29.09.2018, 20.47 Uhr

Messer-Attacke in Ravensburg: 3 Verletzte! Psychisch kranker Täter wollte Kollegenstreit austragen

Bei einer Messerstecherei in Ravensburg sind mehrere Menschen verletzt worden, einer davon lebensgefährlich. Die Polizei konnte den Angreifer nach den Vorfall festnehmen. Der wollte einen Kollegenstreit mit einem Messer "beilegen".

Polizisten stehen am abgesperrten Tatort auf dem Ravensburger Marienplatz. Ein Mann hatte in der Innenstadt drei Menschen mit einem Messer verletzt. Bild: dpa/Felix Kästle

Ein Mann hat in der Innenstadt von Ravensburg in der Bodensee-Region drei Menschen mit einem Messer schwer verletzt, einen davon lebensgefährlich. Wie die Polizei auf Twitter mitteilte, konnte der Angreifer nach dem Vorfall am Freitag gefasst werden. Dabei handele es sich um einen 19-jährigen Asylbewerber aus Afghanistan. Die Verletzten wurden in ein Krankenhaus gebracht. Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus. Sein Motiv war zunächst nicht bekannt. Einen terroristischen Hintergrund schließen die Ermittler jedoch aus. Derzeit gebe es darauf keine Hinweise, sagte ein Polizeisprecher.

Drei Verletzte nach Messer-Attacke auf Ravensburger Marienplatz

Die Attacke hatte sich demnach auf dem Marienplatz ereignet. Wie die"Schwäbischen Zeitung" berichtet, sei der Mann ohne Vorwarnung mit einem Küchenmesser auf den Platz gestürmt. Dem Bericht nach wurden die Verletzten an mehreren Orten rund um die Altstadt gefunden.

Die Kriminalpolizei sicherte am frühen Abend zunächst noch Spuren. Weder Alter noch Herkunft der Beteiligten waren zunächst bekannt. Bei dem Angreifer soll es sich um einen jüngeren Mann gehandelt haben.

Tat-Motiv aktuell unklar

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei soll der Täter zunächst auf zwei Passanten an einer Bushaltestelle auf dem Marienplatz eingestochen haben und anschließend 50 Meter entfernt auf ein weiteres Opfer. Bei den Opfern handelt es sich um zwei 19 und 20 Jahre alte Asylbewerber aus Syrien und einen 52-jährigen Deutschen. Der Oberbürgermeister der schwäbischen Stadt, Daniel Rapp (CDU), scheint maßgeblich dazu beigetragen zu haben, dass der Täter gestoppt werden konnte.

Ravensburger OB stellt Angreifer nach Messerattacke selbst

Nach eigenen Angaben hat der Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp den Angreifer persönlich gestellt."Ich war zufällig in der Nähe", sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Zuvor hatte die "Schwäbische Zeitung" darüber berichtet. Weil Zeugen "völlig aufgelöst" zu ihm gerannt seien, sei er zum Tatort gegangen. "Dann stand plötzlich der Täter direkt vor mir mit dem blutüberströmten Messer und hat mich bedroht", erzählte der 46-Jährige. "Ich habe dann gesagt, er soll das Messer auf den Boden legen." Das habe der Mann getan.

Auch Rapp konnte zu dem Tatmotiv keine Angaben machen. Er kannte nach eigenem Bekunden weder Täter noch Opfer. Den Angreifer beschrieb er als "jungen, eher schmächtigen Mann". Die Tatwaffe war Rapp zufolge eine Art Fleischermesser. Und: "In dem Moment machte er auch mich einen unsicheren Eindruck."

Update vom 29.09.2018: Mann nach Messerattacke in Psychiatrie - Kollegenstreit spielte Rolle 

Nach der Messerattacke in der Ravensburger Innenstadt ist der mutmaßliche Täter in eine psychiatrische Einrichtung gekommen. Anstelle eines Haftbefehls wurde ein sogenannter Unterbringungsbefehl erlassen. Die Polizei teilte am Samstag mit, der afghanische Asylbewerber leide nach Einschätzung eines Gutachters an einer tiefgreifenden psychiatrischen Erkrankung. Er sei mehrfach in stationärer Therapie gewesen. Hintergrund soll auch ein Streit mit einem Arbeitskollegen gewesen sein.

Der mutmaßliche Angreifer ist nach aktuellen Erkenntnissen 21 Jahre alt, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Dem Mann werden versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Seine Schuldfähigkeit war nach vorläufigem Sachverständigen-Gutachten bei der Tat jedoch ausgeschlossen oder erheblich vermindert. Der 21-Jährige hatte am Freitag auf drei Menschen in der Ravensburger Innenstadt eingestochen und war danach festgenommen worden.

Der Verdächtige wollte einen Streit mit einem Arbeitskollegen austragen

Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl sagte zu den Hintergründen, der Mann habe einen Streit mit einem Arbeitskollegen austragen wollen und diesen aufgefordert, zum Marienplatz zu kommen. Der Grund: Er habe sich wegen Äußerungen des Kollegen gehänselt gefühlt. Am Vormittag kaufte sich der 21-Jährige dann ein großes Küchenmesser und ging zum Marienplatz. Als sein Kollege nicht kam, stach der Mann "unvermittelt und im Rahmen eines psychotischen Erlebens" auf zwei syrische Asylbewerber ein.

Dann attackierte er einen dritten Mann, der nicht verletzt wurde. Wenig später stellte sich ein 52-Jähriger im Außenbereich einer Gaststätte dem Beschuldigten entgegen. Der Tatverdächtige fügte auch diesem Mann Stichverletzungen zu. Laut Diehl war der 21-Jährige, der seit 2016 in Deutschland ist, bislang nicht mit Aggressionen gegen andere aufgefallen.

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sba/news.de/dpa

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