Dienstag sollten sie in vielen Orten, darunter in Rom, zu bleiben.

Unwetter-Gefahr! Höchste Alarmstufe in Südtirol

In Südtirol rief der Zivilschutz die höchste Alarmstufe Rot aus, das bedeute, dass ein "Katastrophenfall" möglich sei. "Der Boden kann nur mehr wenig Wasser aufnehmen", erklärte die Feuerwehr. Damit steige die Gefahr für weitere Erdrutsche. Auch die Flüsse dürften weiter anschwellen.

Auf der Autobahn zwischen Brenner und Sterzing hatte schon am Sonntag ein Erdrutsch mehrere Autos erfasst, es gab aber keine Schwerverletzten. Auf Bildern war zu sehen, wie Autos im braunen Schlamm feststecken. Der ADAC rief Autofahrer auf, die Gegend weiträumig zu umfahren.

Katastrophen-Alarm! Hochwasser in Venedig

In Venetien war die Lage angespannt. Vor allem in Venedig ist man Hochwasser gewohnt, doch die Lage am Montag war so kritisch wie selten. Bürgermeister Luigi Brugnaro zeigte sich in einem Video vor dem Markusplatz - dahinter reißende Wassermassen. Der Platz sei evakuiert worden, die Polizei trug Kinder durch das Wasser.

Am Nachmittag wurden 156 Zentimeter über dem Meeresspiegel gemessen - so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das bedeutet, dass 70 Prozent der historischen Altstadt überflutet sind. Und das Wasser in der Unesco-Welterbestadt sollte weiter steigen. Brugnaro rief alle Bewohner auf, zuhause zu bleiben. Im Hinterland, im bekannten Skiort Cortina d'Ampezzo, mussten Dutzende Menschen ihre Häuser räumen.

Sturmflut in Ligurien

In Ligurien war ebenfalls höchster Alarm. Der Zivilschutz sprach von einer Sturmflut mit Wellen, die bis zu acht Meter erreichen könnten, meldete Ansa. In dem Ort Monterosso in der Touristengegend Cinque Terre mussten die Menschen Erdgeschosswohnungen verlassen.

In Rom knickten zahlreiche Bäume im Zentrum um, Autos wurden zerquetscht, Straßen gesperrt. Das Kolosseum, der Palatin-Hügel und die Kaiserforen wurden für Besucher gesperrt.

Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle auf Sardinien

Weiter im Süden blieben Schiffe im Hafen, so wurde zwischen Neapel und der Insel Ischia der Verkehr eingestellt. In Alghero auf Sardinien sprachen Medien von Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle.

Der Klimawandel verschärft nach Ansicht von Forschern viele Umweltprobleme im Mittelmeerraum. Bild: dpa

Immerhin: Am Dienstag sollte sich das Wetter ein wenig bessern, jedoch warnte der Wetterdienst 3B Meteo vor neuen Unwettern im Nordwesten.

Schnee und Unwetter in Spanien - Tausende ohne Strom

Heftiger Schneefall und Unwetter haben auch in Spanien viele Regionen in Chaos gestürzt. Auf Menorca mussten rund 30.000 Haushalte aufgrund eines Tornados, der die Balearen-Insel am Wochenende heimgesucht hatte, am Dienstag bereits seit knapp 48 Stunden ohne Strom ausharren, wie die Regionalbehörden mitteilten. Das Versorgungsunternehmen Endesa werde zur Behebung des Problems im Laufe des Tages rund 60 Generatoren installieren, hieß es. Im Nordwesten Spaniens sorgten arktische Luftmassen seit dem Wochenende für einen ungewöhnlich frühen Wintereinbruch und weiße Landschaften. Für Dienstag gab der Wetterdienst Aemet für 24 der 50 Provinzen des Landes die Alarmstufe Orange oder Gelb aus.

Schnee-Chaos! Autobahnen in Spanien unbefahrbar

Viele Straßen und Autobahnen waren in den Autonomen Gemeinschaften Asturien und Galicien am Dienstag wegen des Schnees weiterhin unbefahrbar, eine wichtige Zugverbindung war seit Montag unterbrochen. Heftige Stürme hatten am Sonntag und Montag Bäume und Strommasten umgerissen. Zur Unterstützung der Räumungsarbeiten schickten die Streitkräfte rund 120 Angehörige der Militärischen Nothilfeeinheit UME. Die malerischen Winterlandschaften in Asturien konnten die Bewohner von rund 4600 Häusern kaum genießen - sie waren am Dienstag laut Regionalbehörden weiter ohne Stromversorgung

Unwetter in Kroatien: Autobahnen gesperrt, Fährverbindungen ausgefallen

Nicht nur Italien und Spanien, auch Kroatien war betroffen. Die Autobahnen rund um die nördliche Hafenstadt Rijeka wurden nach Medienberichten wegen Starkregens vorerst für den Verkehr gesperrt. Wegen Sturms mit Orkanböen fielen zwischen Dubrovnik und Rijeka zahlreiche Fährverbindungen vom Festland zu den Inseln aus. Der staatliche Wetterdienst erließ am Montagmorgen für die gesamte kroatische Küstenregion höchste Warnstufe.

Starker Schneefall in der Schweiz - Alpenpässe gesperrt

Meldungen zum Wetter gab es auch aus der Schweiz: Wegen starken Schneefalls waren mehrere Alpenpässe gesperrt. Darunter ist auch der Gotthardpass, der letztmals vor zehn Jahren bereits Ende Oktober nicht mehr passierbar war.

In Österreich sollten angesichts von Hochwasser und drohender weiterer Regenfälle die Schulen in Teilen Kärntens und in Osttirol am Dienstag geschlossen bleiben, so die Behörden. Sorgen bereitet auch der Sturm. Laut "Wetter.at" rechnen Experten mit massiven Überflutungen. Ein Feuerwehrmann sei in der Nacht sogar ums Leben gekommen. "Wir trauern um einen unserer Kameraden, der bei einem Unwetter-Einsatz heute Nacht leider ums Leben gekommen ist", schrieb der Landesfeuerwehrverband in einem Posting auf Facebook.

Feuerwehr und Rettung seien im Dauereinsatz. Sandsäcke werden aufgestockt und Stauseen abgesenkt. Schulen wurden bis morgen geschlossen. In Osttirol seien zudem 200 Soldaten im Einsatz, um zu helfen. In verschiedenen Regionen sei es außerdem zu Stromausfällen gekommen.

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