Abschaffung der Zeitumstellung: Wann genau wird die Sommerzeit/Winterzeit in Deutschland abgeschafft?

In der Nacht vom 27. zum 28. Oktober 2018 war es wieder so weit: Die Uhrzeit wurde von Sommerzeit auf Winterzeit umgestellt. Doch wann bleibt uns die leidige Zeitumstellung endlich erspart? Alles Wichtige zum Thema hier.

Noch stellen alle EU-Bürger die Zeit im März eine Stunde vor, und im Oktober eine Stunde zurück. Damit könnte schon bald Schluss sein. Bild: Oliver Berg / picture alliance / dpa

Zwei Mal im Jahr stehen die Bundesbürger vor der gleichen Frage, wenn die Zeitumstellung ansteht: Wird die Uhr vor oder zurück gestellt? Und weshalb werden die Uhren überhaupt umgestellt, wenn der Herbst in den Winter und der Frühling in den Sommer übergeht?

Zeitumstellung kann Schlafstörungen und Depressionen verursachen

So manchem geht die Zeitumstellung nicht nur auf die Nerven, sondern schlägt auch aufs Gemüt: Schlafstörungen, Probleme mit dem Blutdruck, Veränderungen von Puls und Körpertemperatur oder gar depressive Verstimmungen sind in Zusammenhang mit der Zeitumstellung beschrieben worden. Kaum verwunderlich, dass so mancher die Zeitumstellung am liebsten abschaffen würde - und genau das könnte in absehbarer Zukunft passieren.

EU-Kommission rief zu Online-Umfrage zur Zukunft der Zeitumstellung auf

Sie erinnern sich: Im Sommer startete die Europäische Union eine Online-Umfrage, in der die Bürger ihre Stimme abgeben konnten, ob die Umstellung zwischen Sommerzeit und Winterzeit abgeschafft werden solle oder lieber beibehalten gehört. Die Umfrage stieß auf beachtliche Resonanz, 4,6 Millionen EU-Bürger gaben online ihre Stimme ab. Auch das Ergebnis war eindeutig: offiziellen Angaben zufolge hatten sich 84 Prozent der Teilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen.

Europa hat entschieden! 84 Prozent wollen Zeitumstellung abschaffen

Die Ablehnung der Zeitumstellung war unter den Teilnehmern in fast allen Ländern überwältigend: In Finnland und Polen erreichten die Gegner des Hin und Her Quoten von jeweils 95 Prozent, in Spanien 93, in Litauen 91 und in Ungarn und Kroatien jeweils 90 Prozent der Abstimmenden. Nur in Griechenland und Zypern waren die Befürworter der Zeitumstellung unter den Teilnehmern in der Mehrheit, mit einem Anteil von 56 Prozent beziehungsweise 53 Prozent.

EU-Umfrage zur Zeitumstellung - Wie geht's weiter mit Sommerzeit und Winterzeit?

Das Umfrageergebnis lässt also wenig Interpretationsspielraum zu - doch wie geht es nun offiziell weiter? Wann wird die Zeitumstellung abgeschafft - oder hat die EU-Umfrage keine handfesten Konsequenzen? Wenn es nach der EU-Kommission geht, soll in naher Zukunft einGesetzesvorschlag zur Abschaffung des Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit vorgelegt werden.

Wird die Zeitumstellung schon 2020 endgültig abgeschafft?

Zwar gäbe es Aussagen von EU-Kommissarin Violeta Bulc zufolge noch keinen konkreten Termin für die Abschaffung der Zeitumstellung - dochwenn Europaparlament und EU-Staaten dem Gesetzesvorschlag zustimmen sollten, könnte die Entscheidung schon im kommenden Jahr, also 2019, fallen. Damit wäre das endgültige Ende der Umstellung zwischen Sommerzeit und Winterzeit schon 2020 oder 2021 denkbar. Wann in Deutschland zum letzten Mal die Uhren umgestellt werden, dürfte jedoch auf nationaler Ebene entschieden werden, denn die einzelnen Länder sollen selbst entscheiden dürfen, ob sie dauerhaft die Winter- oder die Sommerzeit einführen wollen.

EU-Verkehrsminister diskutieren über Abschaffung der Zeitumstellung

Die EU-Verkehrsminister diskutieren am Montag im österreichischen Graz über die Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung. Bei dem informellen Treffen werden die zuständigen Minister die Pläne zum ersten Mal besprechen. Entscheidungen sind nicht vorgesehen.

Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, die Zeitumstellung abzuschaffen. Die Staaten sollen stattdessen wählen können, ob sie künftig immer Winter- oder Sommerzeit haben wollen. Die EU-Staaten und das Europaparlament müssten den Vorschlägen mehrheitlich zustimmen, damit sie in die Tat umgesetzt werden können. In manchen EU-Hauptstädten gab es noch Klärungsbedarf. Deutschland tendiert allerdings bereits zu permanenter Sommerzeit, ebenso wie Österreich, das derzeit den Vorsitz unter den EU-Staaten inne hat.

Die Brüsseler Behörde hatte die Änderung vorgeschlagen, nachdem sich in einer EU-weiten Online-Umfrage 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen hatten. Die meisten plädierten für eine dauerhafte Sommerzeit. 4,6 Millionen Antworten gingen bei der EU-Kommission ein - ein Rekord für diese Art von Befragungen, jedoch weniger als ein Prozent der EU-Bevölkerung. Allein 3 Millionen Teilnehmer kamen aus Deutschland.

Kein deutscher Alleingang bei Sommer- und Winterzeit

In der europaweiten Debatte um eine Abschaffung der Zeitumstellung wird es voraussichtlich keinen deutschen Sonderweg geben. "Ich halte es für relativ unwahrscheinlich, dass wir das in einem Alleingang machen", sagte Justizministerin Katarina Barley (SPD) am Mittwoch bei der Regierungsbefragung im Bundestag. Zwar gebe es noch keine abgestimmte Haltung in der Bundesregierung, aber es sei wohl sinnvoll, "dass man das in einem größeren Gebiet gleich handhabt".

Wenn es nach den Bundesbürgern geht, hat jedoch die Sommerzeit gute Chancen, dauerhaft in Deutschland eingeführt zu werden. Das Institut Kantar Emnid führte nach Bekanntwerden der EU-Umfrageergebnisse selbst eine Abstimmung durch und befragte die Deutschen, ob sie lieber dauerhaft die Sommerzeit und Winterzeit bevorzugen würden. Dabei sprachen sich 51 Prozent der Befragten für die Sommerzeit aus. 42 Prozent der Bürger dagegen sind dafür, künftig nur noch die Winterzeit beizubehalten.

Sommerzeit oder Winterzeit? Meinung in Deutschland ist gespalten

Besonders groß ist danach die Zustimmung zur Winterzeit bei den älteren Bundesbürgern. Von den über 65-Jährigen sprachen sich 57 Prozent für die Winterzeit und nur 38 Prozent für die Sommerzeit aus. Umgekehrt gibt es bei den 14- bis 29-Jährigen mit 66 Prozent die größte Zustimmung zur dauerhaften Sommerzeit (Winterzeit: 27 Prozent). Kantar Emnid befragte vom 16. bis 17. Oktober insgesamt 1.009 Wahlberechtigte.

Für eine dauerhafte Sommerzeit ist dem "Focus" zufolge auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). "In Europa will eine große Mehrheit der Menschen ohne Zeitumstellung leben. Das sollte uns antreiben. Ich kann mir zwölf Monate Sommerzeit jedenfalls gut vorstellen", sagte Spahn dem "Focus". Gegenwind zur Haltung Spahns kommt dagegen vom Deutschen Lehrerverband. Dessen Verbandsvorsitzender Heinz-Peter Meidinger verlangte, künftig die Winterzeit beizubehalten. "Aus Eltern-, Schüler- und Lehrersicht wäre eine Umstellung auf dauerhafte Winterzeit unbedingt geboten", sagte er. Damit werde verhindert, dass sich Kinder monatelang bei Dunkelheit auf den Schulweg machen müssen.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

loc/kad/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser